Grünstadt „Es ist eher ein mulmiges Gefühl“

GRÜNSTADT. Faschingszeit ist Freudenzeit. So war es zumindest in den vergangenen Jahren. Nach den Geschehnissen in Köln und den Terrorangriffen in Paris, ist die Skepsis gegenüber größeren öffentlichen Versammlungen gewachsen. Die RHEINPFALZ hat Grünstadter Passanten zu dem Thema befragt.
Sie sei bis jetzt immer auf die Fastnachtsumzüge in der Region gegangen, sagt die Einzelhandelskauffrau Heike Müller (50) aus Dackenheim. In größeren Städten wie Mainz werde sie die Umzüge in Zukunft eher meiden. Vor allem sorgt sie sich um junge Leute, die spät abends noch unterwegs sind. „Es ist nicht direkt Angst, es ist eher ein mulmiges Gefühl. Vor allem Jugendliche sollten sich nachts nicht mehr auf unbelebten Plätzen herumtreiben“, findet sie. Die Rentnerin Marianne Langenstein (68) aus Wattenheim sieht die Angelegenheit ähnlich. Vor den Ereignissen in Köln war sie oft auf großen Veranstaltungen, jetzt würde sie sie eher meiden. „Köln stößt ab“, sagt sie. „Die Frauenfastnacht werde ich dieses Jahr auf jeden Fall nicht besuchen“. Sie berichtet, dass in ihrem Ort zur Zeit verhältnismäßig viele Asylbewerber untergebracht würden, was bei den älteren Bürgern ein Gefühl der Unsicherheit hervorrufe. Ganz anders steht der 72-jährige Peter Stasiak aus Quirnheim zu dem Thema. „Für mich ändert sich dadurch nichts, ich bin sowieso kein Mensch, der sich für große Veranstaltungen interessiert.“ Ab und zu besuche er den Wurstmarkt, habe aber auch zukünftig nicht vor, dies aus Angst zu unterlassen. Die Verwaltungsangestellte Elke Mian (57) aus Grünstadt-Sausenheim hat vor, dieses Jahr Fasching zu meiden, vor allem in Großstädten. „Wir sind in Köln zur Fasnacht eingeladen, aber da bin ich eher abgeneigt, hinzugehen“, äußert sie sich zu ihren Faschingsplänen. In Großstädten bestehe ein höheres Risiko als in Kleinstädten wie Grünstadt, findet sie. Auch den Weihnachtsmarkt in Straßburg hat sie aus Angst vor Terror nicht besucht. „Es ärgert mich, wir wären gerne dort hingegangen.“ Auf Waffen wie Pfefferspray würde sie nicht zurückgreifen, dann würde sie auf die Veranstaltung lieber ganz verzichten. Von den Übergriffen will sich die 58-jährige Grünstadterin Angelika Baum, die als Reinigungskraft im Krankenhaus arbeitet, nicht beeinflussen lassen. „Natürlich gehen wir auf Fasching, obwohl es ein komisches Gefühl ist.“, sagt sie. Sie betont, dass in Grünstadt ein ebenso großes Risiko besteht wie in einer Großstadt, aber Angst sollte man deshalb nicht haben. „Man darf gar nicht darauf eingehen, sonst gewinnen die und das ist genau das, was die wollen“, so Baum. Ihrer Meinung nach darf man sich nicht zurückdrängen lassen. (Fotos: Benndorf)