Bockenheim
Hang rutscht: Ex-Bockenheimer hinterlässt teure Altlast
Dass sich ein Anwohner vor zwei Jahrzehnten am Hang hinter seinem Haus zu schaffen gemacht hat, war schon lange bekannt. Da das Areal nicht etwa dem Hausbesitzer, sondern der Ortsgemeinde gehört, suchte die laut Bürgermeister Gunther Bechtel (SPD) seinerzeit das Gespräch. Der Mann sei verpflichtet worden, den Hügel wieder in seinen Ursprungszustand zu versetzen und habe damals sogar einen entsprechenden Vertrag unterschrieben, berichtet Bechtel. Das sei dann allerdings nie geschehen.
Statt den Hang wiederherzustellen, baute der Bürger einen Keller in ihn hinein – ohne Genehmigung und offensichtlich mit nachteiligen Auswirkungen auf dessen Stabilität. Der Mann ist schon lange verzogen, aus dem Anwesen wurde ein Mehrfamilienhaus und dessen Bewohner sehen sich nun mit den Folgen seines Handelns konfrontiert. Wie Bechtel berichtet, befinden sich hinter dem Gebäude Parkgelegenheiten, auf die in jüngerer Vergangenheit Geröll hinunter kollerte.
Es ist Gefahr im Verzug
Die Ortsgemeinde habe die Verbandsgemeinde Leiningerland hinzugezogen, um sich ein genaueres Bild von der Gefährlichkeit der Situation zu machen. Ein Sachverständiger begutachtete daraufhin den Hang und stellte dringenden Handlungsbedarf fest. Im März machte der Bockenheimer Gemeinderat den Weg für Sicherungsmaßnahmen frei – ein entsprechender Auftrag sollte für 75.000 Euro an eine Baufirma vergeben werden. Doch dann kam alles anders als gedacht und der Zeitplan musste noch einmal komplett über den Haufen geworden werden.
Bauamtsleiter Dennis Zimmermann habe sich am Tag nach der Sitzung bei ihm gemeldet und gesagt, dass die Hangsicherung gemäß Bericht des Statikers und laut einer Anordnung der Bad Dürkheimer Kreisverwaltung „unverzüglich“ erfolgen müsse, da „Gefahr im Verzug“ sei. Außerdem seien bei einem weiteren Ortstermin noch mehr lose Gesteinsteile entdeckt worden, was dazu führe, dass die bisher empfohlenen Sicherungsmaßnahmen erweitert werden müssten. Daraufhin setzte sich der Bürgermeister mit seinen Beigeordneten ins Benehmen und gab sofort einen Startschuss für die Fachfirma, die mittlerweile auch schon erste Schritte zur Sicherung des Hangs ergriffen hat.
Sicherung wird 100.000 Euro kosten
Aufgrund der neuen Erkenntnisse vom zweiten Ortstermin sind die Maßnahmen umfangreicher als zunächst geplant. Nach dem ersten Gutachten war vorgesehen, einen alten Gewölbekeller im Hang zum Einsturz zu bringen, mit Material zu verdichten und mit einer neuen Stützwand zu versehen. Der illegal gebaute zweite Keller sollte auf 2,30 Meter zurückgebaut werden und einen Ringanker erhalten. Außerdem sollte eine neue Böschung mit geeigneter Steigung angelegt werden, da die aktuelle durch die Eingriffe des ehemaligen Hausbesitzers zu steil ist.
Der neue Plan sieht vor, beide Keller zum Einsturz zu bringen und eine Stützmauer aus großen L-Steinen zu errichten. Anschließend soll die Böschung wiederhergestellt werden – und zwar so, dass der Statiker im Anschluss einen Sicherheitsnachweis dafür erbringen kann. Die Kosten sind dadurch von 75.000 Euro auf rund 100.000 Euro geschnellt. Ein Betrag, auf dem die Ortsgemeinde am Ende sitzenblieben wird, da das Areal ihr gehört und der Verursacher des Dilemmas nicht mehr greifbar ist – also auch nicht in Regress genommen werden kann.
Die Eigentümergemeinschaft des Hauses ist auch nicht ganz ungeschoren davongekommen: Da sich der Hausstromanschluss bislang im gemeindlichen Gewölbekeller befand und dieser nun abgerissen wird, musste sie ihn von den Pfalzwerken bis Ende März in das Anwesen selbst verlegen lassen.