Grünstadt „Habt Geduld und Humor“
„Hurra, wir lieben noch!“ heißt das Programm, mit dem das Komiker-Ehepaar Margie Kinsky und Bill Mockridge kommenden Donnerstag im Wormser Kulturzentrum gastiert. Die beiden sind seit 33 Jahren verheiratet und haben sechs Söhne. Über das turbulente Familienleben und das Geheimnis einer glücklichen Beziehung hat Nicole Sperk mit ihnen gesprochen.
Kinsky: Das stimmt. Aber wir teilen uns die Arbeit. Bisher waren wir immer getrennt auf der Bühne. Jetzt fahren wir zusammen hin, spielen zusammen und fahren zusammen heim. Wie kam es dazu? Mockridge: Oft merken Ehepaare, wenn die Kinder aus dem Haus sind, dass sie sich nichts mehr zu erzählen haben, und gehen dann getrennte Wege. Bei uns ist es eher umgekehrt. Wir haben jetzt Zeit füreinander und miteinander und genießen es, Mittag zu essen, ohne dass ein Kind dazwischenquakt. Es kam ein Verlag auf uns zu, der sagte: Macht doch was über 33 Jahre Ehe und die ganzen Kinder. Und wir haben gesagt: Jetzt gehen wir noch drei Jahre auf Tour. Sechs Kinder – ich will mir gar nicht die Wäscheberge und Lebensmittelberge vorstellen, die Sie zu organisieren hatten. Hat man da noch Zeit, den Zustand seiner Ehe zu reflektieren? Kinsky: Gerade wenn man so viele Kinder hat, sollte man sich immer kleine Inseln schaffen und Zeit füreinander finden. Wir haben schon die Rückmeldung von Paaren bekommen, die unser Buch gelesen haben: Wir waren fast getrennt, jetzt raufen wir uns doch wieder zusammen. Das ist wunderbar. Mockridge: Wir suchen das jüngste und das älteste Paar im Publikum. Die einen sind erst drei Wochen zusammen, die anderen über 60 Jahre. Was sagen Sie den Jungen? Kinsky: Habt Geduld und Humor. Mockridge: Und Kinder. Sie sind so eine Bereicherung im Leben. Ich höre oft: „Jetzt ein Kind, ich weiß nicht ...“ Kinder sind wichtig, nicht Karriere. Kinder hast du ein Leben lang. Dass du ein Jahr früher Abteilungsleiter warst, kann das nie aufwiegen. Sie konnten Karriere machen und viele Kinder bekommen. Mockridge: Wir haben das ganz große Glück, dass Margie unglaublich gerne Klamotten kauft für die Kinder und für sich. Sie kann auch Berge Wäsche jeden Tag bewältigen. Sie ist super, was Hausaufgaben und Elternabende angeht. Ich habe das Kochen übernommen und die Hausverwaltung. Das heißt, wir haben diese größeren Baustellen in einer Familie aufgeteilt. Das hat natürlich sehr geholfen. Kinsky: Und ich sage immer, am siebten Tag schuf der liebe Gott die Oma. Mockridge: Margies Mutter hat jahrelang bei uns gelebt und uns sehr unterstützt. So wie andere Väter morgens ins Büro gegangen sind, sind Sie zum Set der „Lindenstraße“ gegangen? Mockridge: Ja, aber ich hatte nur 90 Drehtage im Jahr und war sehr viel zu Hause. Ich habe zwar an der „Springmaus“ Stücke inszeniert, aber meistens hatte ich abends frei. Ich habe dann die Jungs ins Bett gebracht, wenn Margie auf der Bühne war. Wir haben uns das einfach sehr gut eingeteilt, und es hat klasse funktioniert. Natürlich hast du auch keine sechs Kinder von heute auf morgen, erst eins, dann zwei ... Wie haben Sie sich kennengelernt? Mockridge: Beim Casting für die „Springmaus“. Margie kam eine halbe Stunde zu spät, und zur Strafe habe ich sie auf die Bühne geschickt. Sie war so witzig und so unglaublich gut, dass ich gemerkt habe, ich habe ein großes Talent entdeckt. Kinsky: Ich lebe unter dem Motto „Wer zu spät kommt, muss nicht warten“. Ich kam zu spät, kriegte den Job und dann auch den Kerl. Sie bringen viel Privates auf die Bühne. Muss man sich umgekehrt Ihr Privatleben als ständige Show vorstellen? Mockridge: Wir sind beide Menschen, die seit Jahren Comedy machen. Wir lachen gerne, wir erzählen gerne Witze. Mit Sicherheit ist es, wenn alle sechs Jungs hier sind, sehr, sehr laut und sehr witzig. Wir leben das und finden, das passt gut zu uns. Kinsky: Alle sechs sind im Showbusiness. Wie oft ist die Familie zusammen? Kinsky: Zuletzt zu Weihnachten. Mockridge: Zweimal im Jahr auf jeden Fall, an Weihnachten und an meinem Geburtstag im Juli. Eigentlich, wenn es geht, auch zu Margies Geburtstag und zu dem der Oma. Das sind Pflichttermine. Aber wir telefonieren fast täglich mit fast allen. Ist es jetzt manchmal zu ruhig? Kinsky: Nee. Mockridge: Ich glaube, für alles gibt es seine Zeit. Gilt das auch für die „Lindenstraße“? Mockridge: Ich trauere der Arbeit schon ein bisschen nach. Es waren fast 25 Jahre, und es war eine sehr schöne Zeit. Der Abschied kam von heute auf morgen, und ich wollte das nicht. Ich habe versucht, es zu ändern, und konnte mich nicht durchsetzen. Andererseits freue ich mich, dass wir die „Mockridges“-Serie drehen konnten und ich mit Glück ab März eine neue Comedy-Serie haben werde und mit Margie das Programm machen kann. Wenn eine Tür zugeht, geht eine andere auf. Termin Margie Kinsky und Bill Mockridge, „Hurra, wir lieben noch“, Donnerstag, 15. Februar, 20 Uhr, Das Wormser. Tickets gibt es unter Telefon 06241 2000450.