Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Firma für Recycling investiert viele Millionen in neue Anlage

In diesen Tagen wird die Sortiermaschine aufgebaut.
In diesen Tagen wird die Sortiermaschine aufgebaut.

Seit dem Frühling wird bei der Kunststoff Recycling Grünstadt (KRG) GmbH kräftig gebaut. Die Firma will die Wiederverwertbarkeit von Plastikabfällen durch eine neue Wasch- und Sortieranlage steigern. Diese Innovation wird vom Bundesumweltministerium mit einer stattlichen Summe gefördert.

Für den Geschäftsführer des Unternehmens, Jörg Berbalk, ist die staatliche Zuwendung „schon mehr als ein tolles Signal“. Der Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger (CDU) habe ihm gesagt, dass es keinen Betrieb in seinem Wahlkreis gebe, der in den vergangenen acht Jahren eine Förderung in einer vergleichbaren Höhe erhalten habe. Aber es ist auch keine Kleinigkeit, die KRG derzeit investiert: 28,56 Millionen Euro sind veranschlagt.

Beeindruckende Maschine

Was wird mit dem vielen Geld gemacht? Es wird eine moderne Wasch- und Sortieranlage errichtet. Bislang konnte der Plastikmüll aus dem Gelben Sack nicht nach verschiedenen Kunststoffen getrennt werden. Auch nach Farben lasse sich der Abfall mit dem Grünen Punkt in herkömmlichen Maschinen nicht unterscheiden, sagt Berbalk. Das recycelte Material sei deshalb nur in Schwarz oder Grau zu haben. Es werde dann meist zur Herstellung von Rohren und Erdtanks verwendet. Für andere Produkte wie beispielsweise Verpackungen wird sortenreines Rezyklat benötigt.

Das Herzstück der neuen Anlage wird dieser Tage in einer 2400 Quadratmeter großen Halle auf dem Betriebsgelände an der Obersülzer Straße aufgebaut. Es ist eine beeindruckende Maschine. „Es ist schon etwas anderes, ob man das in der Theorie plant oder ob es plötzlich vor einem steht“, meint der 54-Jährige und deutet auf eine Grube mit etwa 60 Kubikmeter Fassungsvermögen. „Hier hinein kommt das vorsortierte Material, das uns in Ballen geliefert wird“, erläutert er. Über das Förderband, das in die Mulde hineinragt, wird das Plastik zu den Mühlen transportiert, wo es zerkleinert wird. Anschließend läuft es über ein Sieb. „Wir erreichen die beste Effizienz beim Sortieren, wenn uns gleichgroße Teile vorliegen“, so Berbalk.

Abwasser wird abtransportiert

„Da drüben kommen zwei Waschlinien für den gemahlenen Kunststoff hin“, sagt er und zeigt auf die gegenüberliegende Seite. Das meiste Wasser dafür – 50 Kubikmeter in der Stunde – wird in einem geschlossenen Kreislauf in einer Halle nebenan aufbereitet. Nur rund zehn Prozent verlässt das Werk als Abwasser. Da die Grünstadter Kläranlage die gewaltigen Mengen von etwa 120.000 Litern pro Tag nicht aufnehmen kann, wird es in zwei riesige Abwassertanks gepumpt und regelmäßig von Lkw zur BASF nach Ludwigshafen gefahren. Vor den Tanks ist ein Wendehammer für die Brummis gepflastert.

Angrenzend wurde eine 3000 Quadratmeter große Bodenplatte gegossen. Hier entsteht der Anlieferbereich für die Plastik-Ballen. In gleichmäßigen Abständen sind Löcher im Boden zu sehen. „Die sind für die Pfosten, die das Dach tragen. Das brauchen wir, um das Regenwasser getrennt vom Schmutzwasser ableiten können“, erläutert Berbalk. Das Dach wird aus Wellblech sein und sei statisch so berechnet, dass oben drauf auch eine Photovoltaikanlage installiert werden könne. Die so geschützten Kunststoffe sollen bis zu ihrer Weiterverarbeitung in Boxen an 4,60 Meter hohen Betonwänden aufbewahrt werden. Wände und Dach sind nicht miteinander verbunden, „dazwischen ist Luft“.

