Grünstadt Geistliche legen den Grundstein

Am gestrigen Sonntag hat sich zum 115. Mal die Gründung des Altertumsverein Grünstadt-Leiningerland, Träger des Museums im Alten Rathaus, gejährt. Pfarrer Stephan Lederer hatte damals im Protokoll festgehalten: „Heute, am 22. April des Jahres 1903, versammelten sich im Gasthause zur Jakobslust eine Anzahl Herren aus Grünstadt selbst und aus der Umgebung, zur Gründung eines Altertums-Vereins.“
Der Verein geht zurück auf den geschichtlich interessierten Emil Müller (1864 bis 1918), evangelischer Pfarrer in Sausenheim. Dieser stammte aus Frankenthal-Eppstein und amtierte von 1890 bis 1901 in Quirnbach bei Kusel, wo er bereits 1896 das heimatgeschichtliche Buch „Aus der Geschichte des Dorfes Quirnbach“ herausgab. Als Müller 1901 nach Sausenheim versetzt wurde, begann er auch hier die Historie zu erforschen. Ab Oktober 1902 publizierte er die „Leininger Geschichtsblätter“. Wie der Vorsitzende des Altertumsvereins, Siegfried Zimmermann, berichtet, übernahm ebenfalls 1901 Stephan Lederer (1844 bis 1923) aus Wachenheim die katholische Stadtpfarrei Grünstadt. Auch Lederer war heimatgeschichtlich interessiert. Er hatte schon an seinem vorherigen Dienstort Rodalben das Buch „Urkundliche Geschichte der christlichen Religionsübung im Amte Gräfenstein“ herausgegeben, das 2010 eine Neuauflage erlebte. „Unter Federführung der beiden Geistlichen wuchs ein Kreis von Geschichtsfreunden zusammen und es reifte der Plan, einen Verein zur Pflege und Erforschung der hiesigen Historie zu gründen“, so Zimmermann. Nach der konstituierenden Sitzung am 22. April 1903 übernahm Müller den Vorsitz, Lederer wurde Vereinssekretär und Schriftführer. „Bei der Gründung traten bereits 55 Mitglieder dem Verein bei“, so Zimmermann. Laut Satzung steht im Fokus „die Pflege der Liebe zur engeren und weiteren Heimat“. 1904 gab Müller die erste gedruckte Stadtgeschichte „Grünstadt und Umgebung“ heraus. Vier Jahre später zog er nach Münchweiler an der Alsenz, blieb aber dem Grünstadter Verein treu und redigierte weiterhin die „Leininger Geschichtsblätter“. Ihr Erscheinen wurde 1915 eingestellt. 1926 bis 1934 existierten die „Neuen Leininger Blätter“ als Nachfolgepublikation. Dieser ursprüngliche Altertumsverein betrieb ein Museum im damaligen Distriktkrankenhaus, dem heutigen Rathaus, im Kreuzerweg. Es musste 1945, auf Anordnung der Besatzungsbehörden, aufgelöst werden. Die Exponate waren zuvor teilweise in den Kasematten der Festung Germersheim eingelagert worden, wo manches Stück durch Plünderung verschwand. Die Reste fielen an die Stadtverwaltung Grünstadt, wertvollere Stücke erhielt das Museum der Pfalz in Speyer. Auf Initiative des städtischen Beigeordneten und Vorsitzenden des Kulturausschusses, Eugen Sommer, erfolgte 1949 die Gründung des hiesigen Kulturvereins. Hier wurde auch die Historie gepflegt und es entstand ein Arbeitskreis „Heimatmuseum“. Diese Gruppe löste sich 1984 aus dem Kulturverein heraus und gründete den heutigen Altertumsverein. Zimmermann: „Zu unserem Heimatmuseum im Alten Rathaus in der Hauptstraße ist der Eintritt frei.“ ÖFFNUNGSZEITEN Donnerstags und sonntags, jeweils 14 bis 17 Uhr; an den Aktionssamstagen des Wirtschaftsforums Innenstadt von 11 bis 14 Uhr.