Eisenberg
Er will nach der Flucht Arzt werden – und erfüllt sich den Traum per Stipendium
Mit dem Stipendium der Ärzte für die Westpfalz studiert er seit August 2025 Medizin in Ungarn – Hussam Al Sholi aus Eisenberg lebt damit seinen Kindheitstraum. Der 21-jährige Syrer, der seit zwölf Jahren mit seiner Familie in Eisenberg lebt, hatte als einer der Besten seines Jahrgangs sein Abitur an der IGS Eisenberg gemacht und sich direkt danach beim Programm „Ärzte für die Westpfalz“ um das Stipendium beworben – erfolgreich. Inzwischen hat er seinen Lebensmittelpunkt nach Pécs in Ungarn verlegt. Neues Land, neue Stadt, alles fremd – der Anfang sei nicht einfach gewesen. Zuerst habe die Wohnungssuche angestanden. „Das läuft in Ungarn über Facebook und auf diesem Weg hatte ich mit einem Kommilitonen vor unserer Anreise bereits vier Besichtigungstermine vereinbart“, erinnert er sich.
Hindernisse in den ersten Tagen
Mit diesem Gedanken sei er angereist, doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. „In unserer ersten Nacht, die wir in einem Airbnb gebucht hatten, wurden zwei Termine abgesagt, morgens dann die beiden anderen“, erzählt er weiter und ergänzt: „Dann waren wir praktisch obdachlos, denn das Airbnb war nur für eine Nacht gebucht.“ Glücklicherweise haben die beiden Studenten dann kurzfristig über einen Makler eine kleine Wohnung gefunden, zwei Zimmer, Küche, Bad im vierten Obergeschoß ohne Fahrstuhl, die nur zehn Minuten von der Uni entfernt lag und neu renoviert war. Sie habe beiden gut gefallen. „Glück gehabt, denn um 10 Uhr an diesem Tag mussten wir das Airbnb verlassen“, so Al Sholi lachend.
Das Umrechnen der ungarischen Währung Forint in Euro habe ein wenig gedauert, klappe aber jetzt gut und auch Langos, das klassische ungarische Streetfood, stehe manchmal auf dem Speiseplan. Nach dem vierwöchigen Vorkurs zum Studium war am 1. September Vorlesungsbeginn und Al Sholi legte in einer feierlichen Zeremonie den Eidschwur ab, der ärztliches Handeln in den Dienst der Menschlichkeit stellt und der Würde, Autonomie und Gesundheit der Patienten als oberstes Gebot betont. Rund 100 bis 140 Studierende pro Jahrgang beginnen an der zweitgrößten Uni in Ungarn, viele bestehen schon das erste Semester nicht. „Das Studium ist unterteilt in die Vorlesungen und die Praktikumsgruppen sowie Seminare, beispielsweise in den Fächern Chemie, Biologie-, Bio-Physik und Präventionsmedizin“, erklärt der Medizinstudent.
Sehr hohe Durchfallquote
Für sich habe er herausgefunden, dass Lernen in der Uni besser sei als zu Hause, denn hier werden soziale Kontakte geknüpft, es gebe viele Lernräume und auch die große Bibliothek, die dafür Raum biete. Lernen nehme überhaupt einen großen Teil seiner Zeit ein, für Freizeitaktivitäten bliebe nur selten Raum. „Besonders vor den sechs Prüfungsphasen war ich nur noch an der Uni zum Lernen, manchmal auch die ganze Nacht durch“, betont er. Rund 50 Prozent der Studierenden seien jetzt schon durchgefallen. Außergewöhnlich sei das Fach Anatomie. „In einem Raum lagen zwei Übungsleichen, die mit Formaldehyd haltbar gemacht wurden und an denen wir Gelenke, Muskeln, Knochen, Bänder und den Schädel kennenlernten“, erzählt er.
Am schwierigsten seien für ihn die vorklinischen Fächer Histologie und Embryologie, die den Aufbau und die Entwicklung des Körpers untersuchen. Er sagt: „Es ist extrem viel zu lernen und besonders in den Prüfungsphasen habe ich sogar Taktiken entwickelt, wie ich am schnellstens essen kann, um möglichst schnell wieder lernen zu können.“ Am Ende habe er das Semester geschafft. „Chemie war schwierig, aber durch meinen Chemie-Leistungskurs beim Abi hatte ich gute Voraussetzungen“, meint er. Nach einer Woche Pause zu Hause in Eisenberg ist Al Sholi schon wieder zurück in Ungarn – vorübergehend. Im Sommer steht ein Pflegepraktikum in Deutschland an.