Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Genau zuhören: Wie Senioren der Polizei helfen sollen

 Horst Gesell ist stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Grünstadt.
Horst Gesell ist stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Grünstadt.

Mit „Sicherheitsberatern für Senioren“ wollen Polizei, Stadt und Verbandsgemeinde Ansprechpartner etablieren, die mit Gleichaltrigen auf Augenhöhe reden. Denn in manchen Situationen kann es durchaus hilfreich sein, wenn die nette Nachbarin mal einen Tipp gibt.

Die Sicherheitsberater für Senioren sollen genau hinhören, was andere Ältere beim Nachbarschafts-Klatsch, beim Stammtisch, beim Kirchencafé oder beim Metzger erzählen. Nicht um sie auszuhorchen, sondern um bei Bedarf Tipps geben zu können. Die Sicherheitsberater sollten nämlich immer dann hellhörig werden, wenn die Gesprächspartner von Alltagsbegebenheiten erzählen, die ihnen seltsam vorkommen oder unangenehm sind: permanente Telefon-Anrufe, die Aufforderung, Geld zu überweisen, um einen Gewinn zu bekommen, oder die Beobachtung, dass ein Auto mit unbekanntem Kennzeichen immer wieder die Straße entlangfährt.

Horst Gesell ist stellvertretender Leiter der Grünstadter Polizeiinspektion und will das Projekt der Sicherheitsberater in der Region etablieren. Er sagt, ihre Aufgabe sei es, die Menschen auf Tricks von Kriminellen aufmerksam zu machen. Sie sollen Gefahrensituationen erkennen und Empfehlungen geben, wie sich die Senioren verhalten sollen. Gesell fasst es so zusammen: „Man soll in seinem Umfeld die Maschen bekannt machen, sei es beim Skat-Spielen, beim Kaffeetrinken im Freundeskreis oder wenn man sich beim Bäcker in der Schlange unterhält.“ Denn die Scham älterer Menschen, sich direkt an die Polizei zu wenden, sei mitunter groß, vor allem, wenn sie Opfer einer Straftat geworden sind. „Zur Polizei zu gehen und sich zu outen, fällt vielen schwer“, weiß Gesell und nennt als Beispiel Enkeltrick-Opfer, die mitunter sehr viel Geld an Kriminelle übergeben – und sich dann selbst so schämen, auf die Masche hereingefallen zu sein. Die Polizei brauche aber die Informationen, um der Täter habhaft werden zu können. Hier sei es eine Erleichterung, wenn ein anderer älterer Mensch sage: „Ich kenne da jemanden bei der Polizei, der dir helfen kann ...“

Veranstaltungen mit der Polizei organisieren

Ein nächster Schritt sei dann, dass die Sicherheitsberater in ihren Vereinen oder bei Treffen mit Gleichaltrigen fragten, ob Präventionsberatungen mit Vertretern der Polizei gewünscht sind. „Sie könnten dann bei regelmäßigen Zusammenkünften auch einmal die Polizei einladen“, schlägt Gesell vor, der die Rolle der ehrenamtlichen Sicherheitsberater so zusammenfasst: „Die Senioren sind Türöffner zu anderen Senioren.“

In anderen Kommunen gebe es das Programm schon länger, in der Verbandsgemeinde Leiningerland und in Grünstadt wird es neu aufgebaut, dafür wurde im Mai eine Gruppe von älteren Menschen zwei Tage lang geschult. Die Teilnehmer lernten dabei unter anderem auch die Ansprechpartner von Polizei und Weißem Ring kennen. Weitere Fortbildungen sind vorgesehen.

In der Verbandsgemeinde Leiningerland gibt es mit Irmgard Gurdan aus Gerolsheim, Ursula Renner aus Bockenheim, Stefan Altheimer aus Hettenleidelheim und Gaby Müller aus Gerolsheim vier Sicherheitsberater, in Grünstadt haben sich Hubert Rudolf, Erich Schönberg, Karl Friedrich Schindler, Wolfgang Wedhorn und Wolfgang Hofmann bereiterklärt, anderen Senioren zur Seite zu stehen. Sie sollen in der nächsten Sitzung des Stadtrats für drei Jahre als Sicherheitsberater im Ehrenamt ernannt werden.

Warum ist in der Stadt keine Frau dabei?

Bei der jüngsten Sitzung des städtischen Hauptausschusses gab es eine kurze Diskussion über die Sicherheitsberater – Martina Hauenstein von der SPD-Fraktion zeigte mit ihren Fragen auf, dass die Stadtratsmitglieder zuvor nicht über das neue Amt informiert wurden. Elke Vetter (Grüne) wollte wissen, warum denn in Grünstadt fünf Männer, aber keine einzige Frau als Sicherheitsberater tätig sein sollen. Ferner wurde im Gremium die Frage gestellt, wie die Sicherheitsberater ausgewählt wurden. In der Verbandsgemeinde gab es Aufrufe im Amtsblatt und auf der Internetseite, in Grünstadt hingegen wurden gezielt engagierte Senioren angesprochen. Polizist Gesell bestätigt, dass man in Grünstadt zielgerichtet Menschen angesprochen habe, die schon im Seniorenbereich engagiert seien und wenig Berührungsängste hätten. Zudem sei es auch eine Frage der Kapazität – schließlich habe man unter Corona-Bedingungen geschult.

„Wir fangen klein an und gucken, wie das läuft“, sagt Gesell – und betont, dass es sich um den Auftakt der Aktion handelt: „Wenn künftig noch mehr Leute auf uns zukommen und Interesse bekunden, werden wir uns dem nicht verschließen.“ Karl Friedrich Schindler vom Seniorenbeirat informierte die Ratsmitglieder, dass es unter den Interessenten in Grünstadt durchaus eine Frau gegeben habe – diese habe aber die Schulung nicht absolvieren können, weil sie zu der Zeit im Urlaub gewesen sei.

Internet

https://kriminalpraevention.rlp.de; Stichwort: Sicherheitsberater

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