Ebertsheim / Kerzenheim
Hausarztpraxis hat über 2000 Impfungen geschafft
„Nein, nein, von Oberarmen träumen wir noch nicht“, sagt Claudia Czekalla lachend. Und das obwohl die medizinische Fachangestellte mit ihrer Kollegin Nicole Frey und den beiden Chefs der Impfpraxis in den vergangenen 49 Wochen bislang über 2000 Nadeln gegen Corona gesetzt hat. Allein bei Czekalla waren es etwa 500. „Wobei“, sagt Nicole Frey und zeigt auf einen großen Stapel Papiere: „Das Impfen selbst ist das Wenigste. Wesentlich mehr Energie und Zeit müssen wir in die Organisation, Verwaltung und Dokumentation investieren.“ Der hohe Stapel besteht aus Impf-Unterlagen von nur einer Woche. Sie müssen noch geprüft, eingescannt und zur statistischen Erfassung an die rheinland-pfälzische Verwaltungsstelle gemailt werden.
20 Euro pro Impfung
Damit gehen sie nicht nur in die Berechnung der landes- oder bundesweiten Impfquote ein. Sie bilden auch die Basis für die Abrechnung der Covid-Impfungen. Pro Injektion gibt’s 20 Euro, pro Impfung zu Hause 35 Euro plus der üblichen Kilometerpauschale. „Gerade Schwerstkranke können oft gar nicht in die Praxis kommen“, hebt Ärztin Sabine Franke-Busch die medizinische Notwendigkeit für eine Hausimpfung hervor. Das Abrechnen aller Impfungen über die Kassenärztliche Vereinigung ist eine der Aufgaben von Doris Fürst, der dritten im eingespielten Impfteam-Bunde.
Die Berechnung des Honorars ist jedoch das allerletzte Glied einer langen, langen Organisations- und Verwaltungskette zur Corona-Impfung. Sie beginnt mit der Vergabe der Termine an impfwillige Patienten. Je nach Corona-Lage – besser gesagt: Art der Einschränkungen (wie momentan etwa die Testpflicht für Ungeboosterte, die ein Restaurant besuchen wollen –, variieren die Anfragen von Impfwilligen. In der Anzahl, aber auch in „Art und Lautstärke“. „Die allermeisten haben ja Verständnis dafür, dass nicht alle auf einmal geimpft werden können. Wir hatten aber auch schon ganz andere hier auf der Matte“, berichtet Frey über „verbale Ausreißer“ in der Praxis. Und das, obwohl das Team auf viele Faktoren gar keinen Einfluss hat.
In der Woche vorher wird bestellt
Anhand der Anmeldungen gibt Frey jeden Dienstag den Bedarf der Gemeinschaftspraxis für die nächste Woche an Biontec- und Moderna-Dosen an die Apotheke weiter. „Donnerstags erfahren wir dann, wie viel tatsächlich davon geliefert wird“, sagen Czekalla und Frey. Sie haben hier schon so manche Überraschung erlebt, mussten dann kurzfristig Termine verlegen oder konnten neue hinzunehmen.
Vorm eigentlichen Impfen ist unter anderem die medizinische Belehrung und Einverständnisklärung jedes Einzelnen zu organisieren und zu dokumentieren und es sind die Impfzertifikate vorzubereiten. Und natürlich ist immer für genügend „Material“ zu sorgen: von Handschuhen über Desinfektionsmittel, Einwegspritzen bis hin zu Aufklebern für den Impfausweis.
Mittwoch und Freitag sind Impftage
In der Regel bietet die Praxis Schlamp/Franke-Busch jeden Mittwoch und Freitag Impftage an;, doch in den vergangenen drei Wochen wurde wegen der erhöhten Nachfrage auch wieder an Samstagen geimpft. An jedem Tag können zwischen 70 und 80 Personen geimpft werden. Großer Vorteil der Gemeinschaftspraxis, neben der Möglichkeit, dass sich Schlamp und Franke-Busch abwechseln können: Mit Ebertsheim und Kerzenheim gibt es zwei Praxis-Standorte. Während in Ebertsheim der „normale Betrieb“ weitergeht, kann in der Kerzenheimer Praxis gleichzeitig geimpft werden. Dadurch werden die Patienten aufgeteilt, lange Schlangen oder übervolle Wartezimmer an Impftagen vermieden. Denn auch ohne Corona vermeldet Dino Schlamp einen enorm gewachsenen Arbeitsaufwand der Gemeinschaftspraxis: „Wir sind inzwischen echt am Limit, so viele Patienten hatten wir noch nie.“
Impftermine bis März
Vielleicht liegt der Zustrom ja aber zumindest mittelbar an Corona, sprich: der Arbeit des erfolgreichen Impfteams. Über 2000 Impfungen – übrigens alle ohne nennenswerte Nebenwirkungen – hat es seit dem Auftakt am 25. Januar vorgenommen. Das spricht sich natürlich auch bei Impfwilligen herum. So hat das Team bereits bis März nächsten Jahres Impftermine eingetragen. „Da sind jedoch keine für Kinder unter zwölf Jahren dabei. Das machen wir auch künftig nicht, weil dazu wieder eine andere Impfdosis mit noch mehr Verwaltung notwendig wäre“, erklärt Frey.
Mehr als genug zu tun,gibt es auch so. „Das Team ist immer noch voll engagiert dabei, nimmt Überstunden in Kauf – auch samstags“, lobt Franke-Busch. Und nun sogar am ersten Urlaubstag: Am Montag sollte eigentlich der bis 3. Januar dauernden Weihnachtsurlaub der Gemeinschaftspraxis beginnen. Stattdessen werden zum Jahresabschluss am 20. Dezember von morgens 8 Uhr bis abends 20.30 Uhr (in Wechselschichten) über 100 Injektionen verabreicht. Ob das Impfteam danach vielleicht von Oberarmen träumt?