Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Erster Corona-Fall im Landkreis Bad Dürkheim

Die Weinbergnächte in Bad Dürkheim finden trotzdem statt.
Die Weinbergnächte in Bad Dürkheim finden trotzdem statt. Foto: Franck

In Wachenheim gibt es einen bestätigten Corona-Fall: Eine Frau aus Wachenheim, die beruflich in Italien war, hat sich mit dem neuartigen Virus infiziert. In der Gemeinde stehen jetzt 160 Kinder und Kita-Personal unter häuslicher Quarantäne.

Die Frau, die sich mit dem Virus infiziert hat, sei bereits am 28. Februar auf Corona getestet worden, sagte Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) am Mittwochabend nach einer Sitzung beim Gesundheitsamt in Neustadt. Am Mittwochmorgen lag der positive Befund der Wachenheimerin vor. Sie habe nur milde Symptome gezeigt und sei auf dem Weg der Besserung, informierte Ihlenfeld. Die Frau, die beruflich in Italien war, steht jetzt für 14 Tage unter häuslicher Quarantäne. Alle Kontaktpersonen sind laut Mitteilung der Kreisverwaltung informiert worden. „Es besteht auch absolut kein Grund zu übertriebener Sorge. Nicht jeder Schnupfen oder Husten ist auf eine Infektion mit dem Coronavirus zurückzuführen“, betonte der Landrat . Wer bei sich allerdings eine Erkrankung mit Corona vermute und Symptome wie Husten und Fieber feststelle, solle sich mit dem Gesundheitsamt in Neustadt in Verbindung setzen.

Da das Kind der Erkrankten die Wachenheimer Kindertagesstätte Pusteblume besucht, hat das Gesundheitsamt beschlossen, diese für 14 Tage zu schließen. Alle 160 Kinder sowie die etwa 25 Erzieher müssen in den nächsten zwei Wochen zu Hause bleiben. „Das ist ein offenes System, in dem die Kinder und Erzieher über die Gruppe hinweg miteinander Kontakt haben“, begründete der Landrat den umfassenden Schritt. Wenn sich bei Kindern oder Erziehern Symptome zeigten, sollten sich diese beim Gesundheitsamt melden. Die Quarantäne gilt allerdings nicht für Eltern, Geschwister und weitere Angehörige der Kindergarten-Kinder.

Infoveranstaltung für Eltern

„Alle sollen die Ruhe bewahren“, ist die Botschaft von Wachenheims Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU). Das Gesundheitsamt arbeite die nötigen Punkte ab. Noch am Mittwochabend waren die Eltern zu einer Informationsveranstaltung mit der Leiterin des Gesundheitsamts, Silke Basenach, in der Kita zusammengekommen. Die zweiwöchige Schließung der Einrichtung sei auch dann nötig, wenn das Kind der Corona-Betroffenen gesund sei, erklärte Bechtel. Die betroffene Mutter sei in der Einrichtung gewesen, um das Kind zu bringen und abzuholen. Das Ergebnis des Kindes soll in den nächsten zwei Tagen vorliegen.

Während die Kinder zu Hause bleiben sollen, können die Eltern ganz normal arbeiten gehen. Es sei aber möglich, sich krank schreiben zu lassen, so Bürgermeister Bechtel.

Risiko abwägen

Da Kontaktpersonen akribisch ermittelt wurden, lasse sich die Verbreitung des Virus möglicherweise eindämmen, hofft Landrat Ihlenfeld. Nach aktuellem Stand seien auch Veranstaltungen wie die Dürkheimer Weinbergnächte nicht durch eine Absage gefährdet. „Im Moment besteht kein Anlass, in Richtung Katastrophenfall zu denken“, sagte der Landrat. Trotz des Corona-Falls im benachbarten Wachenheim sollen die Dürkheimer Weinbergnächte am Freitag und Samstag wie geplant stattfinden. Das hat Bürgermeister Christoph Glogger (SPD) am Mittwoch bestätigt: „Es ist eine schwierige Entscheidung, aber nach jetzigem Erkenntnisstand halten wir es für verhältnismäßig, die Veranstaltung durchzuführen.“ Die Stadt, die die Weinbergnächte veranstaltet, steht in Kontakt mit Kreisverwaltung und Gesundheitsamt.

Ein Glas pro Besucher

Sofern es kein flächendeckendes Veranstaltungsverbot durch übergeordnete Behörden gebe, würden die Weinbergnächte stattfinden, heißt es auch in einer Mitteilung der Stadtverwaltung: „Nach derzeitigem Kenntnisstand gibt es keine Anhaltspunkte der übergeordneten Behörden, die zu einer Absage der Veranstaltung führen könnten. Die Stadt als Veranstalter sowie Beschicker und Besucher sind durch die weitreichende Berichterstattung soweit sensibilisiert, dass in der Abwägung des Charakters der Weinbergnacht an deren Durchführung festgehalten wird.“

Glogger sagte, der Umgang mit dem Coronavirus sei ein „extrem wichtiges Thema“. Allerdings lasse der Charakter der Veranstaltung zu, dass die Weinbergnächte stattfinden. So bekomme jeder Besucher beispielsweise ein eigenes Glas, was das Ansteckungsrisiko verringere. Im vergangenen Jahr hatten sich an beiden Tagen etwa 16.000 Besucher auf den Rundweg durch die Weinberge begeben. Die Stadt Neustadt hatte am Dienstagabend entschieden, das Mandelblütenfest wegen der Corona-Epidemie abzusagen.

Info

Das Gesundheitsamt des Landkreises hat unter der Rufnummer 06322/961-7401 ein Infotelefon zu Fragen rund um den Coronavirus eingerichtet.

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