Grünstadt
Fehler bei Google Maps: Wenn das Telefon nicht mehr still steht
Wer heute nach Adresse oder Telefonnummer von Geschäften, Arztpraxen oder öffentlichen Institutionen sucht, greift nur noch selten zum Telefon- oder Branchenbuch aus Papier. Denn schneller geht’s meist digital. Schließlich zeigt der Kartendienst Google Maps nicht nur den Standort der jeweiligen Adresse an, sondern ist meist auch aktueller als ein gedrucktes Nachschlagewerk. Nicht zuletzt deswegen, weil jeder Internetnutzer Telefonnummern und Co. selbst hinzufügen kann. Genau das wurde jetzt aber einem Privatmann zum Verhängnis.
Denn wer telefonischen Kontakt zur Grünstadter Geschäftsstelle des Jobcenters suchte, wurde lange enttäuscht, wie Bernd Frietsch von der Leininger Initiative gegen Ausländerfeindlichkeit (Liga) berichtet. Eine seiner Klientinnen habe versucht, bei der Einrichtung anzurufen. Dafür habe sie Google Maps zu Rate gezogen und dort gleich zwei Einträge für die Geschäftsstelle des Jobcenters in Grünstadt gefunden. Bei der ersten handelte es sich um die ehemalige Liegenschaft in der Karl-Walter-Straße 1. Aus dieser ist das Jobcenter allerdings Ende Mai 2022 ausgezogen. Beim zweiten Eintrag mit der neuen Adresse Dieselstraße 8 in Grünstadt sei allerdings eine Handynummer angegeben. Unter dieser meldete sich leider nur ein entnervter Privatmann, der mit der Behörde überhaupt nichts am Hut habe, erzählt Frietsch.
Massenanrufe auf privater Nummer
Daraufhin habe er selbst aus Neugier die Nummer gewählt. Und tatsächlich: Der Angerufene erklärte ihm knapp, dass sein Telefon nicht mehr stillstehe. Allerdings nicht, weil man mit ihm sprechen wolle. Vielmehr suchten die Anrufer Kontakt zu jemandem vom Jobcenter. Mittlerweile hat sich der Privatmann selbst geholfen: Unter besagter Nummer springt jetzt nur noch eine Ansage an, die darüber informiert, dass der Adressat über den Anruf per SMS in Kenntnis gesetzt wird.
Ihren Kunden sei dadurch aber nicht geholfen, berichtet Sylvia David, Geschäftsführerin des Jobcenters Deutsche Weinstraße. „Da muss ein Scherzkeks am Werk gewesen sein“, versucht sie zu erklären, wie die private Nummer ins Internet gelangt ist. So könnte ja jeder bei Google Adressen oder Telefonnummern vorschlagen. Auch sie sei bereits vom Nummerneigentümer auf den Fehler im Netz angesprochen worden.
Änderungen nicht übernommen
Wirklich helfen konnte David jedoch nicht: Zwar habe sie als Geschäftsführerin ein Unternehmenskonto, um etwa Adressen, Telefonnummern oder die Öffnungszeiten zu ändern. Funktionieren würde das Prozedere aber nicht. „Ich habe schon mehrfach die Anleitung dazu befolgt und die Telefonnummer geändert“, sagt sie. Am Ende sei doch wieder die Handynummer angezeigt worden. Ähnlich verhalte es sich mit der veralteten Adresse in der Karl-Walter-Straße 1.
Dass die Änderungen nicht sofort umgesetzt werden, darauf verweist ironischerweise die offizielle Support-Website von Google nach einer kleinschrittigen Anleitung: „Damit die Informationen in Maps immer korrekt und auf dem neuesten Stand sind, überprüfen wir alle Änderungen, die Sie vornehmen. Es kann aber eine Weile dauern, bis diese auf der Karte zu sehen sind.“ Weil sich aber einfach nichts tat, arbeitete sich die Jobcenter-Chefin durch mehrere Hilfsportale, rief sogar beim Google-Support in Hamburg an. Erfolglos. „Es ist doof, dass sich Handynummern bei einer offiziellen Behörde eintragen lassen“, kritisiert David.
Digital, aber doch nicht schneller
Warum das überhaupt möglich ist, wollte eine Sprecherin von Google Deutschland auf Anfrage der RHEINPFALZ nicht verraten. Die Begründung: Grundsätzlich würde sich Google nicht zu Einzelfällen äußern. Dann tut sie es aber irgendwie doch: „Wir können mitteilen, dass der Fall geprüft und die Telefonnummer sowie die Verfügbarkeit der alten Adresse angepasst wurden.“
Der Suchmaschinen-Betreiber sei daran interessiert, Informationen korrekt und aktuell zu halten. Sollten Nutzer doch einmal auf Fehler stoßen, könnten diese mithilfe der Funktion Feedback gemeldet werden. Dafür müsse der Nutzer nicht angemeldet sein, sagt die Sprecherin.
Und tatsächlich: Bei einer erneuten Suchanfrage ist sowohl die ehemalige Adresse des Grünstadter Jobcenters in der Karl-Walter-Straße als dauerhaft geschlossen markiert als auch die Handynummer durch eine Festnetznummer ersetzt. Das dürfte Jobcenter-Kunden wie auch den Besitzer der Handynummer freuen. Auch wenn’s digital dann doch nicht ganz so schnell ging.