Grünstadt Grünstadt: Flüchtlinge berichten von Eingliederung in Arbeit

Sie arbeiten als Maschinenbediener bei mittelständischen Unternehmen im Raum Grünstadt und sind bei der Martin Martin Personaldi
Sie arbeiten als Maschinenbediener bei mittelständischen Unternehmen im Raum Grünstadt und sind bei der Martin Martin Personaldienstleister GmbH

Arbeit ist ein wichtiger Faktor zur Eingliederung von Geflüchteten. Mangelnde Sprachkenntnisse oder Qualifikationen, die nicht verwertbar sind , erschweren die Suche. DIE RHEINPFAlZ berichtet in einer zweiteiligen Serie über die Erfahrungen von vier Flüchtlingen bei der Arbeitssuche. Heute geht es um Reza und Mohammad aus Afghanistan und Samuel aus Eritrea.

Der erste Arbeitstag, das sei ein schönes Gefühl gewesen. Die Arbeitskollegen hätten ihn gut aufgenommen, sagt Reza. Der 20-jährige Flüchtling aus Afghanistan arbeitet wie sein Landsmann Mohammad (20 Jahre) und wie der 26-jährige Samuel aus Eritrea als Maschinenbediener bei zwei mittelständischen Unternehmen im Raum Grünstadt. Vermittelt hat sie Martin Martin, Geschäftsführer der gleichnamigen Personaldienstleister GmbH in Neuleiningen-Tal. Der 48-Jährige, der den gleichen Vor- und Nachnamen hat, hatte sich an die RHEINPFALZ gewandt. Er sagt: „Das Thema Flüchtlinge wird oft negativ dargestellt. Ich will mit diesen drei jungen Leuten ein positives Beispiel zeigen, dass Integration auch gelingen kann.“ Die jungen Männer arbeiteten in der Metall- und Elektroindustrie sowie der Kunststoffindustrie. Aus Datenschutzgründen könne er die Firmennamen nicht nennen, erklärt Martin.

Hoffnung auf eine gute Zukunft

Reza ist vor drei Jahren mit seiner Mutter über Iran, die Türkei und Mazedonien nach Deutschland geflohen. Er hat Deutsch gelernt, die Hauptschule in Bad Dürkheim und die Berufsbildende Schule in Eisenberg besucht. Für den Beruf „Maschinenbediener“ benötige man keine eigene Ausbildung, erklärt Martin. Der Kontakt zu Reza sei übrigens über einen ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuer zustande gekommen. „Ohne diese Unterstützung ginge es nicht“, lobt Martin das Engagement der Helfer. Die drei jungen Männer pflichten ihm bei. Der Gang zum Arzt, zu Behörden, Hilfe beim Ausfüllen von Formularen: „Ich habe die Briefe von Behörden nicht verstanden. Meine Betreuerin hat mir am Anfang dabei viel geholfen, das war super für mich“, sagt Reza. Der 20-Jährige möchte die zweijährige Ausbildung zum Maschinenführer machen und hofft, dann fest übernommen zu werden. Damit wäre dem jungen Mann viel geholfen: Seine Mutter ist sehr krank, sie braucht ständige Betreuung. Trotzdem hat Reza jetzt einen Abschiebebescheid bekommen. Der 20-Jährige hat mit Hilfe seiner Betreuerin einen Rechtsanwalt eingeschaltet und Einspruch dagegen erhoben. „Ich wünsche mir eine gute Zukunft und hoffe, dass meine Familie nachziehen kann“, sagt Mohammad, der eine Aufenthaltserlaubnis bis 2020 hat. Er ist vor vier Jahren als 16-Jähriger allein aus Afghanistan über Iran, die Türkei und Italien nach Deutschland geflohen und lebt jetzt allein in einer kleinen Wohnung in Grünstadt. „Ich vermisse meinen kleinen Bruder, meine beiden Schwestern und meine Eltern, die noch in Afghanistan sind“, sagt der junge Mann. Die Mutter habe Diabetes und brauche regelmäßig Medikamente. Aus diesem Grund spare er und schicke jeden Monat 150 Euro nach Hause. Deutsche Sprache ist Grundvoraussetzung Was das Lernen der deutschen Sprache angeht, habe es Samuel vermutlich am Schwersten von den drei gehabt, berichtet Martin. Als er vor vier Jahren allein nach Deutschland gekommen sei, war er 22 Jahre alt und damit nicht mehr schulpflichtig. Deutsch lernte er in einem sechsmonatigen Sprachkurs. „Er hat in den vergangenen Monaten enorm aufgeholt“, berichtet Martin. Mit intensiver Begleitung sei es gelungen, ihm langfristig eine Stelle als Maschinenbediener zu vermitteln. Von den Arbeitgebern gebe es durchweg positive Rückmeldungen zu den Arbeitsleistungen seiner drei Schützlinge mit der Option, Ausbildungsplätze zu bekommen. „Integration findet dann statt, wenn sich beide Seiten miteinander unterhalten können“, findet Martin. Deshalb sei die Kenntnis der deutschen Sprache in Wort und Schrift bei seinen Mitarbeitern eine Grundvoraussetzung. Daneben führe er intensive Eingangsgespräche. Dabei würden auch Themen wie die unterschiedliche Religion, Arbeitsauffassung und die Gleichberechtigung von Mann und Frau angesprochen, sagt der Personaldienstleister. In etlichen Betrieben seien Frauen Vorgesetzte, da habe es noch nie Probleme gegeben. Die Arbeitsverträge seien im Übrigen an den branchenüblichen Tarifvertrag gebunden. Insgesamt 18 Asylanten hat Martin nach eigenen Angaben bereits an Kunden innerhalb der Zeitarbeit in den vergangenen zwölf Monaten vermittelt.

Erinnerungen an die Überfahrt

In ihrer Freizeit spielen die drei Männer Fußball und treffen sich mit Freunden, wie andere junge Leute auch, erzählen sie. Reza und Mohammad gehen am Wochenende in die Moscheen in der Region. Auch wenn die jungen Leute sich inzwischen ganz gut verständigen können und auf dem Arbeitsmarkt Fuß gefasst haben – die Erinnerungen an die Flucht wirken noch nach. „Man spielt mit seinem Leben“, antwortet Reza auf die Frage seines Chefs, ob sie es heute noch einmal wagen würden. „Wir waren 150 Menschen in dem Boot und eine Woche auf dem Wasser“, schildert Mohammad. Das Schlimmste sei die Passage über das Mittelmeer gewesen, bestätigt Reza. Manchmal träume er nachts davon: „Ich habe Menschen sterben sehen.“

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