Grünstadt
Ende der kostenlosen Tests: Was machen die Grünstadter Testzentren?
Der Frust ist groß: Jene Frau aus dem Leiningerland, die am Montagvormittag vor dem Corona-Testzentrum am Grünstadter Kaufland steht, will nur mal schauen, was sie bezahlen müsste, wenn sie sich auf eine Corona-Infektion testen lassen wollte: 14,99 Euro kostet ein Antigen-Schnelltest jetzt – bis vergangene Woche waren jene Tests kostenlos für die Bürger, der Staat hat die Kosten übernommen. Für die Frau aus dem Leiningerland ist nach dem Blick auf die Preisliste klar, dass sie sich nicht testen lassen wird. Zu teuer. Sie ist nicht geimpft – und sie will sich auch in Zukunft nicht impfen lassen – jedenfalls nicht mit den bislang zugelassenen Impfstoffen. „Ich habe Angst vor der Impfung“, sagt sie.
Die Frau arbeitet als Pflegekraft. Ihr Chef habe ihr mitgeteilt, dass sie im Falle einer Quarantäne keine Lohnfortzahlung bekomme. Das sei ihr egal, sagt sie. Dann werde sie eben auf das Geld verzichten – auch wenn sie es sich eigentlich nicht leisten könne, wie sie berichtet. Und dann fügt sie an: „Dann sollen sie doch die Impfpflicht einführen.“
Das Leben für Ungeimpfte wird schwerer
Es gibt keine Impfpflicht in Deutschland. Allerdings wird das Leben für jene, die sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen, schwieriger. Einige Gaststätten lassen beispielsweise nur noch Menschen hinein, die vorweisen können, dass sie geimpft oder genesen sind. Und zum Bockenheimer Winzerfest sind nur Menschen willkommen, die sich gegen Corona haben impfen lassen oder die die Infektion hinter sich haben.
Wer für eine Veranstaltung, für einen Elternabend oder um Essen zu gehen, einen Test braucht, muss ihn seit Montag selbst bezahlen. „Da mittlerweile allen Bürgern ein Impfangebot gemacht werden kann, ist eine dauerhafte Übernahme der Kosten für alle Tests durch den Bund und damit den Steuerzahler nicht länger erforderlich“, heißt es vom Bundesgesundheitsministerium. Weiterhin kostenlos getestet werden laut Ministerium allerdings Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr, Schwangere und Stillende (bis Ende Dezember) und Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können und dies mit einem ärztlichen Attest nachweisen können.
Alle Grünstadter Anbieter machen weiter
In Grünstadt werden alle drei privaten Testzentren weiterbetrieben und auch die Schwanen-Apotheke in der Fußgängerzone bietet weiterhin Antigen-Schnelltests an. In der Apotheke finden die Tests am Vormittag statt, wer sich testen lassen will, muss – wie bislang auch – online einen Termin ausmachen. Die Anzahl der Tests sei mit der wachsenden Anzahl an Geimpften zurückgegangen, sagt Apothekerin Christine Graf – von 200 Tests täglich im Sommer auf zuletzt rund fünf bis zehn Tests pro Tag. In der Apotheke bezahlt man 13,90 Euro für einen Test.
Beim Testzentrum am Modehaus Jost kostet ein Test 14,90 Euro. Wer sich einen Monat lang jeden Tag testen lassen will, zahlt pro Test 3,99 Euro. Beim Testcontainer am Kaufland kostet ein Test 14,99 Euro, wer mehr Tests bucht, bekommt sie günstiger – das Vierer-Paket ist für 12,99 Euro zu haben, das Achter-Paket für 8,99 Euro.
Beim Testzentrum am Kino werden für einen Test 14,90 Euro fällig, eine Flatrate gibt es dort nicht. „Wir haben darüber diskutiert“, sagt Dominique Krauß vom Covid-Schnelltestzentrum, „aber wir wollen erstmal abwarten, wie das Zentrum nun genutzt wird.“ Seit Montag sind die Öffnungszeiten reduziert worden. Getestet wird nun montags bis mittwochs von 16.30 bis 19.30 Uhr, donnerstags bis sonntags zwischen 15.30 und 19.30 Uhr. Ein Termin kann über die Webseite gebucht werden, bezahlt werden könne nur mit Karte, nicht bar. Zuletzt seien die Zahlen – obwohl die Anzahl an Geimpften zugenommen habe – relativ stabil geblieben, an manchen schönen Wochenend-Tagen habe man bis zu 250 Menschen am Tag getestet, erzählt Krauß. „Unter denjenigen, die getestet werden wollten, waren viele, die eine Flugreise antreten wollen oder welche, die ins Krankenhaus oder ins Pflegeheim zu Besuchen wollten. Da merkte man schon, dass die Leute auf Nummer sicher gehen wollen.“ Es bleibe abzuwarten, ob sich die Menschen auch dann noch in solch großer Anzahl testen lassen, wenn die Tests nicht mehr kostenlos sind.
Nachgefragt
Wie ist es bei Besuchen in Heimen oder Krankenhäusern? Das Bundesgesundheitsministerium antwortet: „Besucher in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens werden vor Ort getestet, wenn das einrichtungsbezogene Testkonzept dies vorsieht. Diese Tests sind für Besucher kostenfrei. In der Regel wird keine Testbescheinigung ausgestellt. Die Kosten werden den Einrichtungen im Rahmen des einrichtungsbezogenen Testkonzepts erstattet.“