Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Grünstadter Industriemarkt: Das sagen die Teilnehmer zur Resonanz

Wer den Industriemarkt nicht nur zu Fuß erkunden wollte, konnte die Messebahn benutzen.
Wer den Industriemarkt nicht nur zu Fuß erkunden wollte, konnte die Messebahn benutzen.

Seit 1982 ist der Grünstadter Industriemarkt im Zwei-Jahres-Rhythmus ein fester Bestandteil im Kalender. Vom Wirtschafts-Staatssekretär wird die Messe sehr gelobt. Allerdings ist sie längst nicht mehr das, was sie mal war. Der Samstag war äußerst schwach besucht und die Ansichten über die Veranstaltung gehen auseinander.

Der Grünstadter Industriemarkt sei ein „bewährtes Modell“, das jetzt nach einer langen Pause aufgrund der Pandemie und des Ausbaus der Obersülzer Straße einen Neustart erfahre, sagte Bürgermeister Klaus Wagner (CDU) bei der offiziellen Eröffnung am Samstagnachmittag. Eine Stärke der Stadt sei die enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Politik und Wirtschaftsforum. Gemeinsam kümmere man sich um die Unternehmen.

„Seit 2014 sind die Gewerbesteuereinnahmen von knapp vier Millionen Euro auf mehr als zehn Millionen Euro gestiegen“, berichtete er. Eine große Herausforderung sei es, die notwendige Infrastruktur zu schaffen. Grünstadt biete ein rundes Paket mit Leerstandsmanagement, Veranstaltungen und Projekten. „Über 70 Firmen und Institutionen sehen in der Messe eine Chance für ihre Geschäfte“, stellte Wagner fest.

Landrat hält Messen weiterhin für zeitgemäß

Großes Lob gab es von Andy Becht, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium. Man bemühe sich um gegenseitiges Verständnis für politische Fragen und die Belange der Gewerbetreibenden. Die Förderung der Wirtschaft, „ohne die nichts geht“, sei in Grünstadt sehr aktiv und das sei gut so, denn „auch ländliche Regionen haben Anspruch auf Urbanität“, betonte Becht. Die Leistungsschau zeige auch eine Haltung: „Corona ist aus vielen Köpfen noch nicht raus, aber man macht sich Gedanken, wie man wieder Gemeinsamkeit hinkriegt.“

Die Möglichkeiten, sich online zu informieren und zu kaufen sei Fluch und Segen zugleich, meinte Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU). Digital öffneten sich Märkte, vieles werde erleichtert, aber Produktion funktioniere eben nur analog. Haptik, Beratung, Service gingen nicht oder kaum übers Netz, widersprach er all jenen, die eine Messe für nicht mehr zeitgemäß halten. „Wir müssen alles dafür tun, dass der Mittelstand erhalten bleibt“, appellierte er. „Die letzten zwei Jahre wurde deutlich, wie schnell die Standortfrage gestellt wird.“

