Grünstadt Funkelndes Feuerwerk festlicher Virtuosität

Zwei Echo-Klassik-Preisträger auf der Kirchheimer Orgelempore: der Trompeter Matthias Höfs aus Hamburg und der Organist Christia
Zwei Echo-Klassik-Preisträger auf der Kirchheimer Orgelempore: der Trompeter Matthias Höfs aus Hamburg und der Organist Christian Schmitt aus Stuttgart.

Ausnehmend frisch, gutgelaunt und mitreißend stiegen der Trompeter Matthias Höfs aus Hamburg und der Organist Christian Schmitt aus Stuttgart am Freitagabend in das Weihnachtskonzert des Kirchheimer Konzertwinters ein. Sie entfalteten in der Folge ein Feuerwerk festlicher Virtuosität, das in der fast voll besetzten Kirchheimer Kirche begeisterten Beifall fand.

Dabei hatte ein kurz vor dem Konzert einsetzender, überaus schneeträchtiger Kurzwinter, der bei Konzertende erstaunlicherweise schon weggeregnet war, sicher manchen davon abgehalten, seinen Wagen aus der Garage zu holen. Im Resultat herrschte kein Gedränge, und alle hatten’s recht bequem. Für viele eine große Freude: Theo Herzer, viele Jahre Pfarrer von Kirchheim und dann bis zu seiner Pensionierung, die auch schon etliche Jahre zurückliegt, Dekan in Grünstadt, hatte die drei Lesungen übernommen, die seit Jahren zum traditionellen Ablauf des Weihnachtskonzerts gehören. „Kirchheim ist nach wie vor ein Teil meines Herzens und meiner Seele“, sagte er, und gab dann zum ausklingenden Luther-Jahr einen Überblick über Martin Luthers enges Verhältnis zur Musik, der durch seine Anschaulichkeit und gediegene Formulierung erfreute. Die Verbindung zum Konzert stellte das gemeinsam gesungene Luther-Lied „Vom Himmel hoch“ her. Die Hauptsache waren natürlich die Musikdarbietungen – festlich strahlende, heiter beschwingte barocke Musik aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, vornehmlich italienische Virtuosenstücke, dazu zwei Orgelwerke, die in kluger Kontrastsetzung etwas andere Farben ins Programm brachten. Ein makellos strahlendes Grave – so die Vortragsbezeichnung des ersten Satzes – eröffnete das F-Dur-Konzert von Tomaso Albinoni. Dem folgenden Allegro gab namentlich der Organist fröhlich-tänzerischen Schwung, indes die sanglichen Melodien des Adagios sich durchaus etwas mehr Zeit hätten lassen dürfen, sich auszusingen. Höfs modellierte seine Töne so schön, abgerundet und klar strahlend, dass sie es verdient hätten. Festlich-strahlend verbreitete der Schlusssatz sonnige Laune – zweifellos ein vorzügliches Mittel gegen Winterdepression, wie Theo Herzer gesagt hatte. Dann zeigte Christian Schmitt solo, was er und die Kirchheimer Mönch-Orgel können: Die Bachsche d-Moll-Toccata mit Fuge BWV 565, die bekanntlich höchstwahrscheinlich gar nicht von Johann Sebastian Bach, sondern von einem Komponisten der nächsten Generation stammt, brachte er spektakulär, scharf, drastisch, leuchtend – genau so, wie diese auf Überraschung kalkulierten Akkorde auch gemeint sind. Im Gegensatz dazu kam der nur auf dem Manual zu spielende Teil ganz entspannt und in schönen, klaren Flötenstimmen munter fließend. Schmissig dann wieder die scharfen Abschluss-Akkorde, herrlich kommen die sonoren Zungen im Regal zur Geltung: das Instrument ist wie für diese Musik gemacht. Johann Sebastian Bach hat ein Konzert seines venezianischen Zeitgenossen Antonio Vivaldi für die Orgel adaptiert (BWV 972), hier gibt man ihm die Trompetensolostimme zurück. Das gefällt von Anfang an durch makellose Klanggebung. Stark und kräftig spielt Höfs auch im Larghetto. Das zweite Allegro ist extrem schnell, ein virtuoser Parforceritt für beide Solisten, der ganz mühelos wirkt und bestens gelingt. Die Orgel leuchtet transparent und klar, die rasanten Trompetenläufe bleiben makellos exakt im Takt und immerzu akkurat intoniert. Das ist Hochleistungssport, der mit barocken Instrumenten so wohl nicht möglich gewesen wäre, aber der Musik genau das gibt, worauf sie angelegt ist, nämlich schwerelos strahlenden Glanz. Von gleicher Qualität: eine Sonate für Trompete und Orgel von Pietro Baldassare, der in Brescia wirkte, die beiden Solisten schöne Gelegenheit zur Entfaltung bietet. Schön, dass hier der langsame Satz bedächtiger schwingen darf. Glänzend musikantisch bringen Höfs und Schmitt den Schlusssatz. Nun wird es in der Tat Zeit für einen Kontrast: Gustav Merkel ist einer der wenigen, die sich im 19. Jahrhundert der Orgelkomposition gewidmet haben. Seine Variationen für Orgel über ein Thema von Beethoven op. 45 sind zu hören. Hier gibt Schmitt der Orgel einen ganz anderen Klangcharakter als bisher. Sie glänzt und strahlt nicht mehr, sondern streicht dunkel und gedeckt. Das Thema ist eher fad, und die Veränderungen werden erst allmählich interessant, aber es ist sehr spannend, wie Schmitt – nicht immer gleich auf Anhieb, weil es an Registrierhilfen fehlt – immer wieder neue, reizvolle Klangkombinationen entfaltet. Er spielt mit gestalterischem Überblick, überlegen disponierend, bis zum klangkräftigen Finale. Noch mal barocker Glanz: das D-Dur-Trompetenkonzert von Heinrich Stölzel steht den anderen derartigen Musiken in nichts nach, der Applaus ist lange, bewundernd und dankbar, und dann gibt es noch eine Jazz-Fassung von „Der Mond ist aufgegangen“, auf drei unterschiedlich hohen Instrumenten bestens geblasen.

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