Grünstadt Eine Kostbarkeit aus Boßweiler

Nach seinem Herkunftsort Boßweiler, dem Ortsteil von Quirnheim, benannt ist ein Altar, der in Speyer sowohl beim Bistum als auch bei der Stadtverwaltung im Gespräch ist. Er steht in der ehemaligen Konviktskirche St. Ludwig. Doch das große Grundstück samt Gebäuden des ehemaligen bischöflichen Konvikts und Priesterseminars verkauft werden soll.
Noch ist nicht entschieden, was dann mit dem Gotteshaus und dem als Kostbarkeit geltenden Altar geschehen wird. Bei dem Flügelaltar mit Darstellungen der Weihnachtsgeschichte und einem ebenfalls die Kirche schmückenden Wirkteppich handele es sich um „zwei bedeutende pfälzische Kunstwerke der Spätgotik“. Zu ihrer beider Herkunft lieferte der verstorbene Speyerer Kunsthistoriker Clemens Jöckle ein interessantes Szenario. Der Teppich – der Fachbegriff lautet „Antependium“, er ist ein vor oder an den Seiten eines Altarunterbaus angebrachter reich verzierter Stoffvorhang – stammt aus Zeit von 1480/90. Er zeigt eine von Engeln und Heiligen umgebene Gottvater-Pietà und Wappen der Familie Geisenberg. Die lebte nahe Basel. Ein in dem Speyerer Dominikanerkonvent eingetretenes Familienmitglied hat den Teppich vermutlich gestiftet. Etwa genauso alt ist der Boßweiler-Altar. Als Bischof Nikolaus von Weis 1860 die Pfarrei des damals selbstständigen Dorfes Boßweiler besuchte (Visitation), entdeckte der ihn begleitende Domkapitular Wilhelm Molitor zwei unbeachtet herumstehende, stark verschmutzte Holztafeln. Molitor nahm sie mit nach Speyer, reinigte sie und legte dabei die Altarbilder frei. Er ließ sie auf eigene Kosten restaurieren und sie in der Katharinenkapelle des Doms aufstellen. Dort waren sie gut 100 Jahre untergebracht, begannen aber unter Feuchtigkeit zu leiden. 1961 kam der Boßweiler-Altar in die klimatisch besser geeignete Seminarkirche St. Ludwig.Der mittlere Altarteil stellt die Verkündigung an Maria vor, der linke Flügel die Geburt Christi, der rechte Flügel die Heiligen Drei Könige bei der Anbetung. Nach Clemens Jöckles Erkenntnissen handelte es sich bei dem unbekannt gebliebenen Künstler um einen reisenden Meister ohne eigene Werkstatt, „der Anregungen aus dem oberdeutschen und flämisch-niederländischen Raum verarbeitete“. Die Altardarstellungen entstanden zwischen 1480 und 1490. Der Auftrag dazu kam möglicherweise aus dem Kloster Rosenthal, die Tafeln kamen nach der Aufhebung des Klosters ins nahe Boßweiler. (wk)