Grünstadt Herzog: Keine Zeit verstreichen lassen

Eng: die Bundesstraße 271 führt durch Bockenheim.
Eng: die Bundesstraße 271 führt durch Bockenheim.

Am Dienstag, 7. August, will die Gemeinde Bockenheim die Einwohner über das Ergebnis der Machbarkeitsstudie zur Ortsumgehung informieren, die sie 2016 in Auftrag gegeben hatte. Wir fragten den SPD-Bundestagsabgeordneten Gustav Herzog (Zellertal), der im Verkehrsausschuss des Bundestags sitzt, nach seiner Einschätzung.

Die Bundesstraße B 271 führt mitten durch Bockenheim. Wenn sich zwei Lastwagen in der engen Ortsdurchfahrt begegnen oder wenn der Verkehr von der Autobahn durchgeleitet wird, geht manchmal nichts mehr. Viele in der Gemeinde wünschen sich deshalb eine Umgehungsstraße, so wie sie gerade für Kirchheim gebaut wird. Doch die Aussichten sind nicht rosig, zumal versäumt wurde, den Finger zu heben, als es darum ging, den Bedarf für den Bundesverkehrswegeplan 2030 anzumelden, der 2016 verabschiedet wurde. Zwar werden die Bedarfspläne in Abständen von fünf Jahren überprüft, aber nur ganz selten würden Änderungen vorgenommen, sagt Gustav Herzog. Die Bockenheimer hätten sich an ihn gewandt, als sie merkten, dass sie mit ihrem Wunsch nach einer ortsnahen Umgehung der B 271 nicht für den Bundesverkehrswegeplan gemeldet waren. Aber, so Herzog, Bockenheim hätte auch damals kaum eine Chance gehabt, reinzukommen, schon gar nicht als „Vordringlicher Bedarf“. Das zeige auch die Machbarkeitsstudie, die die Gemeinde beim Büro R+T Ingenieure für Verkehrsplanung, Darmstadt in Auftrag geben hatte. Denn diese Studie, die die beiden ortsnahen Umgehungsvarianten – im Westen und im Osten der Gemeinde – untersuchte, habe ergeben, dass das Nutzen-Kosten-Verhältnis deutlich unter der Kennziffer 1 liege, die Kosten für den Bau einer ortsnahen Umgehung also viel höher seien als der erwartete Nutzen. Damit ein ganz neues Straßenbauprojekt überhaupt eine Chance habe, in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen zu werden, müsse diese Zahl deutlich über 2 liegen, erläutert der Abgeordnete. Sogar wenn die Gemeinde die enge Ortsdurchfahrt ins Feld führe und die Tatsache, dass diese als Umleitungsstrecke für die Autobahn diene, wäre es dennoch schwierig, deutlich über 1 zu kommen. Herzog rät deshalb dazu, den Blick zu weiten, eine größere Region einzubeziehen. Er hält es für wichtig, dass untersucht wird, welche Auswirkungen die durchgängige Umgehung der B 271 zwischen Bad Dürkheim und Grünstadt sowie der komplett vierspurige Ausbau der B 47 zwischen dem hessischen Lorsch (Autobahn 67) über Worms (zum dortigen Autobahnanschluss A 61) mit der Verbindung nach Monsheim zur B 271 haben werden. Sobald es diese neuen Verkehrsverbindungen gebe, werde Bockenheim zum entscheidenden Nadelöhr. Herzog regt an, dass sich die Gemeinde um eine neue Untersuchung bemüht, die die weiträumige Verkehrssituation als Basis nimmt, aber auch Obrigheim und zum Beispiel die Zuckerfabrik mitberücksichtigt. Dafür sei eine Menge an Vorarbeit zu leisten, sagt der Verkehrsexperte. „Ortsnah ist nicht die Problemlösung für Bockenheim“, so Herzog. Deshalb müssten auch die Verbandsgemeinde und der Kreis initiativ werden, forderte Herzog: „Es geht um mehr als eine Ortsgemeinde, dazu muss sich die Kreisverwaltung auch mit dem Kreis Alzey-Worms abstimmen und eine regionale Verkehrsuntersuchung machen lassen.“ Herzog rät, kein zweites Mal Zeit verstreichen zu lassen, sondern in den nächsten fünf, sechs Jahren intensiv zu arbeiten, auch mit Experten vom Landesbetrieb Mobilität und dem Ministerium zu reden, um einen gut begründeten Antrag für den nächsten Bundesverkehrswegeplan einreichen zu können: „Das muss das realistische Ziel sein.“

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