Hettenleidelheim
Goldene Grubenlampe: Ehrung und zugleich Höchststrafe für Ulrike Becker
„Die Grubenlampe ist die wertvollste Würdigung für mich, weil sie direkt vom Verein kommt und für meine dort geleistete Arbeit ist“, sagt Ulrike Becker. Seit Jahrzehnten ist sie im Hettrumer Feuerio aktiv. Offiziell gezählt werden die Jahre erst seit etwa 1990. „Vorher wurden ausschließlich Männer für ihre Verdienste geehrt“, erläutert die Mutter zweier Kinder, die bei allen Veranstaltungen mitwirkt – ob bei der Organisation, beim Auf- und Abbau oder auch auf der Bühne. Wenn Becker mal nicht da ist, fehlt ein wichtiger Teil des Wissens. Oft wird sie dann angerufen und um Hilfe aus der Ferne gebeten.
Gründungsmitglied der Frauentanzgruppe
Ihr spezieller Verantwortungsbereich ist der Fundus an der Narrenstub in der Alten Schule. „Dort bewahren wir Kostüme, Requisiten und verschiedene Ausstattungsstücke wie zum Beispiel Tischdecken auf“, erzählt die aus Wattenheim stammende gelernte Kauffrau, die im Modehaus Jost arbeitet. Becker, die selbstverständlich bei allen Aktivitäten im Dorf mit anpackt, ist auch Gründungsmitglied der Aktiven Frauentanzgruppe. „1998 hatten Birgit Hoffmann, Annette Pings, Michaela Polzyn und ich lautstark Zugabe für eine Darbietung der Garde gerufen. Da meinte Sitzungspräsident Peter von Schollenberg: Bevor wir solche Forderungen stellen, sollten wir selbst mal so etwas aufführen“, erinnert sie sich.
Daraufhin habe sich das Quartett – darunter zwei ehemalige Gardemädchen – ins Zeug gelegt und in wenigen Tagen eine Choreographie einstudiert. „Seither treten wir jedes Jahr auf: bei der Franzosenfasnacht und beim Lumpenball.“ Anfangs seien die Kostüme noch selbst genäht gewesen, blickt Becker zurück. Heute werden sie in der Regel gekauft und individuell eventuell noch ein bisschen verziert. Inzwischen ist die Truppe auf 22 Mitglieder angewachsen. Zum Feuerio kam Becker in der Saison 1987/88. „Mein Mann Donatus wollte anlässlich des 33. Jubiläums seines Vaters als Sitzungspräsident Hans von Begonien unbedingt mit mir das Prinzenpaar bilden“, erinnert sie sich.
Krönungsball zu Hause
Seither lässt sie das närrische Virus nicht mehr los. „Ich liebe das gemeinsame Arbeiten und Feiern“, sagt die 55-Jährige. Auch das Verkleiden in der Fünften Jahreszeit findet sie toll. Als dann ein anderes Virus – Covid-19 – kam, brach für sie eine schwere Zeit an. Fasnacht nur virtuell – einfach schrecklich. Zum Trost und in der Hoffnung, irgendwann wieder Umzüge veranstalten zu können, haben sich die Aktiven Frauen im ersten Pandemiejahr bunte Fracks gekauft. „Als sich wieder maximal zehn Personen treffen durften, haben wir den Krönungsball bei mir zu Hause gefeiert. Da ich ja den Schlüssel zum Fundus habe, konnte ich den Tisch genauso eindecken wie in der Festhalle“, erzählt sie von einem kleinen Lichtblick zwischendurch.
Dass Becker beim diesjährigen echten Krönungsball krankheitsbedingt nicht dabei sein konnte, hat sie wie eine Höchststrafe empfunden. „Bei der Late Night Show war ich davor nur zweimal nicht anwesend: einmal weil ich hochschwanger war und einmal aufgrund eines Todesfalls in der Familie“, macht sie klar, dass sie eigentlich keine Feuerio-Feier ausfallen lässt. Ihre Tochter Jeannine habe sie dann angerufen und sie konnte vom Bett aus im Video Sitzungspräsident Stefan Frey sehen, der auf der Bühne stand und das Geheimnis um den Empfänger der Goldenen Grubenlampe lüftete.
Als er sagte, dass die Auszeichnung an „die Frau unseres Kassierers“ ging, sei das ein sehr emotionaler Moment für sie gewesen, „und ich war froh, dass er mich nicht sehen konnte“, so Becker über eine Ehrung, die alle anderen in den Schatten stellt: das Goldene Vlies der Obbarer Dambnudle, das ihr 2000 überreicht wurde, den Goldenen Löwen der Badisch-Pfälzischen Karnevalsvereinigung, den sie 2011 bekam, und den Verdienstorden des Bundes Deutscher Karneval, der ihr 2019 ausgehändigt wurde.