Die Freiwillige Feuerwehr Bockenheim-Kindenheim präsentierte sich und ihre Arbeit auf dem Industriemarkt.
Die Freiwillige Feuerwehr Bockenheim-Kindenheim präsentierte sich und ihre Arbeit auf dem Industriemarkt.
Hoch hinaus: die Arbeitsbühnen der Firma Bauscher.
Hoch hinaus: die Arbeitsbühnen der Firma Bauscher.
Ebenfalls mit einer Ausstellung auf dem Industriemarkt vertreten: die Firma MR Handel & Service.
Ebenfalls mit einer Ausstellung auf dem Industriemarkt vertreten: die Firma MR Handel & Service.
Mathias Krämer von BrauArt Sausenheim verpflegte Besucher mit malzhaltigen Getränken.
Mathias Krämer von BrauArt Sausenheim verpflegte Besucher mit malzhaltigen Getränken.
Mit dem Rad unterwegs: das Kamerateam von Eject-TV.
Mit dem Rad unterwegs: das Kamerateam von Eject-TV.
Unter der Leitung von Stefan Glöckner sorgte die Blaskapelle der TSG für musikalische Unterhaltung.
Unter der Leitung von Stefan Glöckner sorgte die Blaskapelle der TSG für musikalische Unterhaltung.
Eröffnung im Festzelt: Wirtschafts-Staatssekretär Andy Becht (links) und Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld.
Eröffnung im Festzelt: Wirtschafts-Staatssekretär Andy Becht (links) und Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld.
Der Feuerwehrwagen der Freiwilligen Feuerwehr Bockenheim-Kindenheim lockte viele Interessierte an.
Der Feuerwehrwagen der Freiwilligen Feuerwehr Bockenheim-Kindenheim lockte viele Interessierte an.
Helmut Biermann aus Ebertsheim zeigte seine High-End-HiFi-Geräte .
Helmut Biermann aus Ebertsheim zeigte seine High-End-HiFi-Geräte .
Bürgermeister Klaus Wagner (links) im Gespräch mit dem Wirtschaftsstaatssekretär Andy Becht .
Bürgermeister Klaus Wagner (links) im Gespräch mit dem Wirtschaftsstaatssekretär Andy Becht .
Großes Interesse: Alle Bänke und Tische waren zur Eröffnung des Industriemarkts im Festzelt belegt.
Großes Interesse: Alle Bänke und Tische waren zur Eröffnung des Industriemarkts im Festzelt belegt.
Ebenfalls mit von der Partie: die Firma Kawelke an der Industriestraße .
Ebenfalls mit von der Partie: die Firma Kawelke an der Industriestraße .
Sorgte für beschwingte Abwechslung: die TSG-Blaskapelle.
Sorgte für beschwingte Abwechslung: die TSG-Blaskapelle.
Spaß bereitete vielen jungen Besuchern das Bull-Riding beim Autohaus Christmann .
Spaß bereitete vielen jungen Besuchern das Bull-Riding beim Autohaus Christmann .
Bester Laune zeigten sich Wirtschafts-Staatssekretär Andy Becht und IHK-Vizepräsidentin Martina Nighswonger .
Bester Laune zeigten sich Wirtschafts-Staatssekretär Andy Becht und IHK-Vizepräsidentin Martina Nighswonger .
Blick durch die Scheibe der Messebahn.
Blick durch die Scheibe der Messebahn.
Eine Auswahl ihres Angebotes präsentiert die Firma Rittersbacher mit Fahrzeugen an der Industriestraße.
Eine Auswahl ihres Angebotes präsentiert die Firma Rittersbacher mit Fahrzeugen an der Industriestraße.
Mit Straßensperrungen wurde das Veranstaltungsgelände abgegrenzt.
Mit Straßensperrungen wurde das Veranstaltungsgelände abgegrenzt.

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Frank Rüttger (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Leiningerland, bescheinigte Grünstadt „eine Strahlkraft ins Umland“, wo ja nur kleinere Betriebe angesiedelt seien. Das Mittelzentrum könnte nach seiner Einschätzung auch ein doppelt so großes Industriegebiet problemlos füllen.

Weingräfin hebt Angebote für die Jugend hervor

Weingräfin Charlotte Schraut schaute auch auf die Jugend. Ihr eröffneten sich dank der vielen Lehrstellenangebote auf der Messe neue Perspektiven. „Eine lebendige Wirtschaft bringt uns alle zusammen“, meinte sie. Wagner wies in diesem Kontext auf eine neue Initiative der Stadt hin, mit der Unternehmen bei der Suche nach Azubis unterstützt werden sollen. Dazu gibt es am 1. Juli einen Informationsabend.

