Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Eingeschlafene Partnerschaft mit Polen soll wiederbelebt werden

 „Man muss einfach als Mensch auftreten“: Die Partnerschaft zwischen der Verbandsgemeinde Leiningerland und Lasowice Wielkie sol
»Man muss einfach als Mensch auftreten«: Die Partnerschaft zwischen der Verbandsgemeinde Leiningerland und Lasowice Wielkie soll wiederbelebt werden.

Es sind schwierige Zeiten – und trotzdem wollen die Verbandsgemeinde Leiningerland und die polnische Gemeinde Lasowice Wielkie ihre zuletzt eingeschlafene Partnerschaft wiederbeleben. Deswegen reist eine polnische Delegation zum ersten VG-Fest an.

Die Einladungskarte lag länger auf dem Schreibtisch des Bürgermeisters der polnischen Gemeinde Lasowice Wielkie, bevor dieser kurzfristig entschied: „Das ist das erste Fest der neuen Verbandsgemeinde Leiningerland. Da muss jemand hin.“ So erzählt es Krzysztof Lech, der Stellvertreter des Bürgermeisters. Er ist derjenige, der Ende der Woche knapp 1000 Kilometer zurücklegt, um den Menschen im Leiningerland beim ersten VG-Fest die Ehre zu erweisen. Begleitet wird er von Ratsmitglied Piotr Kisiel und Barbara Moch, einer ehemaligen Lehrerin, die übersetzt. Lech freut sich auf die Visite.

Er ist 55 Jahre alt und seit 15 Jahren stellvertretender Bürgermeister von Lasowice Wielkie, einer 6800 Einwohner zählenden Gemeinde in Schlesien, mit der die Verbandsgemeinde Grünstadt-Land 2006 eine Partnerschaft begründete. Der stellvertretende Bürgermeister ist langjähriger Freund dieses Austauschs, war mehrmals bei Besuchen in der Pfalz dabei, vergangenes Jahr war er privat in Bockenheim – und hat dabei spontan in der VG-Verwaltung vorbeigeschaut, um Hallo zu sagen. Leider sei Bürgermeister Frank Rüttger in Urlaub gewesen.

Eigentlich hatte der 55-Jährige für Donnerstag eine Karte für die Volleyball-Weltmeisterschaft der Männer, Polen gegen die USA, Viertelfinale in Gliwice. „Die habe ich abgegeben, damit ich nach Deutschland zum Fest fahren kann“, sagt Volleyball-Fan Lech. Denn es sei ihm ein Anliegen, die zuletzt eingeschlafene Partnerschaft wieder mit Leben zu füllen. Außerdem freue er sich, die Verantwortlichen der neuen VG Leiningerland kennenlernen zu können.

Freude über erstes Treffen

Auch Bürgermeister Frank Rüttger (CDU) ist zufrieden, dass die polnische Delegation zum Fest in Altleiningen kommt. „Mich freut es, dass nun ein persönliches Treffen stattfindet und dass wir bei dieser Gelegenheit ausloten können, wie wir die Partnerschaft gestalten können“, sagt er. Die Resonanz auf Weihnachtsschreiben aus Deutschland sei in den Jahren zuvor nämlich eher verhalten gewesen. Nach einer Kennenlernphase schwebt ihm für die Zukunft eine Partnerschaft von unten vor: „Es geht weniger darum, dass Bürgermeister und Beigeordnete sich austauschen. Sinn und Zweck einer Partnerschaft ist nicht nur, dass sie politisch gewollt ist, sondern vor allem, dass sie von der Jugend auch gelebt wird“, findet er.

Nicht nur die Partnerschaft zwischen dem Leiningerland und Lasowice Wielkie, auch die zwischen den Kreisen Bad Dürkheim und Kluczbork sei zuletzt „mehr oder weniger eingeschlafen“, berichtet Rüttger. Ob das mit personellen Veränderungen zusammenhänge oder ob die „große Politik“ zwischen Warschau und Berlin ein Rolle spiele, könne er nicht beurteilen. Rüttger würde das Ganze aber nicht überbewerten: „Wir haben nicht den Eindruck, dass da ein grundlegendes Umdenken stattfindet.“

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Stimmung zwischen Deutschland und Polen schon einmal besser war. Die derzeitge PiS-Regierung in Warschau schürt immer wieder antideutsche Ressentiments: Polen forderte zuletzt von Deutschland Reparationen für im Zweiten Weltkrieg erlittene Schäden in Höhe von umgerechnet 1,3 Billionen Euro. Die Bundesregierung sieht keine rechtliche Grundlage dafür und argumentiert damit, dass die kommunistische polnische Führung 1953 ihren Verzicht auf deutsche Reparationen erklärt hatte.

Begegnung von Mensch zu Mensch

Rüttger sagt angesichts dieser und weiterer Debatten zwischen Deutschland und Polen: „Umso mehr ist es erforderlich, das wir das gegenseitige Verständnis über Grenzen hinweg fördern.“ Bei diesem Austausch gehe es um Völkerverständigung im ganz praktischen Sinn: „Da muss man einfach als Mensch auftreten, Kontakte suchen und pflegen.“

Denn eines muss man sagen: Egal ob in Lasowice Wielkie oder im Leiningerland – die Probleme sind ähnlich. Krzysztof Lech berichtet von Covid, dem Preisanstieg bei Lebensmitteln und natürlich vom Krieg in der Ukraine, der die Menschen in seiner 13 Ortschaften zählenden Gemeinde sehr beschäftige. Die Gemeinden habe fast 100 Mütter und Kinder aus dem Nachbarland aufgenommen und kümmere sich um sie. Man könne das alles meistern, sagt Lech. Trotzdem habe man sich sehr über den Anruf aus dem Leiningerland gefreut: Gefragt wurde, ob die polnische Gemeinde bei der Versorgung der ukrainischen Flüchtlinge Unterstützung benötige. Lech sagt: „Das war sehr sympathisch, eine schöne Geste.“

Zur Sache

2006 wurde die Partnerschaft zwischen der VG Grünstadt-Land und Lasowice Wielkie offiziell begründet, Kontakte gab es seit 2001. Die Gemeinde liegt im Kreis Kluczbork (Woiwodschaft Oppeln), dem Partnerkreis von Bad Dürkheim. Bis 2016 fanden regelmäßige Begegnungen zwischen Vertretern der Verwaltungen, Ratsmitgliedern und Feuerwehrangehörigen statt. Das letzte Treffen war 2017, als Jugendliche in die Pfalz kamen. Neben Bürgermeister Frank Rüttger und Altleiningens Ortsbürgermeister Gunther Schneider wird auch Krzysztof Lech am Samstag, 11 Uhr, bei der Eröffnung des Verbandsgemeindefestes auf dem Bahnhofsplatz in Altleiningen reden. Lech wird überdies um 17 Uhr bei der Verleihung des Ehrenamtspreises ein Grußwort sprechen.

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