Bockenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Frankenthaler Kultband Anonyme Giddarischde erhält Preis der Emichsburg

Feierliche Übergabe in der Martinskirche: (von links) Laudotar Christoph Glogger, die Anonyme Giddarischde Joachim Kaul, Thomas
Feierliche Übergabe in der Martinskirche: (von links) Laudotar Christoph Glogger, die Anonyme Giddarischde Joachim Kaul, Thomas »Edsel« Merz, Roman Nagel, Stefan Brod, Jochen Magin und Michael Lange sowie Bockenheims Bürgermeister Gunther Bechtel.

Bei der Verleihung des Preises der Emichsburg am Sonntag an die Frankenthaler Kultband Die Anonyme Giddarischde in der Bockenheimer Martinskirche ging es recht locker zu. Die Preisverleihung, die Teil der 46. Bockenheimer Mundarttage war, war unterhaltsam und witzig. Die Preisträger hingegen zeigten sich ungewohnt still, steif und feierlich.

Ein Gottesdienst, bei dem der Pfarrer bittet „liewer God mach bidde, dass ich keen Bledsinn verzehl’“ und bei dem der Organist flotte Popsongs spielt, das ist nicht alltäglich. Ein Mundart-Gottesdienst ist traditionell Teil der Verleihung des Preises der Emichsburg. Pfarrer, die zu besonderen Anlässen im pfälzischen Dialekt predigen, gibt es einige. Paul Metzger aus Bockenheim, der Dekan des Kirchenbezirks Ludwigshafen ist, gehört zu denen, die das richtig gut machen. Selbst, wer mit Gottesdiensten und Mundart nicht so viel am Hut hat, wurde bestens unterhalten von dem, was Metzger über „Schof, Schäfer un die Herd“ zu sagen hatte. Der „gute Hirte“ war das vorgegebene Predigtthema zum sogenannten Gute-Hirten-Sonntag. Metzger erzählte, dass der Kirche die Herde davon läuft, „nur die Alde kriegschde noch, die sin nimmie so schnell“ und dass die Menschen dazu neigen „Deppe hinnerher zu laafe, vun denne mer glawwen, sie wissen wu’s langgehd“.

Bei dem Ehepaar Heike und Wieland Benß sagt eindeutig die wortgewandte Ehefrau, wo es langgeht, wie in einer amüsanten Spielszene schnell klar wurde – Wieland Benß durfte gar nichts sagen. Heike Benß hatte auch die Preisverleihung organisiert, denn sie ist Geschäftsführerin des Förderkreises Mundarttage Bockenheim. Beifall wurde bei dem Gottesdienst geklatscht, auch für die Predigt und Metzger verabschiedete sich mit einem Satz „wo ich schun immer mol sache wold“. „Paulus schrieb an die Apatschen, ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen“. Ein Zitat das von dem 2006 verstorbenen Schriftsteller, Satiriker und Comiczeichner

Robert Gernhardt stammt.

„Pfalzlied“ auf der Orgel

Timo Benß, Sohn von Heike und Wieland Benß, spielte beim Mundart-Gottesdienst und der anschließenden Preisverleihung Orgel. Er bewies dabei, dass man auf dem Instrument Popsongs und sogar die Lieder der Anonyme Giddarischde spielen kann. „Ich hätte tatsächlich nicht gedacht, dass ich das Lied mal auf der Orgel hören darf“, schwärmte Laudator Christoph Glogger, nachdem Timo Benß den wohl größten Hit der Band, das „Pfalzlied“, gespielt hatte. Der Bad Dürkheimer Bürgermeister ist Fan der Anonyme Giddarischde, spätestens seit er beim Dürkheimer Stadtfest mit der Band auf der Bühne einige Lieder auf der Gitarre spielen durfte. Gitarre spielte Glogger am Sonntag nicht, sondern er lobte die Kultband, so wie es Aufgabe eines Laudators ist. Allerdings kam Glogger dabei etwas durcheinander, weil die Blätter seiner Rede nicht in der richtigen Reihenfolge waren. Diese Panne überspielte er jedoch geschickt.

Band steht für Pfälzer Lebensart

Die Anonyme Giddarischde seien „in der Pfalz eine Institution“, so Glogger. Ihre Auftritte seien „die musikalische Verkörperung der pfälzischen Sprache“. Die Band stehe „für die Pfälzer Lebensart, für Lebensfreude, Lokalpatriotismus, Bodenständigkeit und Herzlichkeit“. „Den Anonymen ist es gelungen, das Pfälzer Lebensgefühl in Reime und Melodien zu gießen“, so Glogger weiter. Das „Pfalzlied“ der Band sei die moderne Hymne der Pfälzer“. „Die Anonyme sind Kult“, betonte der Bürgermeister.

„Selbsthilfegruppe für Gitarristen“

„Jetzt geht es nicht ganz so pathetisch“ weiter, versicherte Glogger. Er berichtete von der Entstehung der Band, die erst „eine Art Selbsthilfegruppe für Gitarristen“ gewesen sei, und ihrer Entwicklung. Die Informationen habe er von Sänger Thomas „Edsel“ Merz, gestand Glogger und berichtete weiter, dass die Bandmitglieder trotz ihres Erfolgs „sich treu geblieben“, normal und bodenständig sind. Er erzählte einige Geschichten und Anekdoten aus den 28 Jahren, die die Geschichte der Band andauert. Als Dürkheimer Bürgermeister erwähnte Glogger natürlich die enge Beziehung, die die Frankenthaler Band zur Kurstadt hat, so sind ihre Auftritte beim Literarischen Frühschoppen des Wurstmarkts und bei der Eröffnung des Stadtfestes Tradition. Der Preis der Emichsburg sei für die Band „der Oscar fürs Lebenswerk“, aber „nicht um dieses abzuschließen“, sagte Glogger. Den „Oscar“ in Form einer Urkunde, Wein und einem Briefumschlag überreichten der Bockenheimer Bürgermeister Gunther Bechtel und Heike Benß.

Erste Preis der Band

Edsel demonstriere „immer wieder, wie viel man zwischen zwei Liedern reden kann“, so Glogger. In der Martinskirche bewies Edsel, dass er das auch ohne Lieder kann. Unter anderem bedankte er sich bei den Ehefrauen und Familien, berichtete, dass der Preis der Emichsburg der erste Preis ist, den die Band bekommt. Zum Abschluss spielte Timo Benß „Lewwerworschd“, ein weiterer Hit der Anonyme Giddarischde, an der Orgel und die Besucher sangen mit.

x