Ebertsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Flöhe, Fischlein, Falter: Auf Entdeckungstour am Eisbach

Das kühle Nass des Eisbachs ist am heißen Nachmittag eine willkommene Abwechslung.
Das kühle Nass des Eisbachs ist am heißen Nachmittag eine willkommene Abwechslung.

Warum bewegt sich der Rückenschwimmer so seltsam fort? Was hat es mit der Krebspest auf sich? Und ist der niedrige Wasserstand im Ebertsheimer Renaturierungsgebiet schlimm für Tiere und Pflanzen? Solche Fragen hat der Naturschutzbund Eisenberg-Leiningerland am „Tag der Artenvielfalt“ beantwortet.

Kurz vor dem Aussichtsturm am Eisbach steht am „Tag der Artenvielfalt“ ein Zelt des Nabu, in dem Tiere und Pflanzen bestimmt werden sollen. Fachbücher, Plakate zu Vögeln, Insekten und Amphibien sowie ein Mini-Aquarium sind ebenfalls vorhanden. Die Tiere werden im Renaturierungsgebiet gefangen und nach ihrer Bestimmung gleich wieder freigelassen. Neben zahlreichen Nabu-Mitgliedern nehmen einige wenige Besucher an der Aktion teil: Mit Küchensieben und Keschern ausgestattet, untersuchen sie am Sonntag den Eisbach.

Schillerfalter
Schillerfalter

Unter ihnen befinden sich der Mertesheimer Jan Steinbrecher und seine Tochter Lea. „Sie hat viel Spaß mit dem kleinen Kescher im Wasser und auch schon einiges gefunden“, freut sich der Vater. An dem heißen Nachmittag ist das kühle Nass eine willkommene Abwechslung – und Lea steht barfuß mittendrin. „Ich habe schon Bachflohkrebse unter Steinen und zwischen Pflanzen entdeckt, ein paar sind auch direkt ins Netz gegangen“, erzählt die Achtjährige.

„Wir wissen, dass eine Menge invasive Krebsarten im Eisbach existieren, die den heimischen Flusskrebs leider vertreiben“, berichtet Anita Bastian, stellvertretende Vorsitzende des Nabu Eisenberg-Leiningerland. Eine gemeine Eigenschaft der Invasoren sei, dass sie die Krebspest auf andere Krebsarten übertragen können, selbst aber nicht daran erkrankten.

Schillerfalter und Rückenschwimmer

Zu Leas Funden gehören auch eine kleine Wasserschnecke, Libellenlarven und ein kleiner Fisch sowie ein Rückenschwimmer. Die Besonderheit dieser Wasserwanzenart ist, dass sie stets mit der Bauchseite nach oben schwimmt. „Die auffällige Schwimmposition resultiert aus dem bauchseits am Hinterleib mitgeführten Luftvorrat“, erklärt Bastian. Am Auffälligsten sind am Wasser jedoch ohne Zweifel die vielen Blauflügel-Prachtlibellen, von denen die Männchen blau, die Weibchen eher kupferfarben leuchten.

Nabu-Mitglied Gerd Turznik ist mit seiner großen Kamera einem Kleinen Schillerfalter auf der Spur, der es sich auf einem Blatt bequem gemacht hat. „Jetzt ist Ausdauer angesagt, wenn man ihn schön fotografieren will“, meint der Hobbyfotograf. Und tatsächlich: Der Falter öffnet seine Flügel. Im geschlossenen Zustand sehen die eher unscheinbar aus, geöffnet leuchten sie jedoch intensiv lila und einfach wunderschön.

Blauflüglige Prachtlibelle
Blauflüglige Prachtlibelle

Nabu-Mitglied Regina Kirschbaum aus Grünstadt steht unterdessen wie die kleine Lea barfuß mitten im Eisbach und streift mit ihrem Netz durchs Wasser, findet einige kleine Lebewesen, aber auch die verrostete Unterseite einer Dose. „Da kann man sich schlimm verletzten, wenn man, wie wir, barfuß durch den Bach watet“, meint sie.

Der Sumpfrohrsänger ist ein Melodiendieb

Von weitem hört man Wasserfrösche und auch Vogelstimmen gibt es jede Menge zu hören. „Das ist ein Sumpfrohrsänger“, weiß die Ornithologin Bastian, die erklärt: „Der Sumpfrohrsänger imitiert den Gesang anderer Vögel, beispielsweise der Meise, und baut ihn in seine Gesangsfolgen ein. Seine Imitationen sind täuschend ähnlich.“ Der Vogel, der wie der Teichrohrsänger aussieht und sich nur am Gesang unterscheidet, bevorzugt dichte Vegetation in Gewässernähe mit Brennnesselbewuchs, Mädesüß und Wasserdost. Im Gebüsch versteckt er sich und ist kaum zu entdecken. „Der Teichrohrsänger hingegen ist eine streng an Schilf und andere Röhrichte gebundene Vogelart, die für eine Lebensgemeinschaft von Tieren und Pflanzen steht, die vor allem durch Entwässerung, Uferverbauung und Eutrophierung der Gewässer bedroht ist“, weiß Bastian.

Großer Laufkäfer
Großer Laufkäfer

Beim Spaziergang entlang des Eisbachs ist zu erkennen, dass die Teiche, die bei Starkregen eine Wassermenge von 16500 Kubikmetern aufnehmen können und dadurch auch eine wichtige Rolle beim Hochwasserschutz spielen, in den Randbereichen ausgetrocknet sind. Der Grund dafür: hohe Temperaturen und der fehlende Niederschlag. „Der wechselnde Wasserstand muss nicht unbedingt nachteilig für die Tier- und Pflanzenwelt sein, nur ganz austrocknen sollten die Gewässer nicht“, bemerkt Bastian.

Froschlöffel, Wolfstrapp und Sumpf-Kratzdiestel

Es gibt auch ein Fleckchen mit mannshoch gewachsenen Brennnesseln. „Die sind die Lieblingsspeise der Schmetterlinge Weißling, Admiral und Großer und Kleiner Fuchs“, erklärt Susanne Bentz, Vorsitzende des Nabu Eisenberg-Leiningerland. Sie bestimmt gemeinsam mit Nabu-Mitglied Carolin Wazinski Pflanzen, die im Renaturierungsgebiet am Eisbach wachsen. „Wir haben unter anderem den scharfen Hahnenfuß gefunden, den Froschlöffel, den Wolfstrapp, die Hundsrose, den Wald-Ziest, den Schachtelhalm und sogar Pastinaken, Nelkenwurz und die Sumpf-Kratzdistel“, erzählt sie.

Station zur Bestimmung der Arten am Aussichtspunkt im Ebertsheimer Renaturierungsgebiet.
Station zur Bestimmung der Arten am Aussichtspunkt im Ebertsheimer Renaturierungsgebiet.

Auf dem Weg zum nächsten Teich kreuzt ein großer Laufkäfer den Weg, obwohl er einen halben Flügel verloren hat, ist er recht eilig unterwegs. Außerdem sitzen jede Menge Marienkäferlarven sauf Pflanzen herum und warten auf Blattläuse, die man durchaus als ihre Lieblingsspeise bezeichnen kann. Bentz sagt: „Beim Nabu haben wir Fachleute für Botanik, Vögel, Schmetterlinge und Amphibien, jeder weiß etwas auf seinem Spezialgebiet, wir können so voneinander lernen und dieses Wissen an Interessierte weitergeben.“

Im Netz

www.nabu-eisenberg-leiningerland.de
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