ALTLEININGEN
Geschäftsleute fordern: Straße auf!
Metzger Max Hepp beschreibt die gegenwärtige Situation: „Mir fehlen rund 100 Kunden pro Woche, jeder hat durchschnittlich 16,80 Euro bei uns gelassen. Weil ich die Produktion herunterfahren musste, habe ich schon jemanden entlassen.“ Gleichzeitig seien Naturgewürze um 60 Prozent teurer geworden, Verpackungen um 100 Prozent. Die monatlichen Spritkosten hätten sich von 300 auf 700 Euro mehr als verdoppelt, so Hepp, der seine Ware auch ausliefert. Unter anderem alle zwei Tage ans Haus des Kindes, wo zentral für alle Grünstadter Kitas gekocht wird. „Jetzt darf ich nur noch einmal wöchentlich kommen, weil die Stadt Geld sparen will“, erläutert der Altleininger Metzger. Seinen Fahrer müsse er pro Tag für zwei Stunden mehr bezahlen wegen der Umleitung.
Richard Danner, Leiter des Kleinsägmühlerhofs, klagt: „Bisher habe ich mit dem Schlepper sieben Minuten bis Kleinkarlbach gebraucht, jetzt sind es 35 bis 40.“ In seinem Hofladen habe er mindestens 30 Prozent weniger Umsatz. Ähnliche Angaben machen Martin Hepp (Getränkeparadies) und Gunther Hirstein (Pferdepension Windwiesenhof und Lädchen). Marlene Schnell berichtet, dass sie nun für ihren Dorfladen deutlich weniger Backwaren bei ihrem Lieferanten ordert. „Das wird für den Bäcker bald nicht mehr rentabel sein“, mutmaßt sie.
Kunden könnten verloren bleiben
Massive Umsatzrückgänge haben auch Wolfgang Stein (Café Altleiningen) und Joachim Herbel, der in Höningen das Gasthaus Zum Jagdschloss betreibt. „Es sind auch Tage darunter, an denen nur ein Fünftel der üblichen Gäste kommen. Und das nach zwei Jahren Corona“, stöhnt Herbel. Gärtnermeister Frank Dennhardt, der für seine Produkte stets ein Jahr im Voraus planen muss, befürchtet: „Wenn die Leute sich erst einmal neue Einkaufsmöglichkeiten gesucht haben, bleiben sie für uns verloren.“
Bereits seit Anfang Februar ist die Landstraße 520 bei Neuleiningen-Tal voll gesperrt. Die Werke der Verbandsgemeinde Leiningerland tauschen die fast 100 Jahre alten Wasserleitungen und die Hausanschlüsse aus, der Landesbetrieb Mobilität (LBM) aus Speyer erneuert die Fahrbahn. Die gemeinsame Baustelle wird voraussichtlich im Mai verschwunden sein. Dennoch werden die Altleininger, ebenso wie die Carlsberger, noch mindestens bis September riesige Umwege fahren müssen, wenn sie gen Osten wollen.
Unterschriftenaktion initiiert
Grund dafür ist die Umleitungsstrecke durch den Bischofswald für die Battenberger während des Ausbaus der Kreisstraße 30. Wer aus dem Forst kommt, kann rechts auf die L520 in Richtung Kleinkarlbach abbiegen. Ebenso gibt es von der Landstraße eine Linksabbiegespur in den Wald. Autos aus Kleinkarlbach / Grünstadt werden über eine extra angelegte betonierte Aufweitung der Straße nach Altleiningen geleitet. Nicht zulässig sein wird Verkehr in der umgekehrten Richtung. Das wollen die Altleininger Gewerbetreibenden nicht akzeptieren. Ortsbürgermeister Gunther Schneider (WG Dennhardt) informierte in der Ratssitzung am Mittwoch, dass in sämtlichen Geschäften und Firmen Unterschriftenlisten auslägen. Verlangt wird, die Vollsperrung der L520 „umgehend aufzuheben, gegebenenfalls die Straße über eine einseitige Ampelschaltung für den Verkehr freizugeben“. Initiiert wurde diese Aktion vom Ehepaar Schnell. Dass dieser Forderung nicht entsprochen werden kann, zeigt ein Blick auf die aktuelle Baustelle. Frank Rüttger (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Leiningerland, erläutert: „Es laufen parallel Arbeiten im Wald und auf der L520. Aus Platzgründen müssen die neuen Wasserleitungen mittig in der Fahrbahn verlegt werden. Daher kann die Sperrung weder aufgehoben werden noch nur halbseitig erfolgen.“
So weit, so schlecht. Weshalb die Altleininger aber noch bis in den Herbst hinein kilometerlange Umwege über Wattenheim und dann über die Autobahn oder über Tiefenthal und Neuleiningen fahren sollen, leuchtet vielen Bürgern nicht ein. Wieso der Verkehr aus dem Burgdorf (und Carlsberg) über die L520 nach Grünstadt unterbunden und nicht einfach durch eine weitere Ampel geregelt integriert wird, erklärt der LBM-Chef Martin Schafft so: Eine Aufhebung der Sperrung für den Verkehr aus Westen „würde eine sehr aufwendige Steuerung der Lichtzeichenanlage am Beginn der Umleitungsstrecke nach Battenberg bedeuten. Die Wartezeiten würden deutlich verlängert“. Auf die ab April bis zum Jahresende gleichzeitige Sanierung von drei Kilometern auf der A6 in Richtung Kaiserslautern angesprochen, versichert Schafft: „Die Anschlussstellen Grünstadt und Wattenheim sind von der Maßnahme nicht betroffen.“
Keine Chance auf Schadensersatz
Ortsbürgermeister Schneider macht sich Sorgen wegen der momentan ewig langen Rettungswege. Verwaltungschef Rüttger sagt dazu: „Im Vorfeld ist mit Ordnungsbehörden, Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst erörtert worden, wie man die Anfahrten optimal ausrichtet.“ Seitens der VG seien Alarmierungen der Wehren umgestellt worden.
Aufgeworfen wird von den Gewerbetreibenden auch die Frage nach Schadensersatz. Solche Zahlungen sind laut Rüttger an hohe rechtliche Hürden geknüpft. „Diese sind – auch nach juristischer Einschätzung des Gemeinde- und Städtebundes sowie des LBM – nicht gegeben.“ Die Betriebe in Altleiningen seien alle erreichbar, wenn auch nur über Umleitungsstrecken.
Schneider, der wie viele andere Altleininger eine schlechte Informationspolitik seitens der Behörden moniert, kündigte auf der Ratssitzung einen baldigen runden Tisch mit Vertretern aller Beteiligten an.