Altleiningen RHEINPFALZ Plus Artikel Freunde des Altleininger Freibads sind nicht glücklich über die Öffnung

Volker Spindler, Jürgen Stütz und Ralph Ringel (von links) kümmern sich als Vorstandsmitglieder des Fördervereins ehrenamtlich u
Volker Spindler, Jürgen Stütz und Ralph Ringel (von links) kümmern sich als Vorstandsmitglieder des Fördervereins ehrenamtlich um das Burgbad in Altleiningen.

Jürgen Stütz, Volker Spindler und Ralph Ringel lieben das Altleininger Freibad. Deswegen stecken sie ohne Ende Zeit hinein. Die Männer sind momentan aber unglücklich. Denn das Burgbad hätte in ihren Augen diesen Sommer überhaupt nicht öffnen sollen.

„Jürgen, hör auf zu rechnen!“ Es ist dieser eine Satz von Volker Spindler, der gut auf den Punkt bringt, wie die Stimmung im Vorstand des Fördervereins Burgbad Altleiningen dieser Tage ist. Der Vorsitzende Jürgen Stütz überschlägt an einem schönen Sommernachmittag im Juli, wie viel Eintrittsgeld am Abend in der Schwimmbad-Kasse sein wird. Es wird hinten und vorne nicht reichen: „Wir brauchen heute viel mehr Geld für die Energie, um das Wasser zu heizen, als vorne an der Kasse reinkommt.“ An diesem Nachmittag sind 30 Gäste im Bad, die laufenden Kosten für einen Schwimmbad-Tag liegen bei 1000 Euro.

Die Gemeinden legen drauf

Öffentliche Bäder sind überall Zuschussgeschäfte. Die Städte und Gemeinden legen Geld drauf, damit die Menschen sich bewegen, Spaß haben können. In diesem Jahr wird das Defizit aber noch höher ausfallen, die Kommunen müssen noch mehr dazuzahlen – obwohl ihre Einnahmen aus Steuergeldern wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie geringer sein werden.

Die Freibäder in Hettenleidelheim und Altleiningen machen in „normalen Jahren“ zusammen ein Defizit von 320.000 bis 380.000 Euro, die fünf Ortsgemeinden der ehemaligen VG Hettenleidelheim kommen dafür auf. In diesem Jahr könnte es auf ein Defizit von einer halben Million Euro hinauslaufen.

In Altleiningen kommen diese Aussichten nicht gut an. Im Gemeinderat gab es Kritik an der Bäderöffnung. Die Befürchtung der Einwohner ist, dass Geld für andere Dinge fehlt, wenn noch mehr ins Schwimmbad gesteckt werden muss. „Der Ort war nicht begeistert“, sagt Volker Spindler über die Öffnung des Burgbads.

Vereinszweck: das Bad attraktiv halten

Eigentlich hat der Förderverein nichts mit der Schwimmbad-Öffnung zu tun. Denn er ist weder Betreiberin noch Betriebsführerin des Bades. Betreiberin ist die Anstalt öffentlichen Rechts (AöR), der die fünf Ortsgemeinden der ehemaligen VG Hettenleidelheim angehören. Betriebsführerin ist die Verbandsgemeinde Leiningerland.

Der Zweck des 2003 gegründeten Fördervereins ist es, in Eigenarbeit dafür zu sorgen, dass das Bad attraktiv ist. Das wird zum einen mit der eigenen Hände Arbeit erreicht (viele Hundert Ehrenamtsstunden pro Jahr), zum anderen im Werben für Unterstützergelder.

Dass die Freibäder in Altleiningen und Hettenleidelheim in diesem Corona-Sommer geöffnet werden, war eine Entscheidung der AöR. Wobei es das Wort „Entscheidung“ wohl nicht exakt trifft, wie Volker Spindler ausführt. Spindler ist – das muss man einschieben – nicht nur Schatzmeister beim Förderverein, sondern auch Ratsmitglied in Altleiningen und einer von zwei Vertretern der Gemeinde im Aufsichtsrat der AöR. Und bei der entscheidenden Sitzung habe es im Aufsichtsrat überhaupt keine Abstimmung zu der Frage der Bäderöffnung gegeben, sagt er.

Es gab durchaus Zweifel

Spindler bereut es, nicht darauf gepocht zu haben: „Ich ärgere mich dermaßen darüber.“ Denn es habe durchaus Vorbehalte gegen eine Bäderöffnung zu Corona-Bedingungen gegeben, auch unter den fünf Ortsbürgermeistern.

