Kolumne „Leininger Nachlese“
Google-Suchen: Was SIE offenbar interessiert hat
Es sind Zahlen, die beeindrucken: Schätzungsweise 3,5 Milliarden Suchanfragen werden pro Tag bei Google verarbeitet. Die meisten Internetnutzer sind mehrmals täglich auf der Webseite unterwegs. Das freut nicht nur den Mutterkonzern und die Werbekunden der Suchmaschine, sondern auch die Forschung. Denn hier werden in Echtzeit jede Menge Daten geliefert. Daten, die etwas über eine Gesellschaft verraten. Denn die Google-Suchen geben eine Idee davon, was die Menschen gerade beschäftigt. Google sei ein „Seismograf des Sozialen“, formulierte es die Neue Zürcher Zeitung mal ganz treffend. Und so kann es zum Jahreswechsel spannend sein, mal in den Google-Statistiken zu schauen, was Deutschland so bewegt hat. Deckt es sich mit dem, was wir Lokaljournalisten hier im Leiningerland für relevant halten? Sind wir mit unseren Themen am Puls der Zeit? Lassen wir uns also auf dieses Experiment ein.
Die häufigsten Warum-Fragen
1. Warum wurden Fake Lashes erfunden?
2. Warum Krieg Israel?
3. Warum feiert man Karneval?
4. Warum fasten Muslime?
5. Warum wird Camilla Königin?
6. Warum heißt die Wagner Gruppe Wagner?
7. Warum können Gurken nicht heiraten?
8. Warum wird Glitzer verboten?
9. Warum sind Gurken so teuer?
10. Warum sind Kochschürzen hinten offen?
Und schon möchte man das Experiment abbrechen. Desillusionierung, auf die ganz harte Tour. Sicher, mit der Wagner-Gruppe gibt es hier im Lokalen in der Regel keine Berührungspunkte, auch mit Camilla haben wir uns in Anbetracht der Vielzahl von eigenen Hoheiten und Repräsentationsfiguren (von Wein- bis Käskuche) kaum beschäftigt. Auf manche Themen wären wir aber auch im Leben nicht gekommen. Das Thema „Fake Lashes“ ist uns zum Beispiel komplett durchgerutscht. Das ist ein Versäumnis, das durch nichts zu entschuldigen ist. „Warum sind Kochschürzen hinten offen?“ ist auch so eine Frage, auf die man als Zeitung irgendwann mal eine konkrete Antwort hätte finden müssen. Liefern wir nach. Google sagt: Es hat etwas mit Bewegungsfreiheit, Sicherheit und Komfort zu tun. Bittedankegerngeschehen. Und das mit den Gurken? Wenn es etwas mit den Gurkenspielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im zurückliegenden Jahr zu tun hat: um das Thema müsste sich der überregionale Sport kümmern. Von einem Heiratsverbot ist uns in diesem Zusammenhang aber nichts bekannt.
Die häufigsten Wie-Fragen
1. Wie tief liegt die Titanic?
2. Wie alt ist Jürgen Drews?
3. Wie nennt man Engel ohne Flügel?
4. Wie schlafen Wale?
5. Wie viele Länder gibt es?
6. Wie hoch liegt Lesotho?
7. Wie entsteht ein Erdbeben?
8. Wie alt ist Dieter Bohlen?
9. Wie hat Dortmund gespielt?
10. Wie viele Panzer hat Russland?
Betrifft uns zum Glück auch wieder alles nicht. Das Leiningerland wurde weder von Dieter Bohlen noch Jürgen Drews heimgesucht, auch pofende Wale trifft man hier eher selten an. Service: Lesotho dürfte im Jahr 2023 ähnlich hoch gelegen haben wie 2022.
Die meistgesuchten Persönlichkeiten
1. Till Lindemann
2. Djamila Rowe
3. Iris Klein
4. Jürgen Drews
5. Amira Pocher
6. Boris Pistorius
7. Anna Ermakova
8. Yvonne Woelke
9. Julian Nagelsmann
10. Sahra Wagenknecht
Gut, es war zu erwarten, dass wir in diesem an Prominenten doch eher armen Landstrich mit dieser Kategorie nichts zu tun haben würden. Nehmen wir es als Handreichung für die Kollegen von der bunten Seite. Aber: Djamila Rowe? Auf Platz zwei? Echt jetzt? Und wo ist denn bitte in dieser Liste eigentlich der Bundeskanzler? Nach ihm hatte man 2023 doch so sehr gesucht, dass man hier mit einer Top-10-Platzierung durchaus hätte rechnen können.
Nun gut. Brechen wir das Experiment an dieser Stelle ab. Das führt ja zu nichts, wenn Sie, liebe Leser, bei Google derartige Haken schlagen. Wir geloben aber feierlich, unsere Augen 2024 weder vor Glitzer noch vor Gurken zu verschließen.
Auf das Sie bei uns jederzeit fündig werden, Ihr Benjamin Fiege