Grünstadt
Fünf Jahre verzögert: Busbahnhof soll jetzt barrierefrei werden
Schon 2022 sollte der öffentliche Nahverkehr in ganz Deutschland barrierefrei sein. So schreibt es das Personenbeförderungsgesetz vor. Doch die Realität sieht anders aus, auch beim Grünstadter Busbahnhof. Der muss dafür umgebaut werden, was in der Verantwortung der Kommune liegt. Obwohl die Stadt vor mehr als fünf Jahren einen frühzeitigen Start hingelegt hatte, wird es wohl noch länger dauern, allerdings kommt jetzt Bewegung in die Sache.
Erstmals Thema im Stadtrat war der barrierefreie Umbau des Grünstadter Busbahnhofs im Februar 2019. Damals stand gerade eine Sanierung der Schwerlastrinnen auf dem Plan und die Verwaltung war der Ansicht, dass sie das Vorhaben gut mit dem Schritt hin zur Barrierefreiheit verbinden könnte. Geplanter Baubeginn: noch im gleichen Jahr. Es sollte ein großes Projekt werden; die Bauabteilung wurde beauftragt, weitere Schritte mit der Kreisverwaltung abzustimmen und die Gesamtmaßnahme dann wieder vorzustellen.
Keine gemeinsame Ausführung mit der Bahn
Die Gespräche erwiesen sich dann aber nach Angaben der Verwaltung als langwierig. Da die beschädigten Schwerlastrinnen eine Gefahr darstellten, seien sie in den vergangenen Jahren teils provisorisch instandgehalten worden. Die Gesamtmaßnahme sei unterdessen auch aus Kostengründen und wegen personeller Wechsel immer weiter aufgeschoben worden. Die konkrete Planung des Projekts in Abstimmung mit Kreis, Verkehrsverbund Rhein-Neckar und Deutscher Bahn sei schließlich wieder aufgenommen worden und die Sanierung der Schwerlastrinne ist im Sommer dieses Jahres über die Bühne gegangen – ohne Umsetzung der Barrierefreiheit.
Wie die Verwaltung mitteilt, hatte sie lange Zeit die Hoffnung, bei diesem speziellen Vorhaben Synergien mit der Deutschen Bahn nutzen zu können: Diese habe nämlich ihrerseits geplant, den Bahnhaltepunkt an Gleis 1 barrierefrei auszubauen. Die endgültige Absage für eine Kooperation sei im Spätsommer eingetrudelt und das Thema daher wieder auf die Tagesordnung gesetzt worden: Der Rat wurde aufgefordert, den barrierefreien Umbau des Grünstadter Busbahnhofs unabhängig von den Schwerlastrinnen und der Deutschen Bahn abzusegnen.
Bauarbeiten könnten im Sommer 2025 beginnen
Diesmal liegt anders als 2019 eine konkrete Planung vor, also auch eine Kostenschätzung: Sie beläuft sich auf rund 225.000 Euro. Geplant ist etwa ein Leitsystem für sehbeeinträchtigte Personen: Es sollen unter anderem rund 1400 Begleitplatten und 1100 Rippenplatten verlegt werden. Dabei wird ein großer Mehraufwand erwartet, weil aufgrund von Schächten, die sich im Weg befinden, viele Platten geklebt werden müssen. Zudem sollen Schilder und Pfosten versetzt werden, um den Bereich rund um das Bahnhofsgebäude an den ersten Bahnsteig „anzubinden“, an den auch der Busbahnhof angebunden ist.
Da das Bauvorhaben schon mit der Bahn, dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar und der Kreisverwaltung abgestimmt ist, gilt es als „ausführungsreif“. Der Stadtrat hat die Verwaltung beauftragt, sich um einen Förderantrag mit vorzeitigem Maßnahmebeginn zu bemühen, sodass mit der Umsetzung gleich nach Eingang der Bewilligung begonnen werden kann, sprich: voraussichtlich in den Sommerferien 2025.
Förderung durch Land von 50 bis 90 Prozent
Die Verwaltung rechnet mit einer Förderquote von 50 bis 90 Prozent, wobei der exakte Betrag erst bei der Gewährung des Zuschusses vom Land mitgeteilt wird. Wohlgemerkt: Für den Fördertopf in Sachen barrierefreier öffentlicher Personennahverkehr lief ursprünglich mal eine Frist bis zum 31. Dezember 2021. Dass das für die Vorhaben etlicher Kommunen viel zu kurz gefasst war, ist dem Land aber offensichtlich klar: Anfang 2022 verlängerte es die Frist nach Angaben der Stadtverwaltung. Sie laufe nun bis zum 31. Dezember 2024 und das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität habe mitgeteilt, dass eine Weiterführung über diesen Stichtag hinaus geplant ist.
Das lange Warten auf den Beginn des barrierefreien Umbaus am Grünstadter Busbahnhof und das Reißen der ursprünglichen Frist führen also nicht dazu, dass der Stadt die Zuschüsse entgehen.