Bad Dürkheim / Leiningerland
Große Pläne der Pfalz-Touristik: Was das fürs Leiningerland bedeutet
Vom großen Durchbruch spricht der Dürkheimer Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) in seiner Funktion als Vorsitzender der Pfalz-Touristik: In der jüngsten Mitgliederversammlung haben die Vertreter der an dem Verein beteiligten Gemeinden, Städte und Landkreise für eine deutliche Budgetsteigerung gestimmt. Der Etat, bislang 750.000 Euro, wird bis 2025 in zwei Schritten auf knapp 1,4 Millionen Euro aufgestockt. Damit soll die Pfalz-Touristik mehr Stellen besetzen – und Aufgaben übernehmen, die bislang einzelne Mitglieder stemmen.
„Wir nehmen übergreifend eine ganze Reihe von Aufgaben wahr, die wir mit der Marke ,Pfalz‘ besser betreuen können“, sagt Ihlenfeld. Es sollen nicht mehr „mehrere Ebenen am selben Rad“ drehen. Er habe deshalb in den vergangenen zwei Jahren mit allen Oberbürgermeistern und Landräten gesprochen, um für die „Strategie 2025“ zu werben. „Es ist intensiv daran gearbeitet worden, wer künftig welche Aufgaben übernimmt“, so Ihlenfeld. In einer Mitteilung heißt es, Aufgaben sollen künftig in größeren Teams spezialisiert übernommen werden, statt „in jedem Ort einzelne Fachkräfte zu beschäftigen“.
Tobias Kauf, Geschäftsführer der Pfalz Touristik, mahnt das Ende des Kirchturmdenkens an. „Wir haben Orte, da ist der Tourismus fest verankert“, sagt er und nennt Deidesheim und Speyer als Beispiele. „In der Fläche liegt aber noch einiges brach.“ Sein Fazit: „Man muss sich zusammenschließen.“ Daran sei zwei Jahre lang intensiv gearbeitet worden. Zur Einordnung nennt Kauf Zahlen: Zwei Milliarden Euro Umsatz bringe der Tourismus jährlich in die Pfalz. Das alte Budget sei „nicht auskömmlich“ gewesen: „Sechseinhalb Vollzeitstellen haben wir bezahlen können.“ Dieser Personalstamm soll nun ausgebaut werden.
Gleichzeitig gehe es auch um Fördergelder des Landes, an die man nur mit einer veränderten Struktur herankomme. „Aktuell ist das ein Zuschuss“, so Kauf. Künftig würden Fördermittel aber projektbezogen vergeben, die Höhe der Fördersummen richte sich dann nach einem Kennziffernkatalog. Die Gespräche dazu liefen bereits, Näheres könne er im Frühjahr sagen, so Kauf.
Weigel: Haben unterstützt
Vor Ort wird diese Entwicklung vielfach begrüßt. Die Stadt Neustadt habe dem Konzept nicht nur zugestimmt, sondern es in der Vorarbeit massiv unterstützt, sagt Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG). Neustadt habe schon immer darauf hingewiesen, dass die Marke Pfalz als Ganzes gesehen werden müsse, weil sie als einzige Marke bei den Touristen etabliert sei: „Bei aller Wertschätzung für unsere Tourist-Information, für uns in Neustadt war immer klar, die Marke zu stärken und damit auch die Pfalz Touristik.“
Laut Martin Frank, Geschäftsführer der Neustadter Tourist, Kongress und Saalbau (TKS) GmbH, beträgt der Jahresbeitrag derzeit gut 23.500 Euro. Mit der neuen Beitragsordnung erhöhe er sich auf rund 29.300 Euro im nächsten Jahr und auf knapp 34.500 Euro im übernächsten. Die zweistufige Erhöhung ergebe Sinn, weil die bei der Pfalz-Touristik geplanten zusätzlichen Stellen nicht binnen zwölf Monaten besetzt werden könnten. Zudem könne der Verein Deutsche Weinstraße nicht sofort in der Pfalz-Touristik aufgehen.
