Tiefenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Geplante Windräder sorgen für Kritik

Diese beiden Windräder in Tiefenthal sollen demontiert und durch neuere, leistungsstärkere Anlagen ersetzt werden.
Diese beiden Windräder in Tiefenthal sollen demontiert und durch neuere, leistungsstärkere Anlagen ersetzt werden.

In Tiefenthal sollen nur zwei Windräder ersetzt werden. Die Gemeinde erhofft sich mehr Geld – allerdings ist nicht jeder im Ort über die geplanten Neuanlagen glücklich.

Wo sollen sie denn nun entstehen, die beiden neuen Windkraftanlagen? Diese Frage brannte den Einwohnern in Tiefenthal in der jüngsten Ratssitzung sichtlich unter den Nägeln. Zum einen steht bei den beiden Windkraftanlagen auf Tiefenthaler Gebiet das Repowering an, also der Austausch gegen leistungsstärkere Neuanlagen, zum anderen sollen in Ebertsheim zwei neue Windräder entstehen. Beide Gemeinden planen den Windpark gemeinsam und haben dafür das international agierende Unternehmen Energiequelle beauftragt. Angedacht sind vier 7,2-Megawatt-Anlagen, mit denen laut Projektentwickler Tom Herzberg von Energiequelle rund 7500 Haushalte im Jahr mit Strom versorgt werden können.

Neue Standorte vorgesehen

Obwohl die Windräder in Tiefenthal ersetzt werden sollen, seien andere Standorte für sie geplant, stellte Herzberg in Aussicht. Grund sind ihm zufolge die veränderten Abstandsregeln für Windkraftanlagen: Bei einem Repowering-Verfahren müssten neue Windräder mindestens 720 Meter entfernt zu Wohnsiedlungen gebaut werden. Bei Neuanlagen gelte wiederum ein Mindestabstand von 900 Metern. „Die beiden aktuellen Anlagen liegen deutlich darunter“, so Herzberg.

Dennoch gab es teils deutliche Kritik. „Für mich gehören Windräder in die Nordsee oder Ostsee rein und haben hier nichts verloren“, sagte etwa einer der Einwohner, der von einer „reinen Geldmacherei“ sprach. Hanke Bösch (WGT) verteidigte wiederum die Pläne. „Man kann dafür oder dagegen sein, dass wir aus der Atomenergie ausgestiegen sind, aber ohne Alternativen und günstige Energie werden wir zukünftig unsere Arbeitsplätze verlieren“, sagte er und argumentierte, dass grün produzierter Strom die Region attraktiver für Unternehmen mache.

Ein anderer Anwohner zeigte sich besorgt um den Zustand der Feldwege, sollte es zu Schwertransporten für den Aufbau der Anlagen kommen. „Wir haben die Möglichkeit, nicht durchs Dorf fahren zu müssen“, entgegnete Herzberg. Der Transport werde demnach von der A6 aus über bestehende Feldwege, die neu ausgebaut werden sollen, erfolgen. Auf welchem Weg genau die neuen Windräder von A nach B kommen, lege der Anlagenhersteller jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt fest, so Herzberg: „Wir sind noch ganz am Anfang der Planungsphase.“ 2026 sollen zunächst die für den Bau erforderlichen artenschutzrechtlichen Gutachten angestoßen werden. Sollte der Bauantrag genehmigt werden, könnten sich die neuen Rotorblätter in Tiefenthal frühestens ab 2030 drehen.

Künstler stört sich an Optik

Auch vonseiten des Rats gab es Kritik – die sich allerdings nicht auf das Projekt an sich bezog. „Windräder haben eine gewisse Tristesse, wenn man sie in der Landschaft beobachtet“, kommentierte Wolfgang Thomeczek (WGT). Um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen, regte das Ratsmitglied und der Betreiber des Kunstkabinetts Tiefenthal eine künstlerische Umgestaltung der Windkraftanlagen an – ganz nach dem Vorbild von „Kunst am Bau“. Dabei gestalten Künstler Gebäude, um sie optisch aufzuwerten.

Herzberg sah darin allerdings nur wenig Erfolgschancen. „Es gibt einheitliche Vorgaben, um den militärischen und gesellschaftlichen Flugverkehr nicht zu beeinträchtigen“, so der Projektentwickler. Ob eine künstlerische Gestaltung bis zu einer bestimmten Höhe möglich ist, müsse erst geprüft werden.

Bürgerbeteiligung als Option

Herzberg stellte zudem mehrere Modelle in Aussicht, wie auch Bürger finanziell vom neuen Windpark profitieren können – etwa in Form einer Energiegenossenschaft oder eines Bürgerstromtarifs. „Wie das genau für die beiden Gemarkungen Ebertsheim und Tiefenthal aussehen soll, werden wir noch besprechen“, so der Planer von Energiequelle.

Fest steht jedenfalls: Für jede von den Anlagen produzierte Kilowattstunde werde im Radius von 2,5 Kilometern jährlich 0,2 Cent ausgeschüttet. Für die Gemeinde Tiefenthal bedeutet das Einnahmen von schätzungsweise 25.000 Euro im Jahr, auf die laut VG-Bürgermeister Frank Rüttger (CDU) keine Umlagen entfallen. Sprich: Das Geld bleibt im Dorf.

x