Personal wird fast verdreifacht

In einem weiteren neu betonierten Areal auf dem KRG-Gelände ist im ersten Bauabschnitt das Lager für post-industrielle Abfälle entstanden. „Das sind saubere Materialien aus Gewerbebetrieben, die wir vor dem Recycling nicht reiningen müssen“, sagt der Groß- und Einzelhandelskaufmann, der seit 1989 im Recyclinggeschäft ist, und nennt beispielhaft Kunststoff-Paletten, Obstkörbe und Rohre.

Für die neue Wasch- und Sortieranlage mit ihren verschiedenen Bereichen, die rund um die Uhr 24/7 im Einsatz ist, wird das Personal auf knapp das Dreifache aufgestockt. „Wir suchen 40 Mitarbeiter, vom Elektriker und Schlosser über Helfer und Staplerfahrer bis zum Schichtführer“, sagt Berbalk, der aktuell Chef von 24 Beschäftigten ist. 20 von ihnen – einschließlich dem Geschäftsführer – hatte zwischenzeitlich das Coronavirus erwischt. „Es lief alles auf Sparflamme, als wir in Quarantäne waren. Wir nahmen nur noch Material an, konnten es aber nicht weiterverarbeiten“, erzählt Berbalk.

Kräftiger Umsatzrückgang

Insgesamt habe die Pandemie dazu geführt, dass rund 15 Prozent mehr Gelbe Säcke angefallen sind, ebenso sei die Menge an Kunststoffen aus privaten Entrümpelungsaktionen gestiegen. Auf der anderen Seite gab es einen deutlichen Rückgang der Liefermengen aus Gastronomie und Gewerbe, da ja unter anderem Kantinen, Messen und Kinos geschlossen waren. 2020 hatte KRG mit knapp sechs Millionen Euro 25 bis 30 Prozent weniger Umsatz als geplant. „Im laufenden Jahr erwarten wir zwölf Millionen Euro“, sagt Berbalk und sieht sich „auf einem guten Weg“ dahin.

Der Gewinn könne allerdings geringer ausfallen als kalkuliert, da die anvisierte Investitionssumme in die neue Anlage eventuell nicht ausreicht. Grund sei das langwierige Genehmigungsverfahren über die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd, das mehr ale zwölf Monate in Anspruch nahm. Berbalk verweist auf die aktuelle Lage auf dem Weltmarkt mit Materialknappheit und Lieferengpässen. „Wir verbauen beispielsweise elf Kilometer Kupferkabel“, sagt er, „die Preise haben sich in dem Jahr verdreifacht.“

Sehr viel Papier

Elf Monate hat die Bewilligung der Vier-Millionen-Euro-Förderung gedauert, die schließlich am 1. Juni ins Haus flatterte. Die Beantragung war sehr aufwändig. Der KRG-Chef legt zwei dicke Aktenordner mit Formularen und Schriftverkehr auf den Tisch: „Man schickt eine Grobbeschreibung an das Bundesumweltamt. Wird das Projekt als zuwendungswürdig angesehen, darf der Antrag über die KfW gestellt werden. Die kompletten Unterlagen gehen erneut ans Bundesumweltamt, das dann eine Empfehlung an die KfW ausspricht und von dort geht die Angelegenheit zum Bundesumweltministerium, das die finale Förderhöhe festlegt.“

Mit dem Baufortschritt ist Berbalk zufrieden. „Wir haben uns allerdings entschieden, einen zweiten Extruder (presst Massen durch eine formgebende Öffnung, Anm. d. Red.) zu integrieren, um verschiedene Kunden effizienter bedienen zu können. Deshalb musste das geplante Blockheizkraftwerk größer ausfallen“, erklärt er. Da es jetzt eine Leistung von mehr als einem Megawatt hat, musste ein separater Antrag gestellt werden. Dieser liegt derzeit bei der SGD Süd. Berbalk hofft auf zügige Bearbeitung, denn das Kraftwerk soll im November eingeschaltet werden. Die Sortiermaschine wird schon ab 4. Oktober im Probebetrieb sein, die Waschanlage folgt um Nikolaus herum. Komplett in Aktion soll die Anlage Mitte Juni 2022 sein. „Und dann feiern wir Einweihung.“

Geschäftsführer Jörg Berbalk führt über die Baustelle.
Geschäftsführer Jörg Berbalk führt über die Baustelle.
In dieser Halle entsteht die Anlage für die Aufbereitung des Wassers, das in einem geschlossenen Kreislauf das Plastik reinigt.
In dieser Halle entsteht die Anlage für die Aufbereitung des Wassers, das in einem geschlossenen Kreislauf das Plastik reinigt.
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