Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Eisenberg: Neuer Landweg feiert Jubiläum mit Bühnenzauber

Michael Feindler
Michael Feindler Foto: Schifferstein

35 Jahre alt ist die Kulturinitiative Neuer Landweg aus Eisenberg geworden. Gefeiert wurde am Sonntag mit vier erstaunlichen Künstlern aus dem Bereich Comedy, Kabarett und lyrischer Independent Musik. Die Mischung stimmte, das Publikum war angetan vom zauberhaften Bühnenzauber.

Wer 35 Jahre lang Kleinkunst lebt und mit Erfolg auf die Bühne bringt, der hat es einfach drauf. Das gilt in der Region im Besonderen für die Macher des Neuen Landwegs um den heutigen Vorsitzenden Michael Werner-Scheid, die am Sonntagabend anlässlich des Jubiläums zum Bühnenzauber ins evangelische Gemeindehaus nach Eisenberg eingeladen hatten. Dreieinhalb Stunden beste Unterhaltung, zusammengemixt aus unterschiedlichen Genres, geschickt aneinander gereiht, wurde geboten. Für Denker, Spaßmacher und Musikfreunde gleichermaßen ein besonders angenehmer und abwechslungsreicher Abend. Ja, so geht Jubiläum, ohne lange Reden, dafür mit dem, was der Verein am besten kann: Kultur.

Weltversteherin und Plaudertasche

Eröffnet hat die Schau Carmela De Feo alias La Signora, Plaudertasche, Männer- und Weltversteherin und zudem Moderatorin des Abends. Es war geschickt, den Bühnenzauber mit den heiteren Worten der Comedy-Frau einzuleiten, die sich als erstes darüber ausließ, wie es beim Landweg eigentlich läuft. La Signora, die im Outfit einer älteren Italienerin daherkommt, allerdings dem Sprachidiom des Ruhrpotts frönt, räumt mit dem Glauben auf, dass der Vorsitzende beim Landweg etwas zu melden habe. Sie erklärt, wie mit süßen Kaninchen (aus der Tiefkühltruhe im Supermarkt) das wirkliche, weibliche Organisationskomitee beim Verein beeindruckt werden kann, um den Job zu bekommen. Mit Selbstironie schildert sie ihre Situation auf der Bühne, beschreibt, wie es ist, auf „zwei Paletten“ eine Show abziehen zu müssen.

Das macht sie mit Theatralik, ausgezeichneter Gestik und Mimik. La Signora ist die Spaßgarantin des Abends. Sie kann sich darüber auslassen, wie es ist, wenn am Spielort Gemeindehaus ein älterer und ein jüngerer Techniker zur Verfügung gestellt werden – und sie zieht daraus ihre eigenen Schlüsse. Später beleuchtet sie das Verhältnis zwischen Mann und Frau, baut dabei ein direktes Verhältnis zur ersten Reihe auf. Die Gäste, die dort Platz genommen haben, spielt sie immer wieder an, bindet sie ins Geschehen ein, kokettiert geschickt mit den Altersunterschieden ihrer Zuschauer. Das alles verbindet sie mit einzigartigen Liedern, deren Melodien jeder kennt, deren Texte aber komplett umgeschrieben sind. Comedyfans kamen hier auf ihre Kosten.

Lahr und Hamacher als Kontrast-Programm

Dann der absolute Kontrast: Barbara Lahr und Cordula Hamacher mit der „Lyrik Lounge“. Lahr vertont Gedichte, mehrfach von Emily Dickinson, der wohl berühmtesten amerikanischen Lyrikerin oder von Mary Shelley, die mit Frankenstein ein fantastisches Werk schuf, das bis heute inspiriert und als Vorlage für viele moderne Geschichten, aber auch Horrorstreifen dient. Auch ein Werk Percy Bysshe Shelley hat Lahr vertont. Sie nutzt dafür einen Sampler, dem sie sich wiederholende Tonsequenzen einprogrammiert. Es entsteht ein elegisch anmutender Gesang, der sich auf dieser Basis entwickelt. Lahr hat die perfekte Stimme für diese Art von Musik, die schwer einzuordnen ist, am ehesten noch dem Stil von „Dead can Dance“, einem australischen Duo, das ähnliche Technik verwendet, gleicht. In die programmierten Sounds fügte Cordula Hamacher weiche, gefühlvolle Klangpassagen mit Tenorsaxophon und Altflöte ein, die genau wie die Stimme von Lahr perfekt mit den Samples verschmolzen. Zurücklehnen, sich auf die Klänge einlassen, eine halbe entspannte Stunde lang – genau das passte und brachte die nötige Abwechslung in den Bühnenzauber.

Kabarett von höchster Güteklasse

Kabarett in hoher Vollendung bot als dritter Part des Abends Michael Feindler. Er versteht es sehr geschickt, eine komplette gesellschaftliche Analyse in 30 Minuten zu packen. Dies knackig böse – teils sogar in Reimform, das gefiel. Feindler ist kein Mann, der Schenkelklopfer liefert, er ist Analytiker, einer der mit dem Skalpell der Sprache herausschneidet, worauf es tatsächlich ankommt. Es ist ein Genuss, seinen Schlussfolgerungen zu folgen, wenn er gesellschaftliche Strukturen auseinander nimmt, das Bildungsbürgertum vorführt und selbstironisch feststellt, dass er als Abiturient genauso mit Vorurteilen gegenüber den Absolventen anderer Schulformen behaftet ist, wie alle Menschen, die sich über das Einkommen und die Leistungen ihrer Eltern von Familien innerhalb der Gesellschaft definieren.

Feindler nutzt eine Gitarre, um seine bitterbösen Lieder zu untermalen. Seine Wort sind leise, hallen aber nach. Er fordert ein aufmerksames Publikum, dass sich auf seinen Sprachwitz einlässt, laute Lacher werden da nicht produziert. Vielmehr sind es die Momente, wenn fast betroffenes Schweigen durch verhaltenen Applaus abgelöst werden. Feindler kommt zu Punkt – und das ist zu jeder Zeit grandios.

La Signora
La Signora Foto: Schifferstein
Barbara Lahr und Cordula Hamacher
Barbara Lahr und Cordula Hamacher Foto: Schifferstein
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