Grünstadt Großes Gold für rote „Kunigunde“
Über einen Goldregen im Winter haben sich Katja und Ansgar Galler gefreut: Ihr Kirchheimer Weingut holte beim internationalen Piwi-Weinpreis 2017 gleich sechsmal Gold und dazu noch zweimal Silber. Alle ihre angestellten Weine aus pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, sogenannte Piwis, erhielten Prämierungen. Damit war Galler das erfolgreichste pfälzische Weingut bei diesem Wettbewerb.
Ganz nach vorne schaffte es der 2015er „Kunigunde“, wie die Gallers ihren roten Spitzenwein nennen, dessen Rebsorte noch keinen offiziellen Namen hat, sondern nur unter dem Kürzel VB 91-26-99 geführt wird. Der tiefrote Wein, in dessen Gene viel vom Cabernet Sauvignon eingekreuzt ist, wurde mit 96 von 100 möglichen Punkten bewertet und erhielt Großes Gold. Insgesamt wurden von den 300 angestellten Weinen nur 18 mit diesem Prädikat ausgezeichnet. Als Piwi-Pionier fühlt sich Weinküfermeister Galler, der zusammen mit seiner Frau, einer Agraringenieurin, seit 2009 in Kirchheim lebt. Die beiden haben das Weingut der Familie Karl in der Bissersheimer Straße gepachtet und 2015 begonnen, auf ökologischen Weinbau umzustellen. Mittlerweile ist dieser Prozess abgeschlossen und die Weine tragen das Bioland-Siegel. Ökologischer Weinbau bedeutet, dass überwiegend mit der Hand gelesen wird, die Trauben spontan in Holzfässern vergären, keine Zusatzstoffe eingesetzt werden und so wenig wie möglich geschwefelt und filtriert wird, erläuterte der 43-Jährige im RHEINPFALZ-Gespräch. Vorteilhaft seien bei dieser Produktionsmethode die Piwis, da sie wenig gespritzt werden müssten. Zurzeit seien von den elf Hektar, die das Weingut bewirtschaftet, schon knapp sechs Hektar mit den widerstandsfähigen Reben bestockt, so Galler. Und es sollen noch mehr werden, aber 100 Prozent würden nicht angestrebt, „Riesling, Weißburgunder und Muskateller bleiben.“ Neben den schon etablierten Piwi-Sorten wie Cabernet Blanc wurden von Ansgar Galler, der gern Pionierarbeit leistet, auch Reben gepflanzt, die noch im Versuchsanbau sind, nur unter Kürzeln geführt werden. Aber bei den Gallers bekommen auch die Weine aus diesen Sorten einen Namen, heißen zum Beispiel Kunigunde, Friedrich oder Emich. Pate standen hier die Leininger Grafen, Namensgeber auch der Gegend, wo der Rheinhesse und die Schwäbin jetzt leben und sich ausgesprochen wohl fühlen.