Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Grünstadt/Eisenberg: Mehr Menschen ohne Obdach

Günstige Wohnungen zu finden, ist schwer – auch auf dem Land.
Günstige Wohnungen zu finden, ist schwer – auch auf dem Land. Foto: dpa

Die Verbandsgemeinden Leiningerland und Eisenberg und die Stadt Grünstadt verzeichnen eine steigende Anzahl von Obdachlosen, für deren Unterbringung sie Sorge tragen müssen. In Eisenberg waren es zu Spitzenzeiten fast 40 Personen. Ein Grund ist das knappe Angebot an preisgünstigen Wohnungen.

Es sind Zahlen, die einen schlucken lassen: Die Verbandsgemeinde Eisenberg hat derzeit 20 wohnungslose Menschen in Notunterkünften untergebracht, darunter sind drei Familien. Die Verbandsgemeinde Leiningerland hat zehn wohnungslose deutsche Männer mit Wohnraum versorgt. In der Stadt Grünstadt wohnen 59 obdachlose ehemalige Flüchtlinge und neun weitere obdachlose Personen in städtischen Wohnungen.

Die Anzahl der Obdachlosen steigt

Die Anzahl der Menschen ohne Obdach sei in den vergangenen Jahren gestiegen, heißt es von den drei Verwaltungen. Warum das so ist? Weil der Wohnungsmarkt angespannt ist, und weil es zunehmend schwierig ist, Wohnungen zu finden, die einigermaßen günstig sind. Viele Menschen konkurrieren um ein vergleichsweise kleines Angebot an preiswertem Wohnraum. „Die Leute finden keine Wohnungen mehr“, bringt es Diana Philippi auf den Punkt. Sie kümmert sich in der Verbandsgemeindeverwaltung Eisenberg um die Unterbringung von Obdachlosen – darunter sind Familien aus Deutschland und dem Ausland, alleinstehende Männer und alleinstehende Frauen.

Drastischer Anstieg

Hanns Gauch, der in der Verbandsgemeinde Leiningerland die Bürgerdienste leitet, beobachtet, dass eine steigende Anzahl von deutschen Männern keine Wohnung mehr findet. Wenn sie aus Wohnungen gekündigt oder geklagt würden – beispielsweise wegen Eigenbedarfs –, sei es für sie besonders schwer, auf dem freien Markt eine Bleibe zu finden. Für Familien sei es oft leichter.

Bei der Verbandsgemeinde Eisenberg waren im vergangenen Jahr „zu Spitzenzeiten“ 37 Menschen obdachlos, berichtet Diana Philippi. Die Anzahl sei seit dem Jahr 2017 „drastisch“ gestiegen. Die Verbandsgemeinde Eisenberg hatte zuletzt ein Haus mit zehn Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen im Gustav-Heinemann-Ring in Eisenberg gebaut.

Stadt will Bedarfsanalyse

Auch bei der Stadt Grünstadt ist Wohnraum ein Thema: Die Verwaltung will eine Bedarfsanalyse erstellen lassen, um herauszufinden, für welche Zielgruppen und in welchem Preissegment Wohnungen fehlten, berichtet Büroleiter Joachim Meyer. Auf der Basis solle dann weitergearbeitet werden. Zudem habe die Stadt mögliche Bauflächen ausgedeutet; beispielsweise den Ort, an dem jetzt die Musikschule steht, die künftig im sanierten Leininger Oberhof eine Heimat finden soll. Außerdem will sich die Stadt an einem Programm des Finanzministeriums des Landes bewerben: Es trägt den sperrigen Namen „Modellvorhaben für Konzeptvergabeverfahren im Rahmen des Landesprogramms Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“. Das Ministerium der Finanzen ruft Kommunen, die für den Bau von bezahlbarem Wohnraum einen Verkauf öffentlicher Grundstücke beabsichtigen, dazu auf, ihre Vorhaben einzureichen. Die Stadt Grünstadt will vorab Vorgaben machen, an denen die möglichen Bauherren sich in der Planung zu halten haben, sagt Meyer. Die Stadt wolle sich dann mit dem am besten passenden Konzept in Mainz um einen Zuschuss bewerben. Das Thema soll in der nächsten Sitzung des Stadtrats besprochen werden. Bei der Verbandsgemeinde Leiningerland sei in Sachen sozialer Wohnungsbau nichts geplant, sagt Gauch: „Wir sind hier im ländlichen Bereich.“

Ein Grund: Verfestigung von Armut

Werena Rosenke, die Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, wird im Jahresbericht des Verbands mit den Worten zitiert: „Hauptgründe für die steigende Zahl der Wohnungslosen sind das unzureichende Angebot an bezahlbarem Wohnraum, die Schrumpfung des Sozialwohnungsbestandes und die Verfestigung von Armut.“ Es fehle insbesondere an bezahlbarem Wohnraum für Menschen im Niedrigeinkommensbereich, für Menschen, die Transferleistungen beziehen und für anerkannte Geflüchtete. Im Laufe des Jahres 2018 waren rund 678.000 Menschen in Deutschland ohne Obdach, darunter waren viele Flüchtlinge oder auch Menschen aus der Europäischen Union, die als Arbeitsmigranten in großen Städten gestrandet sind.

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