Martina Nighswonger, Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer für die Pfalz und Chefin der Kleinkarlbacher Firma Gechem, hörte zum ersten Mal davon und schüttelte den Kopf. „Soll das eine Konkurrenzveranstaltung sein?“, fragte sie mit Blick auf den Ausbildungsverbund Leiningerland, den sie vor zwölf Jahren ins Leben gerufen hat. „Ich bin irritiert. Da muss man doch miteinander reden“, meinte sie zur RHEINPFALZ. Die Wirtschaftsförderin der Stadt, Karin Beck, erklärte auf Nachfrage, sie sei für die Betriebe in der Stadt verantwortlich und könne den Bürgermeistern Wagner und Rüttger nicht vorschreiben, wie sie kooperieren sollen.

Nur noch halb so viele Teilnehmer wie früher

Beim Industriemarkt wird auf jeden Fall zusammengearbeitet. Er kann allerdings längst nicht mehr an alte Zeiten anknüpfen. „Es sind nur noch halb so viele Teilnehmer wie früher, überall sind große Lücken, die mit Fahrzeugen von Autohäusern kaschiert werden“, stellte Dirk Joa fest. Seine Ehefrau Yvonne ergänzte, dass die Resonanz auf Messen allgemein rückläufig sei. Ihr Treppen-Spezialgeschäft beteilige sich aber schon immer an der Leistungsschau. „Und das ist gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten besonders wichtig“, betonte Dirk Joa.

Helmut Biermann, Inhaber von Magaudi, einer Manufaktur für analoge High-End-HiFi-Anlagen in Ebertsheim, nutzte die Gewerbeschau, um sich zu präsentieren. Ihm sei durchaus bewusst, dass er dort nicht wie sonst auf Fachmessen auf die Klientel trifft, die an seinen Geräten interessiert ist, sagt er zu seinem Debüt.

Trotz mäßigen Wetters viele besucher am Stand

Oft habe man mehr Erfolg damit, wenn Menschen zufällig über ein Produkt stolpern, als wenn sie auf Spezialausstellungen gezielt nach bestimmten Dingen suchen, wusste der Ramser Mike Müller. Der Bezirksleiter der bundesweit tätigen Firma Heim & Haus, die unter anderem Sonnen-, Wetter- und Einbruchsschutz bietet, war zufrieden: „Obwohl das Wetter nicht so gut ist, haben sich bereits etliche Leute an unserem Stand informiert und einen Vor-Ort-Termin vereinbart.“ Der Battenberger Winzer Christian Denig, der seinen Ausschankwagen an der Obersülzer Straße hatte, konnte auch nicht klagen.

Anders sah es am Stand der Dampfnudelmanufaktur aus Ludwigshafen aus, die in der Ferdinand-Porsche-Straße stand. Dort war fast gar nichts los. Mattias Bamberg, Geschäftsführer im Brigitte B's Küchenstudio, hatte auch nichts zu tun. Er erinnerte sich an die riesigen Besucherströme auf der Leistungsschau, als sie noch an Pfingsten stattfinden durfte. Mit dem Verbot ab 2017 brach die Resonanz ein. „Ohne ein unterhaltsames Rahmenprogramm käme fast niemand mehr hierher“, meinte er und schaute auf einen sehr schlechten ersten Messetag. „Ich hoffe auf mehr Frequenz am Sonntag“, so Bamberg.

Eine Idee für die Zukunft solcher Messen

Diese Hoffnung teilte Markus Stiefenhöfer, Geschäftsführer des Autohauses Christmann. „Der Sonntag muss erheblich besser werden, damit sich der ganze Einsatz lohnt“, erklärte er. Der Samstag sei deutlich schwächer gewesen als befürchtet, eine reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für 20 Beschäftigte. Damit es sich für die Aussteller rechne, seien mindestens 30.000 Besucher nötig. Über Pfingsten habe er stets rund 40 Fahrzeuge verkauft, 2017 und 2019 sei es nur noch knapp die Hälfte gewesen.

Stiefenhöfer schlägt vor, Messen künftig konzentriert auf einem großen Platz zu veranstalten. Dann wäre der Aufwand für alle Firmen gleich und die Besucher müssten nicht so weite Wege zurücklegen.

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