Lautersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Felder in lila Pracht: Ja keine Pflanzen mitnehmen

 Ein Anziehungspunkt für Schaulustige, aber auch für Insekten: die Felder um Lautersheim.
Ein Anziehungspunkt für Schaulustige, aber auch für Insekten: die Felder um Lautersheim.

Sie sind derzeit ein spektakuläres Fotomotiv: die Felder rund um Lautersheim. Doch Vorsicht: Man sollte sich nicht dabei erwischen lassen, eine der sehenswerten Pflanzen mitgehen zu lassen. Was dahinter steckt.

Die Felder rings um Lautersheim schimmern derzeit lila und sind für viele Schaulustige ein beliebtes Fotomotiv. Für die außergewöhnlichen Farbtupfer sorgt der Schlafmohn, der dort angebaut wird. Auf einer Fläche von rund zehn Hektar baut der Lautersheimer Landwirt Mathias Baade diese bei uns in Vergessenheit geratene Kulturpflanze an. Normalerweise haben die Pflanzen eine Höhe von bis zu 1,60 Metern. In diesem Jahr jedoch sind sie gut 2 Meter hoch und haben kräftige Stiele. Offenbar komme ihnen das Wetter in dieser Periode sehr entgegen, meint der Landwirt.

Auf die Aussaat im Herbst sei ein außergewöhnlich trockener Winter gefolgt. „Das wird diesmal ein schlechtes Jahr“, habe er damals noch gedacht und ist nun nach einem relativ nassen Frühling von dem guten Ergebnis überrascht. Zwar seien pro Quadratmeter weniger Pflanzen gewachsen, doch dafür gebe es drei bis vier Fruchtkapseln an jedem Stängel. Die Blüten seien nun ein reines Schlaraffenland für Bienen und andere Insekten. „Es war vor vier Jahren genau die richtige Entscheidung, diese Pflanzen auszusäen“, stellt der Diplom-Agraringenieur rückblickend fest. Der Schlafmohn sei eine Pflanze, die offenbar gut mit den sich verändernden klimatischen Bedingungen zurechtkommt.

Beim Anbau müssen bestimmte Genehmigungen und Auflagen erfüllt werden. Schlafmohn fällt nämlich unter das Betäubungsmittelgesetz, weil die Saat Morphin enthält, wenn auch nur in geringer Menge. Die Herkunft der Saat wird streng kontrolliert und nur bei Beachtung aller Vorgaben ist die Herstellung des sogenannten „Backmohns“ möglich. Baade musste eine betäubungsrechtliche Erlaubnis nach dem Bundesbetäubungsmittelgesetz erwerben. Damit ging er überdies die Nachweispflicht ein, wofür die Pflanzen gedacht sind.

Zaungäste, die neben dem schicken Foto auch Pflanzen mitnehmen wollen, begeben sich rechtlich auf dünnes Eis. Jede unberechtigt entwendete Pflanze ist nicht einfach nur ein Diebstahl. Auch hier greift nämlich das Betäubungsmittelgesetz. Im heimischen Garten darf man die Pflanze nicht einfach so anbauen. Der Anbau muss exakt dokumentiert werden. Laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte dürfen in Deutschland ausschließlich morphinarme Sorten gepflanzt werden.

Einer von 190 Landwirten

Baade ist einer von 190 Landwirten in Deutschland, die Schlafmohn-Anbau betreiben dürfen. Sein produzierter Mohn geht ausschließlich in die Lebensmittelindustrie. Zum einen wird aus den 1 Millimeter großen schwarzen Körnern, Öl gepresst. Der größere Anteil wird jedoch als Mohn für die Backindustrie verwendet. Wenn es jetzt warm und trocken bleibt, wird die Blütenpracht in wenigen Tagen vorbei sein.

Neben seinem eigenen Betrieb mit rund 200 Hektar, ist Baade noch als Betriebsleiter bei der Palatina Agrar Gbr tätig, einem Zusammenschluss der Hofgüter Quirnheim und Heidesheim. Insgesamt betreuen er und zwei Mitarbeiter rund 550 Hektar Ackerland. Neben Zuckerrüben pflanzt er auch noch rund fünf Hektar Senf sowie 56 Hektar Erbsen an. Ein Großteil ist jedoch Getreide – darunter Weizen, Gerste und Roggen. Hiervon wird die Ernte von 80 Hektar allein für die Gewinnung von Saatgut verwendet.

Baade ist es wichtig, neue Wege zu gehen und Synergien zu nutzen. Vor allem habe sich bewährt, verschiedene Produkte anzubauen. „Das ergibt am meisten Sinn, wenn die vorhandenen technischen Geräte ohne viel Mehraufwand, eingesetzt werden können“, meinte er. Die Preise, die der Landwirt letztlich erzielt, sind für alle Produkte variabel und richten sich mehr oder weniger nach dem Weltmarkt. Man könne finanziell schlechtere Erträge durch andere Produktverkäufe ausgleichen, sagt Baade. Er besitzt auch eine kleine Hühnerfarm, von der Interessierte zweimal die Woche frische Eier von Hühnern aus Freilaufhaltung beziehen können. Dort gibt es auch Mohnöl, das man zur Verfeinerung von Speisen verwenden kann.

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