Grünstadt
Grünstadt: Tipps & Tricks – Wie sich Autofahrer bei Nebel verhalten sollten
Nebel kommt meist plötzlich, das macht ihn so gefährlich. Worauf sollten Autofahrer achten, um Unfälle zu vermeiden? Und welche Tipps geben die Polizeiinspektion Grünstadt, der ADAC und die Verkehrswacht Mainz zum Fahren bei schlechten Sichtverhältnissen? Die RHEINPFALZ hat nachgefragt.
Bei eingeschränkter Sicht muss man grundsätzlich langsam und vorausschauend fahren und jederzeit bremsbereit sein. So weit, so gut. Aber darüber hinaus? „Überholmanöver auf zweispurigen Landstraßen sind tabu“, sagt Johannes Boos, Unternehmenssprecher Kommunikation und Redaktion des ADAC in München. Nebelfahrten erfordern zudem eine erhöhte Aufmerksamkeit des Fahrers, daher gelte es, allee Ablenkungen zu vermeiden.
Wichtig sei zudem die richtige Nutzung von Nebelschlussleuchten und Nebelscheinwerfern, die in immer mehr Fahrzeugen vorhanden sind. „Nebelscheinwerfer sind hilfreich, da sie das Licht flach über die Straße streuen“, erklärt Boos. Sie dürften immer dann eingeschaltet werden, wenn Nebel, Regen oder Schneefall die Sichtweite erheblich reduzieren. Es gelten die gleichen Richtgrößen wie beim Abblendlicht, das heißt: Mindestabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug rund 50 Meter, von einem Leitpfosten bis zum nächsten.
Fernlicht verschlechtert bei Nebel die Sicht
Sobald sich die Sichtverhältnisse wieder gebessert haben, müsse man Nebelscheinwerfer ausschalten. „Die Nebelschlussleuchte hingegen darf nur bei Sichtweiten unter 50 Metern im Ort und außerhalb benutzt werden, wobei dann auch nicht schneller als 50 Kilometer pro Stunde gefahren werden sollte“, betont der ADAC-Unternehmenssprecher. Die Taglichtautomatik, mit der manche Autos ausgestattet seien, reagiere am Tag nicht auf Nebel, was bedeute, dass man selbst den Lichtschalter betätigen müsse.
„Beträgt die Sicht auf Autobahnen und Schnellstraßen weniger als 150 Meter – außerhalb geschlossener Ortschaften zwischen 100 und 120 Metern und im Ort unter 60 bis 70 Meter – sollte das Abblendlicht eingeschaltet werden, Fernlicht verschlechtert bei Nebel die Sicht noch zusätzlich“, sagt Boos. Gegebenenfalls könnten die Fahrer ihre Frontscheibe während der Fahrt mit dem Gebläse von innen freimachen und die Scheibenwischer regelmäßig betätigen, um die durch Nebel verursachten Wassertropfen auf der Scheibe zu beseitigen.
242 nebelbedingt Unfälle im Jahr 2017
Auch, wenn die Unfallzahlen leicht rückgängig sind, ist Nebel für Autofahrer gefährlich: Im Jahr 2017 ereigneten sich laut Statistischem Bundesamt auf Deutschlands Straßen 242 nebelbedingte Unfälle mit Personenschaden, dabei wurden 95 Menschen schwer verletzt.
„Die Geschwindigkeit ist grundsätzlich in der Straßenverkehrsordnung, Paragraf 3, geregelt“, stellt Kriminalhauptkommissar Sigfried Doll von der Grünstadter Polizeiinspektion klar. Darin stehe beispielsweise, dass man stets nur so schnell fahren soll, dass man sein Fahrzeug beherrscht – mit der Einschränkung, dass die Geschwindigkeit an Straße, Verkehr und die Sicht- beziehungsweise Wetterverhältnisse angepasst werden muss.
Gute Scheibenwischerblätter sind wichtig
Besonders im Herbst stellten die Wetterverhältnisse eine Herausforderung dar, wenn Wasser kondensiere und als Nebel auftrete. „Wir sind dann noch verwöhnt vom schönen Sommerwetter und auf einmal ist es dunstig, die Straße ist nass und somit dunkler als gewohnt und die Scheiben beschlagen von innen und außen. Gute Scheibenwischblätter sind dann wichtig“, betont Doll.
Die Polizeiinspektion Grünstadt habe im vergangenen Jahr 1400 Unfälle registriert, wovon 30 Unfälle bei Nebel stattgefunden hätten. Meist seien zu schnelles Fahren oder zu geringe Sicht die Ursache gewesen, sodass es zu Auffahrunfällen auf dem Vordermann, Kollisionen mit dem Gegenverkehr oder zum verspäteten Erkennen einer Kurve gekommen sei. „Die Ursache war dabei nicht der Nebel selbst, sondern zu schnelles Fahren, zu geringer Abstand und Unaufmerksamkeit des Fahrers“, erklärt Doll.
Auf Autobahnen ist die Gefahr größer
Auf Autobahnen sei die Gefahr durch Nebel erheblich größer als auf Landstraßen, da dort plötzliche Nebelbänke auftreten könnten, die auf Landstraßen eher ungewöhnlich seien. Doll kennt auch typische Fehler, die beim Fahren im Nebel gemacht werden. Dies sei vor allem die Orientierung an den Lichtern des Vordermanns oder am Mittelstreifen: Dadurch fahre man entweder zu dicht auf oder laufe Gefahr, den Spiegel des entgegenkommenden Fahrzeugs mit dem eigenen zu berühren, da man zu weit in der Straßenmitte fahre.
Dolls Tipps für Nebelfahrten lauten deshalb: „Langsam und vorausschauend fahren, Bremsbereitschaft herstellen, vor dem Fahren die Beleuchtung kontrollieren und gegebenenfalls reinigen. Scheiben innen und außen sauber und frei halten und die Scheinwerfer richtig einstellen, damit der Gegenverkehr nicht geblendet wird.“
Jeder dritte Pkw fährt mit mangelhaftem Licht
Die Deutsche Verkehrswacht mit Sitz in Mainz (DVW) und der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) führen jedes Jahr im Oktober Licht-Tests durch. „Das Ergebnis 2019 hat gezeigt, dass jeder dritte Pkw mit mangelhaftem Licht fährt, jeder zehnte blendet andere Verkehrsteilnehmer“, berichtet der Erste Vorsitzende der DVW, Volker Weicherding und ergänzt: „Das Motto ,Sehen und gesehen werden‘ gerade auch bei Nebel, Regen und Schnee im Straßenverkehr kann Leben retten. Das gilt auch für Fußgänger und Radfahrer, die im Dunklen nur sehr schlecht wahrgenommen werden.“
Noch ein Hinweis von Weicherding: „Wer vergisst, Schlussleuchte und Nebelscheinwerfer bei besserer Sicht auszuschalten, blendet andere und riskiert ein Bußgeld von mindestens 20 Euro.“