Grünstadt Firma Kisling seit 125 Jahren in Frankenthal
Dass Eisen- und Haushaltswaren im selben Schaufenster durchaus zueinanderpassen, beweist die Firma Kisling. Mit seinen 125 Jahren ist das Familienunternehmen in der Speyerer Straße eines der ältesten in Frankenthal. Es wird im Jubiläumsjahr in vierter Generation von den Schwestern Birgitta und Jutta Kisling geführt.
1892 hat Wilhelm Kisling den Eisenwarenhandel gegründet. Sein Sohn Richard, Urgroßvater der heutigen Geschäftsführerinnen, war dann Mitbegründer des Einzelhandelsverbands, erzählt Birgitta Kisling stolz. Und ihr Vater, der ebenfalls Richard heißt, habe das Geschäft nach dem Krieg gemeinsam mit seinem Bruder Manfred wieder aufgebaut. Beide stünden ihr und ihrer Schwester weiter mit Rat und Tat zur Seite, wenn es Probleme gebe. Echten Ruhestand gebe es in einem Familienunternehmen ja nicht wirklich. Die Porzellan-Abteilung sei 1969 von Hannelore Kisling aufgebaut worden, der Frau ihres Onkels Manfred. 1985 kam eine Filiale in Grünstadt dazu, die 1995 ins dortige Industriegebiet in eigene Räume zog. Ihrem Frankenthaler Standort in der Speyerer Straße ist die Firma über die ganzen 125 Jahre hinweg treu geblieben, berichtet Birgitta Kisling. Klar aufgeteilt ist das Sortiment auf die beiden Etagen. Im unteren Verkaufsraum stehen Bohrmaschinen, moderne Schließsysteme, Schrauben und Nägel zum Verkauf. Im ersten Obergeschoss, das 2008 renoviert wurde, gibt es alles für den Haushalt: Geschirr, Gläser, Kochmesser und Töpfe. Im Moment boomen die Backutensilien, erzählt Kisling. Grund seien Trends wie Naked Cakes – mehrstöckige Torten aus verschiedenen Schichten – oder das aufwendige Verzieren von Kuchen mit Fondant. Die meisten Kunden im Eisenwarenbereich kämen aus Industrie- und Großhandel. Neben Werkzeug und den Haushalts- und Küchenutensilien verkauft Kisling außerdem spezielle Dübeltechnik für Dämmmaterialien sowie Schrauben, Nägel und Stabeisen für Treppen und Gerüste. Schließtechnik sei eine ganz besondere Spezialität der Frankenthaler Firma. „Wir verkaufen Schließanlagen für Firmen, die beispielsweise per Fingerabdruck oder mit Transponder funktionieren“, sagt die Chefin. Birgitta Kisling, Jahrgang 1976, hat bei einem Porzellanhaus in Kaiserslautern Einzelhandelskauffrau gelernt und hernach zehn Jahre in Geschäften in München und Liechtenstein gearbeitet. Ihre Schwester Jutta, Jahrgang 1977, hat in Landau bei Ufer Groß- und Außenhandelskauffrau gelernt und anschließend die Kisling-Filiale in Grünstadt übernommen. Die beiden sehen ihr Unternehmen für die kommenden Jahre „ganz gut aufgestellt“, wenn die Geschäfte auch in weitaus bescheidenerem Umfang als früher liefen. In Hochzeiten habe Kisling bis zu 25 Mitarbeiter beschäftigt. Dennoch sei das Betriebsklima immer sehr familiär gewesen: Die Belegschaft habe zusammen Feste etwa zu Fasching gefeiert. Ihr Vater erzähle manchmal Geschichten, die von der netten Atmosphäre zeugen: Etwa, wie er einen Lehrling in den April geschickt habe, indem er ihn beauftragte, bei Stahlbau Geisert Gewichte für die Wasserwaage zu holen. Eine lustige Anekdote hat auch die Juniorchefin auf Lager: Als zu Beginn des großen Kochshowbooms plötzlich Kunden zuhauf ins Geschäft kamen und Starkoch Johann Lafer sehen wollten. Wie sich dann herausstellte, war die Überschrift auf Pappaufstellern mit dem Starkoch, die für eine Aktion im Geschäft werben sollten, zweideutig formuliert. Heute sind neben den Familienangehörigen noch acht Mitarbeiter beschäftigt: vier in Frankenthal, vier in Grünstadt. Die Zeit sei für den Einzelhandel nicht einfach. Aber: „Gehandwerkelt wird ja schon immer“, sagt Birgitta Kisling. Immer schwieriger sei es aber angesichts der Übermacht der Baumärkte für ein Geschäft in Citylage, nicht nur Fachleute, sondern auch Endverbraucher zu erreichen. Das gelinge eher noch in Grünstadt, wo die Filiale im Industriegebiet angesiedelt ist. Dabei verfügt auch das Frankenthaler Geschäft rückseitig über eine Zufahrt. Um sich abzuheben, setze die Firma auf Qualitätsmarken und Service. „Wir haben viele Stammkunden, die ihren Bedarf nach wie vor gerne hier kaufen und die Beratung schätzen. Und wir gelten als Spezialist, zu dem man hingeht, wenn man nicht mehr weiter weiß“, so die Geschäftsführerin.