Kleinkarlbach / Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Ex-Banker schiebt Hüttendienst in Alpen: Sind Sie als Rentner nicht ausgelastet?

In 1500 Metern Höhe: Volker Wilhelmy hinter der Theke der Nasereit-Hütte in Südtirol.
In 1500 Metern Höhe: Volker Wilhelmy hinter der Theke der Nasereit-Hütte in Südtirol.

Als Banker schaffte es der Kleinkarlbacher Volker Wilhelmy in obere Ränge einer Grünstadter Bank, doch so richtig hochgearbeitet hat er sich erst im Ruhestand: als Hüttendienstler im Hochgebirge. Im Interview mit Christoph Hämmelmann verrät der 65-Jährige, ob ihm Zeit für eigene Touren bleibt und wie Gäste in den Alpen einen Wirt zur Weißglut bringen können.

Herr Wilhelmy, Sie klotzen immer wieder wochenlang auf Alpenhütten im Service ran. Sind Sie im Ruhestand nicht ausgelastet?
Ich habe mir vor Jahren eine Liste gemacht mit Dingen, die ich im Ruhestand noch machen will – falls ich denn noch fit genug bin. Da standen zum Beispiel Küstentouren drauf. Aber eben auch Hüttendienste in Alpenhütten.

Wie hoch sind Sie da schon hinausgekommen?
Ich war zweimal für jeweils etwa fünf Wochen auf der Nasereit-Hütte in Südtirol, die liegt auf ungefähr 1500 Metern. Und als nächstes – im September – gehe ich auf die Zufallhütte, die liegt auf etwa 2200 Metern.

Warum ausgerechnet diese beiden Hütten?
Ich hatte da schon bestimmte Kriterien: eine gewisse Höhe, und man sollte mindestens eine Stunde hinlaufen müssen. Außerdem bin ich – vorsichtig gesagt – so eine Art Hobbybergführer, ich habe daher viele Kontakte. Mit dem Wirt der Nasereit-Hütte, dem Paul, bin ich schon lange befreundet. Die Hütte liegt oberhalb von Partschiens, der Partnergemeinde von Kleinkarlbach. Und den Wirt der Zufallhütte kenne ich ebenfalls.

Mindestens eine Stunde Fußmarsch: Heißt das, die Hütten sind mit dem Auto nicht erreichbar?
Zur Nasereit-Hütte kann der Wirt mit seinem Jeep hinfahren, der hat dafür eine Ausnahmegenehmigung. Und sie wird auch mit Transportern beliefert. Zur Zufallhütte gibt’s nur einen Lastenaufzug – und den Hubschrauber.

Was müssen Sie in der Hütte dann alles machen?
Na, alles. Morgens geht es mit Putzen los, tagsüber ist man im Service oder hilft in der Küche. Der Wirt der Nasereit-Hütte hält auch Tiere: Hühner, Enten, zwei Lämmer, vier kleine Zicklein. Und der Star, das Hausschwein Rosi mit 14 Ferkeln. Ich habe also auch Schweine gefüttert.

Wie lange ist man so auf den Beinen?
Ich hatte bislang Glück und musste nie als Erster anfangen. Das heißt, ich war so ab acht Uhr im Einsatz. Dafür war abends immer Open End. Wenn einer noch ein Bier wollte, konnte das schon bis nach elf gehen.

Moment, ich kenne das so, dass ab zehn Uhr Hüttenruhe herrscht ...
Gewünscht ist das auch auf der Nasereit-Hütte, aber der Wirt ist großzügig. Er sagt: Wenn einer erst um zehn kommt, kriegt er trotzdem noch was zu Essen. Und wer um halb elf noch ein Bier bestellt, bekommt das auch.

Haben Sie sowas in der Art schon früher gemacht? Waren Sie in der Gastronomie?
Nein, ich hatte eine leitende Stellung bei der VR-Bank in Grünstadt. Jetzt haben mich Leute manchmal für den Hüttenwirt gehalten. Denen habe ich dann immer gesagt: Nein, ich bin hier der, der am wenigsten Ahnung hat.

Bleibt einem Hüttendienstler auch Zeit, um selbst Bergtouren zu machen?
Das kommt halt drauf an, wie viel los ist und wie gut die Hütte gerade mit Personal besetzt ist. Wenn’s gepasst hat, hat der Wirt der Nasereit-Hütte immer gesagt: „Schnapp dir deinen Rucksack und zieh los.“ Dann bin ich für ein paar Stunden zum nächsten Gipfel.

Erlebt man die Berge anders, als wenn man nur eine Tagestour macht oder im Hotel logiert?
Ja, aber das kann man kaum in Worte fassen. Auf der Nasereit-Hütte herrscht nachts völlige Ruhe – man hört nichts, außer dem Rauschen eines Gebirgsbachs. Und der Sternenhimmel, oder auch die Sonnenaufgänge ... Das ist einfach unbeschreiblich.

Auf Berghütten landen ja auch immer wieder Leute, die da – nun ja, vielleicht nicht so richtig hinpassen.
Solche Leute sind die Minderheit, aber es gibt sie. Da habe ich auch so meine Erlebnisse gehabt.

Nämlich?
Zur Nasereit-Hütte gehört ein Garten, der Wirt baut auf 1500 Metern Salat, Kartoffeln, Karotten an. Das Essen ist alles frisch und selbstgemacht. Wenn’s Apfelstrudel gibt, dann schälen wir eben 30 Kilo Äpfel. Außerdem gibt es sensationelle Brennnesselknödel, Schlutzkrapfen, Hüttenmaccaroni ... Und dann saß da so eine Dame aus Frankfurt, die hat behauptet, der Karottensalat wär’ doch aus dem Glas. So eine Beschwerde muss ich dann natürlich in der Küche melden. Das gab beim Wirt fast einen Wutanfall.

Wenn Sie so vom Essen schwärmen: Nehmen Sie während der Hüttenwochen eher ab oder doch eher zu?
Man ist zwar viel auf den Beinen. Aber man isst sehr unregelmäßig. Fürs Mittagessen zum Beispiel bleibt meist keine Zeit, da herrscht ja gerade der größte Betrieb. Ich esse dann oft erst am späteren Abend – und nehme so tatsächlich eher zu.

Verdient man dabei auch was?
Man hat freie Kost und Logis, auf der Nasereit-Hütte hatte ich ein wunderschönes Zimmer für mich alleine. Und man kriegt ein Taschengeld. Ich hab’ dem Wirt gesagt: Gib mir, was du denkst. Am Ende waren’s eine kleine vierstellige Summe für einen guten Monat, ich hab’s also wohl doch ganz ordentlich gemacht.

Was machen Sie mit dem Geld?
Das bringe ich dann immer ins Kinderhospiz Sterntaler in Dudenhofen, das ist so eine Art Projekt von mir.

Um Hüttendienste zu schieben, müssten Sie nicht unbedingt in die Alpen. Das ginge auch beim Pfälzerwald-Verein ...
Stimmt, aber das hat sich für mich bis jetzt noch nicht ergeben. Da hat mich noch niemand gefragt. Nur hier bei uns im Dorf, da stelle ich mich bei Veranstaltungen schon auch mal hinter die Theke.

Und was ist aus Ihren anderen Ruhestandsplänen geworden?
Die verwirkliche ich auch, ich bin viel unterwegs ... Ich bin zum Beispiel auch schon 260 Kilometer in Portugal den Fischerweg an der Küste gelaufen – und dieses Jahr von Lissabon nach Porto, das sind 450 Kilometer.

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