Grünstadt Grünstadt: Im Dauerlauf zu Luther
Der 31. Oktober ist in diesem Jahr in ganz Deutschland Feiertag – und den wollen die Verantwortlichen der protestantischen Kirchengemeinden im Leiningerland auch nutzen: Für den Reformationstag organisieren sie einen Gottesdienst-Marathon in verschiedenen Kirchen und Veranstaltungsorten in Grünstadt und Umgebung – und werben dafür mit eigenen Postkarten.
Christopher Markutzik ist protestantischer Pfarrer in Sausenheim und dem Staat durchaus dankbar: „Wenn wir das Geschenk schon mal haben, dass wir einen Feiertag bekommen, wäre es fatal, wenn wir ihn verstreichen lassen würden“, sagt er. Deswegen – und natürlich vor allem wegen des Reformationsjubiläums haben sich die Kirchengemeinden von Grünstadt, Asselheim, Kirchheim, Kleinkarlbach, Battenberg und Bissersheim, Sausenheim-Neuleiningen und die Stadtmission Grünstadt, die insgesamt etwa 8400 Mitglieder zählen, einen Gotttesdienst-Marathon ausgedacht. Wer will, kann den ganzen Tag lang von einem Ort zum anderen pilgern, beten und singen, die 95 Luther-Thesen hören, einen Baum pflanzen und den Festgottesdienst feiern (siehe Zur Sache). „Nicht jeder für sich, sondern gemeinsam“ – das sei das Motto und die Idee des Grünstadts Pfarrer Andreas Funke gewesen, erzählt Markutzik. So steuere jede Gemeinde etwas bei, der Abschluss des Tages ist in der katholischen Kirche. Funke freut sich sehr auf den Tag, er sei „bewegt und froh“: „Dass es mir vergönnt ist, die Halbjahrtausend-Feier der Reformation mitzuerleben.“ Nachgefragt: Warum ist die Reformation Grund zum Feiern? Am 31. Oktober jährt sich die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg geschlagen haben soll, zum 500. Mal. Warum ist das ein Grund zum Feiern? Jochen Bendl (47), seit 18 Jahren Prediger der Stadtmission, sagt: „Für mich hat Martin Luther den Glauben in einer persönlichen Dimension wieder ganz neu ausgegraben und von manchem Ballast befreit. Das habe ich in meinem Leben auch so nachvollzogen. Von daher ist es für mich ein Grund zu feiern.“ Andreas Funke (55), seit 22 Jahren Pfarrer in der Grünstadter Martinskirche, erklärt: „Für mich hat Luther dem einzelnen Menschen die Nähe zu Gott wieder geöffnet. Er hat das Leben für den Christenmenschen auf Gottvertrauen und Nächstenliebe elementarisiert und dadurch den einzelnen Christen auch befreit. Er hat die Tür zur Moderne geöffnet.“ Christopher Markutzik (41), seit zehn Jahren Pfarrer, seit 2014 in Sausenheim, hebt hervor: „Für mich ist das Reformationsfest die Wiederentdeckung von Paulus: der direkte Bezug zwischen Mensch und Gott funktioniert ohne Zwischenstufe. Luther streicht die institutionelle Hierarchie aus der Kirche heraus. Eigentlich ist es nur ein Geschehen zwischen Mensch und Gott, eine Begegnung zwischen dem Schöpfer und seinem Geschöpf unter dem großen Vorsatz, dass Gott bedingungslos liebt.“ Katja Gericke-Wohnsiedler (50), Kirchenmusikdirektorin und Kantorin, findet: „Martin Luther ist eine entscheidend wichtige Figur, was die Kirchenmusik angeht. Er hat den Gemeindegesang in den Gottesdienst gebracht und die Gemeinde zur singenden Gemeinde gemacht. Ohne ihn hätten wir keine Kantoreien und meinen Berufsstand auch nicht.“ NILS FRAGT Weitere Termine —Heute, Mittwoch, 19.30 Uhr: Vorbereitungsabend: 95 Thesen für die, die sie am Reformationstag lesen und alle Interessierten, Martinssaal, Grünstadt —22. Oktober, 10 Uhr; Gottesdienst mit Baumpflanzaktion, Garten beim Pfarramt 1, Grünstadt —29. Oktober, 10 Uhr: Gospelgottesdienst, Martinskirche —30. Oktober, 19.30 Uhr: 1617 - 1817 - 1917 - 2017 - 2117: „Die Reformationsjubiläen – immer ein Politikum“. Ein historischer Überblick von Andreas Funke und ein humoristischer Ausblick von Christopher Markutzik, Alte Lateinschule, Grünstadt.