Leiningerland
Glasfaser-Hauptleitung: In diesen Dörfern drohen schon wieder Bauarbeiten
„Bitte haben Sie Verständnis, dass wir zur genauen Lage und zum genauen Verlauf der Strecke in der Verbandsgemeinde Leiningerland keine Angaben machen, da es sich dabei um kritische Infrastruktur handelt“, sagt der Sprecher des Unternehmens Deutsche Glasfaser. „Kritisch“ dürfte aber wohl bald auch das Stimmungsbild etlicher Bürger des Leiningerlandes richtig beschreiben. Nämlich dann, wenn Anlieger und Autofahrer feststellen müssen, dass die Straßen und Gehwege, die gerade erst zugemacht worden sind, wieder aufgerissen werden.
Nicht-Auskunft der Verwaltung
Und dann könnte dies auch noch beide Male zum Verlegen von Glasfaserleitungen passieren. Allerdings: Noch ist es nicht zu 100 Prozent sicher, dass zum Beispiel in den Ebertsheimer und Quirnheimer Ortsstraßen der abgewandelte Refrain vom „Auf-und-zu-immer-wieder-Lied“ gesungen wird. Doch es spricht einiges dafür. Wobei „sprechen“ in diesem Zusammenhang der falsche Ausdruck ist. Denn nicht nur der Internetanbieter Deutsche Glasfaser macht keine genauen Angaben (Stichwort „kritische Infrastruktur“), über welche Trasse deren Glasfaser-Hauptleitung verlaufen soll.
Auch die Verwaltung der Verbandsgemeinde Leiningerland teilt mit, dass „es uns aktuell nicht möglich ist, zu der geplanten Trasse beziehungsweise zu Hintergründen Auskunft zu geben“. Ursache für die Nicht-Auskunft sei, so die Verwaltung, dass die von dem Internetanbieter dazu eingereichten Unterlagen „allenfalls rudimentär und kaum aussagekräftig“ seien, der VG lägen weder ein Gesamtplan noch Anträge für die von der Deutschen Glasfaser geplanten Leitungen vor. Immerhin räumte die VG schließlich ein, dass das Unternehmen Unterlagen dazu eingereicht hat.
Ein Strang in Richtung Alzey-Worms
Die Deutsche Glasfaser antwortet genauer auf die RHEINPFALZ-Nachfrage und informiert, dass „wir aktuell ein ,Backbone’ in der VG Leiningerland“ bauen wollen. Als „Backbone“ wird ein Hauptstrang eines Telekommunikationsnetzes mit sehr hohen Datenübertragungsraten bezeichnet. Damit können die Unternehmen bislang nicht erschlossene Regionen ans überregionale Netz anbinden. Im konkreten Fall: Das Leiningerland wird offensichtlich Durchlaufstation für einen Glasfaser-Hauptstrang zur Anbindung des Raums Worms-Alzey ans Netz der Deutschen Glasfaser.
Der Unternehmenssprecher bestätigt auf Nachfrage: „Es liegen Genehmigungen für eine weitere Strecke vor, die wir benötigen, um die eigenwirtschaftlichen Projekte in der Region ans überregionale Netz anzubinden“. Auch wenn die VG-Verwaltung betont, dass sie selbst keine Genehmigungen für die Deutsche Glasfaser erteilt habe, „die mit diesem Projekt in Zusammenhang stehen“, muss das für den Bau einer Hauptleitung durchs Leiningerland überhaupt nichts heißen. Es lohnt ein Blick ins Telekommunikationsgesetz. Laut Paragraf 68 hat der zuständige Träger der Wegebaulast die Zustimmung grundsätzlich zu erteilen, wenn ein Betreiber von Telekommunikationsnetzen „unterirdische Telekommunikationslinien verlegen“ möchte.
„Arbeiten schwer zu synchronisieren“
Mit anderen Worten: Die Deutsche Glasfaser dürfte zum Beispiel in den Ebertsheimer Gemeindestraßen auf jeden Fall ihre „Backbones“ ins Erdreich legen – selbst wenn sie erst einen Tag vorher zugemacht worden wären. Denn der Gesetzgeber hat nun mal dem überörtlichen Interesse zur Anbindung bislang nicht versorgter Gebiete mit Glasfaserleitungen absoluten Vorrang eingeräumt.
Dass es für Anlieger zu mehreren nervigen Baustellen vor der Haustür kommen kann, ist auch der Deutschen Glasfaser bekannt. Der Pressesprecher dazu: „Bezüglich Absprachen mit anderen Bauarbeiten besteht grundsätzlich die Herausforderung, dass die Bauarbeiten nur schwer zu synchronisieren sind und bei unterschiedlichen Infrastrukturen meist auch unterschiedliche Arbeiten erforderlich sind.“ Es wird wohl nur den wenigsten Wieder-Baustellen-Anliegern ein Trost sein, dass „Backbones“ tiefer verlegt werden als Leitungen für Hausanschlüsse, wenn ihre Straße zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres aufgerissen wird.
Noch für dieses Jahr geplant
Dass es so kommt, ist für Tiefenthal und Ebertsheim durchaus denkbar – auch wenn sich VG-Verwaltung und Deutsche Glasfaser über die genaue Trassenführung ausschweigen. Denn Tiefenthal, Ebertsheim und Quirnheim waren jene Dörfer, die unlängst Ebertsheims Ortsbürgermeister Bernd Findt in einer Ratssitzung als Ortschaften nannte, die im Plan der Deutschen Glasfaser als Trassenpunkte auftauchen würden. Die Unterlagen dazu waren dem Kommunalpolitiker offensichtlich aus Versehen zugestellt worden.
Die Deutsche Glasfaser teilt zudem mit, dass „die Bauarbeiten der Trasse Richtung Eisenberg (Norden) aktuell im Gange“ seien und – für einige Dörfer im Leiningerland wichtig: „Die Arbeiten für die zweite Backbonestrecke sind für dieses Jahr geplant.“ Mit anderen Worten: Mit „kritischer Infrastruktur“ ist wohl noch im Jahr 2023 zu rechnen. Im selben Jahr, in dem in Ebertsheim die Neugasse sowie Haupt- und Mertesheimer Straße für Glasfaser von Mawacon bereits auf- und zugemacht worden sind.