Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Günter Flohn mit der Christian-Löffler-Urkunde geehrt

Große Ehre: Günter Flohn erhält die Christian-Löffler-Urkunde; rechts Asmus Kaufmann vom Verein Pfälzische Sportgeschichte.
Große Ehre: Günter Flohn erhält die Christian-Löffler-Urkunde; rechts Asmus Kaufmann vom Verein Pfälzische Sportgeschichte.

Günter Flohn aus Kindenheim wurde vom Verein für Pfälzische Sportgeschichte mit der Christian-Löffler-Urkunde ausgezeichnet. Sie würdigt seine jahrzehntelangen Verdienste um die Geschichte des Pfälzer Handballs. Der Geehrte kann viel über sie erzählen.

Von Bettina Bostan

„Die Chronik des Pfälzer Handballs war sein Meisterwerk“, würdigte Asmus Kaufmann, Vorsitzender des Vereins Pfälzische Sportgeschichte, die Verdienste Flohns. „Das Buch ist schon Ende 2008 mit dem Titel ,Volkssport Handball – Chronik des Pfälzer Handballs von 1920 bis 2000’ erschienen. Das muss nun endlich honoriert werden“, sagte Kaufmann.

Schon in der Schule sei Handball sein Lieblingssport gewesen, sagt Günter Flohn. „Einer meiner Lehrer brachte den Handball dann als eigene Abteilung des Sportvereins TV Kindenheim zu uns in den Ort“, erinnert sich der heute 84-Jährige.

14 Jahre lang Vorsitzender der TSG Kindenheim

Dort habe Flohn zunächst in der Jugendmannschaft gespielt und später bei den Aktiven. Anfang 1959 habe er sich für zwölf Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet und habe dort in verschiedenen Vereinen weiter Handball gespielt. „Als meine Tochter anfing, Handball zu spielen, habe ich die Jugend trainiert. Sie hat über den Sport auch ihren späteren Mann kennengelernt, der Handball und Fußball spielte und in unserer ehemaligen Heimat Kindenheim wohnte“, erinnert er sich und lacht. Die Familie, die damals in Ludwigshafen wohnte, sei daraufhin nach Kindenheim zurückgezogen – jetzt sei der „ganze Familienclan wieder an einem Platz“.

1984 habe sich die Handballabteilung nach einem Streit vom ursprünglichen Verein TV Kindenheim getrennt und die TSG Kindenheim gegründet. „Wir begannen damals in der Kreisklasse C und stiegen auf bis zur Oberliga. Ich war 14 Jahre lang TSG-Vorsitzender“, erzählt der Sportbegeisterte.

„In der Geschäftsstelle erstmal Ordnung gemacht“

In der Blütezeit habe die Jugend damals in der Oberliga gespielt. Zehn Mannschaften habe es gegeben, 150 Mitglieder habe der Verein gehabt, davon 75 Jugendliche und zehn Betreuer. „2002 gab ich den Vorsitz an Jüngere ab, ich selbst habe bis zum 50. Lebensjahr aktiv gespielt und war viele Jahre Schiedsrichter“, so Flohn.

Als damals ein Schriftführer für das Mitteilungsblatt des Handballs und ein Protokollführer des Vorstandes gesucht wurden, hat er diese Aufgaben übernommen. „Bei meinem ersten Besuch in der Geschäftsstelle in Haßloch habe ich ein heilloses Durcheinander vorgefunden, habe dann erst mal Ordnung gemacht, neue PCs angeschafft, vieles selbst programmiert und mich richtig reingekniet“, erinnert er sich. 400 Hefte mit je 26 Blättern seien jede Woche an die Vereine verteilt worden, aus denen dann wichtige Informationen, wie beispielsweise Spielersperren oder Änderungen in der Spielordnung, entnommen werden konnten. „Bis donnerstags musste immer alles geschrieben sein, dann wurde kopiert, geheftet, kuvertiert – alles von Hand – und bis 12 Uhr musste alles bei der Post sein, damit die Vereine das Mitteilungsblatt freitags rechtzeitig zur Verfügung hatten“, erklärt der passionierte Handballer.

Pfälzer Handball mit einer eigenen Chronik

Bereits 2004 habe er auf einer CD unter dem Titel „Zahlen – Ergebnisse – Fakten“ den Vereinen komplette Ehrungs- und Meisterschaftslisten sowie Zahlenmaterial über die Entwicklung des Verbandes ab 1949 präsentiert.

„Ab 2000 habe ich angefangen, für mein Buch zu recherchieren, das unter dem Titel Volkssport Handball bereits 2008 erschienen ist und Kurzchroniken von acht großen Vereinen beinhaltet sowie die Chronik des Handballs in der Pfalz von 1920 bis 2000“, erklärt Flohn. Stolz sei er darauf, dass kein anderer Handballverband eine eigene Chronik habe, nur der Pfälzer Handball.

„Für die Chronik habe ich fast zehn Jahre lang recherchiert, war viel im Landesarchiv in Speyer, wo ich auch in alten Rheinpfalz-Ausgaben nach Informationen gesucht habe“, erinnert er sich. Herausgekommen ist ein Werk, das Handball-Präsident Friedhelm Jakob damals als „ein akribisch recherchiertes und zeitintensiv erarbeitetes Nachschlagewerk“ würdigte.

80 Bücher hat Flohn als Geschenk dem Sportbund Pfalz überlassen. Für seine Verdienste um die Pfälzer Sportgeschichte hat Flohn deshalb die Christian-Löffler-Urkunde erhalten. Er sagt: „Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, freue mich aber sehr über diese Auszeichnung, die einen Ehrenplatz bei mir erhält“.

Zur Sache: Wer war Christian Löffler?

Die Christian-Löffler-Urkunde wird vom Verein Pfälzische Sportgeschichte verliehen, um Personen zu ehren, die sich in besonderem Maße der heimischen Sportgeschichte widmen oder gewidmet haben. Namensgeber für den Ehrenpreis ist Christian Löffler (1886 bis 1976), der erste Vorsitzende in der Geschichte des Sportbundes Pfalz.

Löffler wurde 1949, im Gründungsjahr des Sportbundes, zum Vorsitzenden gewählt und führte das Amt bis 1965 aus. 1945 wurde Christian Löffler von der Besatzungsmacht mit der Neuorganisation des Sports in der Pfalz beauftragt.

Der damals in Kaiserslautern lebende, gebürtige Franke rief die Fußball-Oberliga der französischen Zone ins Leben, übernahm das Amt des Vorsitzenden im Zonensportrat, war Kreis- und Bezirksvorsitzender und stand dem Bezirk Westpfalz des Südwestdeutschen Fußballverbandes nach dessen Wiedergründung vor. 1965 wurde Löffler zum Ehrenpräsidenten des Sportbundes Pfalz ernannt.

x