Der Weinstraßen-Verein bildet bislang eine Zwischenebene zwischen der Pfalz-Touristik und den lokalen Organisationen wie dem Leiningerland-Verein, er dürfte zugunsten der übergreifenden Dach-Organisation verschwinden und über einen zweijährigen Transformationsprozess in sie integriert werden. Weil für ihn ebenfalls Beiträge bezahlt werden, ist Franck überzeugt, dass dieser Wandel mittelfristig Geld spart.
Wemhoener: Sensation
Gar von einer „Sensation“ spricht Stefan Wemhoener, Geschäftsführer der Tourist Service GmbH in Deidesheim. „Das hätten wir uns schon vor 20 Jahren gewünscht“, sagt er. Schon damals sei in einem Gutachten festgestellt worden, dass die touristischen Strukturen zu kleinteilig seien. Innerhalb des Landes Rheinland-Pfalz sei die Pfalz ein „Schwergewicht“. Doch dieser Bedeutung habe die Pfalz-Touristik bisher nicht gerecht werden können.
Nina Ziegler vom Büro für Tourismus in Landau sagt ebenfalls: „Wenn Sie mich fragen, ist das genau der richtige Schritt. Wir auf der lokalen Ebene können uns auf die lokalen Leistungsträger fokussieren.“ Die lokalen Organisationen sollen zum Beispiel Ansprechpartner für die Betriebe vor Ort bleiben, sie beraten und Qualitätskontrolle betreiben. Der Leiningerland-Verein etwa hat insgesamt etwa 170 Mitglieder. Zu ihnen gehören zum Beispiel Hoteliers und Gastronomen, und – als Schwergewichte und Haupt-Geldgeber – die Stadt Grünstadt und die Verbandsgemeinde Leiningerland. In der Mitgliederversammlung der Pfalz-Touristik hat der Verein dem neuen Konzept ebenfalls zugestimmt.
Die Landauer Tourismusbüro-Geschäftsführerin Ziegler berichtet: In der Vergangenheit sei es vorgekommen, dass mehrere Mitglieder der Pfalz Touristik jeweils eigene Tourismus-Werbung in ein und demselben Magazin geschaltet hatten. Das werde künftig effizienter werden. Und Landrat Ihlenfeld sagt: „Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, übergreifend zu werben“, stellt er fest. Wichtig sei es, Touristen ein Gesamtangebot zu präsentieren. Traditionell sei die Pfalz eine Kurzurlauber-Region, aber in der Corona-Zeit sei die Verweildauer gestiegen.
Uta Holz, Geschäftsführerin des Tourismusvereins Südliche Weinstraße, erklärt: „Es gibt viele Aufgaben, bei denen man spezialisiert sein muss.“ Die Touristik-Branche verzeichne derzeit einen starken Wandel. Stichwort Werbung: Da sei inzwischen der Tourist selbst der beste Werbeträger, wenn er seine Erlebnisse etwa bei Instagram teile. „Es ist eine Entscheidung gewesen, von der wir vor einem Jahr noch nicht wussten, ob das von allen Mitgliedern mitgetragen wird“, sagt Holz. „Bei uns ist es so, dass wir erheblich mehr Beitrag zahlen werden. Das Geld wird natürlich nicht mehr.“ Aber es werde ein Konzept geben – und die Aufgaben vor Ort könnten konsequenter verfolgt werden.
Erfolgskontrolle integriert?
Doch gibt es nun auch eine Kontrolle, ob die Umstrukturierung tatsächlich Erfolge bringt, Touristen länger bleiben und die gesamte Pfalz abklappern? „Ein Messinstrument ist die ,Pfalz-Card‘, mit der wir sehen können, wie sich die Leute bewegen“, sagt der Pfalz-Touristik-Vorsitzende Ihlenfeld. Schon jetzt seien die Kunden nicht mehr nur in einem Ort aktiv, sondern oft in mehreren der Regionen, in die sich die Pfalz-Touristik unterteilt: Bergland, Pfälzerwald, Weinstraße und Rheinebene.
Dass der Tourismus generell ein wichtiger – und auch zunehmend umkämpfter – Markt ist, stellt Ihlenfeld ebenfalls heraus. „Wir sind in Rheinland-Pfalz die kleinste Einheit, verglichen mit der Eifel und natürlich der Mosel.“ Gegenüber diesen Platzhirschen müsse sich die Pfalz als Marke behaupten.
