Grünstadt / Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Gemeindeschwester will Senioren helfen, lange zu Hause bleiben zu können

Sie will alten Menschen helfen: Birgit Langknecht ist als Gemeindeschwester plus für Grünstadt und die Verbandsgemeinde Leininge
Sie will alten Menschen helfen: Birgit Langknecht ist als Gemeindeschwester plus für Grünstadt und die Verbandsgemeinde Leiningerland zuständig.

Sie heißt zwar Schwester, aber Birgit Langknecht wird nicht zu den Senioren kommen, um sie zu pflegen. Vielmehr ist es der Auftrag der Gemeindeschwester plus, sie über Hilfen zu informieren, die ihnen das Leben zu Hause leichter machen sollen.

Birgit Langknecht ist als Gemeindeschwester plus für die Stadt Grünstadt und das Leiningerland zuständig, am 1. April wollte sie eigentlich loslegen. Wegen der Corona-Pandemie hat sie ihren Dienst erst Anfang Juni aufgenommen und in der Zwischenzeit beim Gesundheitsamt mitgearbeitet. Doch jetzt soll es losgehen – und die Gemeindeschwester freut sich auf ihre neue Aufgabe und die berufliche Veränderung.

Alte Menschen sollen zu Hause wohnen können

Ihr Job ist es, Senioren ab 80 Jahren über Angebote zu informieren, die ihnen dabei helfen, möglichst lange in der eigenen Wohnung leben zu können. Das beinhaltet Themen wie Pflege oder die Frage, welche Veränderungen in der Wohnung vorzunehmen sind. Manchmal helfe eine Verlegung des Schlafzimmers ins Erdgeschoss, nennt sie ein Beispiel. Auch Hilfestellungen beim Ausfüllen von Behördenunterlagen und die Zeit für einen Plausch gehören zu ihrem Job: „Ich habe ein offenes Ohr für die Menschen, die meine Unterstützung oder Ratschläge wollen. Meine Arbeit soll präventiv sein. Es geht darum, Menschen dabei zu unterstützen, möglichst lange in ihrem gewohnten häuslichen Umfeld wohnen zu können“, sagt Langknecht. Sie hilft Senioren auch dabei, Kontakte zu örtlichen Pflegestützpunkten herzustellen.

„Schwester“ ist nicht wörtlich zu nehmen

Der Name „Schwester“ ist allerdings nicht wörtlich zu nehmen: Die Gemeindeschwester plus führt selbst keine pflegerischen Tätigkeiten aus. „Das darf nicht verwechselt werden. Ich versuche, Menschen die Möglichkeiten, die ihren Alltag erleichtern, aufzuzeigen und die Wohnsituation einzuschätzen. Aber auch bei finanziellen Fragen zum Thema Pflege stelle ich Kontakte her oder informiere gegebenenfalls selbst“, erzählt die gelernte Altenpflegerin.

Das Angebot der Gemeindeschwester plus ist für die Senioren kostenlos – auch wie häufig Langknecht ins Haus kommt, spielt keine Rolle. „Manche benötigen vielleicht einmal Hilfe oder habe eine konkrete Frage, andere nehmen regelmäßig meinen Dienst in Anspruch.“ Erfahrungswerte hat sie noch nicht: „Aktuell habe ich noch keine Senioren, die ich betreue. Es ist ja erst der Anfang“, erklärt die Fachkraft. Wegen des Coronavirus finden die Gespräche zunächst telefonisch statt, ab Ende Juni könnten Beratungsgespräche nach Angaben der Kreisverwaltung auch in den Büroräumen unter Einhaltung der Hygieneregeln stattfinden.

Wie werden die Menschen versorgt?

Die häusliche Versorgungssituation näher zu betrachten, ist auch Teil ihrer Arbeit. „Ich denke da beispielsweise, mich an bestehende Netzwerke der Nachbarschafts- oder Einkaufshilfen der Gemeinden anzuschließen oder weitere ins Leben zu rufen, um die Versorgung der Senioren abzudecken“, sagt die Gemeindeschwester plus. Ausflüge und ein Bewegungsprogramm will Langknecht außerdem auf die Beine stellen. Denn es hilft ja nichts, wenn die Menschen zwar länger daheim wohnen – aber dann dort vereinsamen.

Förderung vom Land, Übernahme vom Kreis

Das Projekt Gemeindeschwester plus wird vom Sozialministerium des Landes für ein Jahr gefördert. Im Kreis Bad Dürkheim wird es auf Anregung des Seniorenbeirats und nach Beschluss des Kreistags umgesetzt. Das Land fördert 1,5 Stellen komplett, der Kreis hat jedoch beschlossen, dass an jedem der vier Pflegestützpunkte eine Gemeindeschwester arbeiten solle, darum hat er auf zwei Stellen aufgestockt. Eine halbe Stelle wird so durch den Kreis finanziert, eineinhalb Stellen durch das Land. Die Landes-Förderung ist zunächst auf ein Jahr begrenzt, der Kreis plant dennoch, das Projekt weiterzuführen: Sollte das Geld aus Mainz nicht mehr fließen, wird der Kreis die gesamten Kosten übernehmen – über eine Zeitspanne wurde dabei aber noch nicht gesprochen. Neben der 54-jährigen Birgit Langknecht, die 19,5 Stunden wöchentlich arbeitet, gibt es zwei weitere Kolleginnen. Sie sind in Büros in Bad Dürkheim und Haßloch (zusammen eine ganze Stelle) und Lambrecht tätig. In Grünstadt sind 7 Prozent der Bürger älter als 80 Jahre, in der Verbandsgemeinde 6 Prozent – in absoluten Zahlen sind das rund 950 Menschen in der Stadt und 1885 im Umland.

Zur Person

Birgit Langknecht ist 1965 in Bad Dürkheim geboren. Die 54-Jährige ist gelernte Altenpflegerin und arbeitete in einer Langzeiteinrichtung für physisch erkrankte Menschen und in der Sozialstation in Bad Dürkheim. 2002 wechselte sie in den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung in Ludwigshafen (MDK) und war bis Januar 2020 als Gutachterin für Pflegegrade zuständig. Darauf folgt nun die Stelle als Gemeindeschwester plus für die Stadt Grünstadt und die Verbandsgemeinde Leiningerland. Die Bad Dürkheimerin hat eine Zusatzausbildung als Case-Managerin bei der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management absolviert. Hier lernte sie unter anderem, die Ressourcen von Einzelpersonen zu erfassen und diese in ihrer optimalen Entwicklung – räumlich, finanziell beratend oder auch versorgungstechnisch – zu beraten. Langknecht ist zudem ausgebildete Validationsanwenderin. In dieser Ausbildung lernte sie den Umgang mit Menschen mit Demenz.

Kontakt

Kirchheimer Straße 100, Grünstadt, telefonisch montags bis donnerstags von 9 bis 14 Uhr zu erreichen, Telefon 0152/18977185 oder 06322/9619126, E-Mail: Birgit.Langknecht@kreis-bad-duerkheim.de.

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