Den Zwiespalt, in dem der Förderverein und er selbst derzeit stecken, beschreibt er so: „Seit 20 Jahren sparen und schuften wir fürs Bad.“ Und dann die Öffnung zu diesen Bedingungen und mit der Aussicht auf ein noch größeres Defizit, das am Ende von der Gemeinde zu tragen sein wird? Vereinsvorsitzender Jürgen Stütz sagt: „Wir sind 100 Prozent pro Schwimmbad. Aber unter den Voraussetzungen: definitiv nein.“

Und trotzdem haben die Mitglieder des Fördervereins alles tipptopp hergerichtet. Die Liste, die Volker Spindler zusammengestellt hat, umfasst für 2020 folgende Tätigkeiten: barrierefreier Zugang zum Nichtschwimmerbecken und zur Behindertentoilette hergestellt, vier Bäume gefällt, um Platz für einen Lagercontainer für Chlor zu schaffen, 14 Kubikmeter Rindenmulch verschafft, Hecken und Sträucher geschnitten, Zäune repariert, Außenwände gefliest, den Unterboden für eine von der Sparkasse gespendete Umkleidekabine hergestellt.

Gute Unterstützung durch Firmen

9350 Euro hat der 86 Mitglieder zählende Verein für all das ausgegeben, 9400 Euro sind aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen in die Vereinskasse geflossen. Die Unterstützung der Altleininger Firmen über all die Jahre sei groß, die Unterstützung der Bevölkerung für „ihr Bad“ hingegen noch ausbaufähig, berichten die Männer.

150 Besucher dürfen sich in Corona-Zeiten gleichzeitig in der Anlage aufhalten, aber die Zahlen sind dieser Tage eher bescheiden. Jeder Einzelne wird gezählt. Der stellvertretende Vorsitzende Ralph Ringel hat dafür die Voraussetzungen geschaffen: Am Ein- und Ausgang des Bads registriert ein Personenzähler die Gäste. Die Zahlen werden auf einer Tafel am Kiosk angezeigt und sie sind in Echtzeit (allerdings sehr versteckt) auf der Internetseite der Verbandsgemeinde zu finden. An diesem Dienstag sind um 14 Uhr 30 Menschen in der Anlage.

Knapp 1900 Besucher bislang

Der bestbesuchte Tag bislang war der 4. Juli mit 205 Besuchern über den Tag verteilt, ein paar Tage später liegt der Negativrekord bei 47 Besuchern. 1862 Menschen haben das Bad zwischen der Eröffnung am 27. Juni und diesem Dienstag besucht. Zum Vergleich: An Fronleichnam 2017 waren 540 Besucher da – an einem einzigen Tag.

„Die Leute wollen das nicht mit dem ganzen Gedöns“, ist Jürgen Stütz überzeugt. Er meint die Corona-Regeln: Masken tragen, Zettel ausfüllen, auf Abstand achten, im Kreis schwimmen.

Und die, die sich davon nicht aufhalten lassen? „Die“, sagt Volker Spindler, „sind begeistert.“

Was sagen die Gäste?

„Ich bin dankbar, dass das Schwimmbad aufgemacht hat“, sagt Bettina Schulz über die Öffnung des Altleininger Freibads. Die Corona-Regeln einzuhalten, ist für die Carlsbergerin kein Problem.

„Hurra“, ruft Andane Freihöfer – natürlich freue sie sich, dass das Bad offen hat. Die 84-Jährige aus Altleiningen unterstützt das Bad seit Jahren durch einen Blumenverkauf am Sommerfest. In die Corona-Regelungen musste sie sich ein „bissl einfinden“, aber es sei kein Problem.

Andrea Mowitz betreibt seit 2017 den Kiosk im Bad. Sie sagt: „Es wäre besser gewesen, wenn nicht geöffnet worden wäre.“ Es kämen weniger Leute ins Bad, was sich natürlich auf ihren Umsatz auswirke. Da der Kiosk auch die Kartenverkaufsstelle ist, muss er geöffnet bleiben, und Mowitz vor Ort sein. Sie wolle aber nicht jammern, sagt sie. Und fügt an: „Das Schwimmbad liegt mir am Herzen.“

Ist er traurig, dass nicht mehr los ist? Ja, sagt Pascal Weiler, seit 2019 Bademeister im Burgbad. „Wir haben uns so viel Mühe gegeben, so viele Vorbereitungen getroffen. Und dann ist selbst in den Ferien der Zuspruch so verhalten.“ Sein Eindruck: „Die meisten Gäste sind unterm Strich froh, dass sie schwimmen dürfen.“

Öffnungszeiten

Altleiningen ist täglich von 9.30 bis 18.30 Uhr geöffnet. Die Karten kosten 3 Euro für Erwachsene und 2 Euro für Kinder. Das Kinderbecken ist derzeit noch gesperrt, aber eine Öffnung steht demnächst an. Die gleichen Öffnungszeiten und Preise gelten für das Freibad in Hettenleidelheim.

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