Grünstadt Ergreifende Messe über den gräflichen Gruften

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Von sichtlicher Vorfreude erfüllt begrüßte Dekan Stefan Kuntz am Samstagabend das Publikum in der gut gefüllten Grünstadter Martinskirche zu einem zweistündigen Konzert der Kantorei mit ausgewählten Solisten. Auf dem Programm stand Gioachino Rossini mit seiner Petite Messe solennelle. Ein Werk der Kirchenmusik, das der italienische Opernkomponist erst gegen Ende seines Lebens in seinem französischen Exil bei Paris als Auftragsarbeit für ein Grafenpaar schuf.

Über den Grabstätten der Leininger Grafen erschallten nun rund 60 Stimmen zu einem ehrwürdigen Gesang, der die Liebe Rossinis zur Sommerfrische widerspiegelte. Wie ein Windhauch zogen die Kyrie-Klänge durch den Kirchenbau. Wie von Luft getragen wirkten die Töne auch aus den Begleitinstrumenten, die Thomas Palm dem Klavier und Olga Belyaeva dem Akkordeon entlockten. Dabei sind gerade diese Instrumente nicht unbedingt für zarte Klänge geschaffen. Belyaeva, die unter anderem viel Erfahrung im WDR-Rundfunkorchester Köln sammelte, ersetzte mit ihrem Akkordeon das von Rossini vorgesehene Harmonium perfekt und verlieh dem Ganzen noch lockeres französisches Flair. Im Prelude religieux durften die beiden Instrumente als Solisten nochmals unter Beweis stellen, dass sie durchaus auch in der Kirchenmusik miteinander harmonieren. Die kräftige Bass-Bariton-Stimme des Dürkheimers Thomas Herberich, der seit mehr 30 Jahren in In- und Ausland erfolgreich konzertiert, hatte im Gloria ihr erstes Solo und war besonders durch die kontrastreiche Komposition ein Genuss. Die volle Altstimme von Ludovica Bello, Ensemblemitglied des Nationaltheaters Mannheim, stand ihm in nichts nach. Die Soli des in Neustadt geborenen Tenors Daniel Schreiber setzten einen ganz besonderen Akzent. Im Gloria hatte die Komposition Rossinis als Zeugnis seiner Zeit und seines eigentlichen Genres, der Opera buffa, nämlich einen überraschenden Hauch von populären Musikstücken der Auswanderer nach Amerika. Schreiber, rege tätig im Lied- und Oratorienfach in ganz Deutschland, gelang es wunderbar, die Idee des Meisters in sakrale Musik einzubinden. Sehr ergreifend war im Credo das Solo der Sopranistin Irmelin Sloman, deren künstlerisches Schaffen oft in Live-Mitschnitten von WDR und HR dokumentiert wird. Mit ihrem Mann Thomas Palm am Klavier gut aufeinander eingespielt, wurde Jesu Kreuzigung musikalisch beinahe plastisch. Die Sänger der Kantorei Grünstadt waren in diesem Konzert ebenso mit Leib und Seele bei der Sache und trotz der hohen Anforderung an Konzentration und Können keineswegs verkrampft. Vielmehr setzte der Anspruch des Werkes den Chor in Bewegung und er verschmolz zu einem einzigen Klangkörper. Erfreulich ist, dass in der Kantorei auch die Männerstimmen nicht zu dünn gesät sind und in ausgewogener Lautstärke mitsingen können. Die Darbietung dieses Abends in der Martinskirche war ein Ohrenschmaus für Klassikliebhaber. Denn die Kunst der Musiker besteht besonders bei diesem Werk darin, die für eine Messe ungewöhnlich klingenden Melodien in andächtiger Form zu interpretieren und die entsprechenden Gefühle zu transportieren. Dies war den Solisten und der Kantorei Grünstadt an diesem Abend außerordentlich gut gelungen, wie eine zu Tränen gerührte Zuhörerin erklärte: „Ein sehr bewegendes Konzert!“ Mit Bravo-Rufen aus dem Publikum wurde dann auch die Leiterin der Kantorei Katja Gericke-Wohnsiedler für ihre hervorragende Auswahl der Solisten und ihre Arbeit mit dem Chor belohnt, als sie am Ende ihren Blumenstrauß in Empfang nahm. Trotz des hohen Anspruchs konnte sie innerhalb eines Dreivierteljahres, unterbrochen von den Proben für das weihnachtliche Liedgut, Rossinis Werk mit der Kantorei einstudieren und in diesem Konzert selbstsicher präsentieren. Gegenüber der RHEINPFALZ gestand die Kirchenmusikdirektorin, dass dabei nicht wie oft erwartet die temperamentvollen und schnellen Stücke das Herausforderndste waren: „Am schwierigsten sind die Partien mit den leisen und langsamen Tönen.“

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