Grünstadt Ein Wiederhören mit Plamena Nikitassova
Kammermusik der Barockzeit: Sinfonien, Sonaten und Canzonen vornehmlich italienischer, hier und heute nur wenig bekannter Komponisten wie Buonamente, Mealli, Scarani, Falconiero, Frescobaldi oder Merula. Im Trio, zu zweit oder allein gespielt. Das alles bringt der Kirchheimer Konzertwinter am kommenden Sonntag, 4. Februar, 17 Uhr, in die protestantische Kirche.
„Musikalische Freuden des 17. Jahrhunderts“ verspricht der Konzerttitel. Serviert werden sie vom „Hexenmeister der Blockflöte“, Maurice Steger. Intensive Tongebung, überragende Technik und mitreißende Spielfreude kennzeichnen sein Spiel. Zu ihm gesellt sich Plamena Nikitassova an der Barockvioline, die im Oktober 2015 mit einem Cembalisten zusammen Musik derselben Epoche in Kirchheim schon einmal so fein, so belebt und federnd-duftig gespielt hat, dass eine Besucherin hingerissen ausrief: „So muss man im Himmel musizieren!“ Am Cembalo: Francesco Corti. Auch diese exzellenten Kammermusiker wissen, wie die Musik jener Jahre, in denen sich die später lange gültigen musikalischen Gattungen auszuformen begannen, lebendig und verständlich zu phrasieren ist. Echo-Klassik-Preisträger Maurice Steger fasziniert durch sehr persönliche, gleichsam spontane, technisch brillante Spielweise. Geboren im schweizerischen Winterthur, hat sich der Flötist schon in Jugendjahren Alter Musik in historischer Aufführungspraxis gewidmet und dabei manches vergessene Musikstück aus den Archiven gezogen. Steger agiert mittlerweile weltweit als Dirigent und leitet seit 2013 die Gstaad Baroque Academy. Plamena Nikitassova ist sowohl mit modernen als auch historischen Spielweisen ihres Instrumentes, der Violine, gleichermaßen vertraut. Mit traumwandlerisch sicherer Technik agiert sie stilistisch äußerst differenziert und beeindruckt immer wieder aufs Neue mit ihren Interpretationen, vor allem der Werke des 17. und 18. Jahrhunderts. Das nahezu vibratolose Spiel, das Plamena Nikitassova historisch korrekt, aber gegen die Praxis des 20. Jahrhunderts anwendet, gibt dieser Musik eine durchscheinende Fragilität, eine ganz feine Mannigfaltigkeit, die nie ermüdet. Schwerelos-glänzendes, hochvirtuoses Spiel von herrlicher Leichtigkeit und kaum überbietbarer Verinnerlichung, dessen entwaffnende Schönheit mit Worten kaum zu fassen ist, war 2015 beim Konzertwinter zu erleben. Wer dabei war, wird es kaum vergessen haben. Die Bulgarin studierte zunächst moderne Violine an der Musikhochschule Genf bei Margarita Karafilova Piguet, absolvierte dort 1999 ihr Solistendiplom mit Auszeichnung und widmete sie sich dann intensiver Konzerttätigkeit im Sektor des romantischen und zeitgenössischen Repertoires, bevor sie sich der Alten Musik zuwandte. Plamena Nikitassova war 2013 bis 2017 als Konzertmeisterin des Orchesters der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen tätig. Sie spielt eine Geige von Sebastian Klotz (Mittenwald 1720-1750). Francesco Corti, Professor für historische Tasteninstrumente an der Schola Cantorum Basiliensis und Gewinner des Bachwettbewerbs Leipzig 2006, gilt als vielseitiger, stilsicherer und virtuoser Musiker. Er studierte Orgel in Perugia, Cembalo in Genf und Amsterdam. Als Solist trat er weltweit in bedeutenden Konzertsälen wie der Salle Pleyel in Paris, dem Konzerthaus in Wien, dem Mozarteum in Salzburg oder dem Concertgebouw in Amsterdam auf. Solo eingespielt hat er Musik von Louis Couperin und die Partiten von J.S. Bach. Francesco Corti tritt regelmäßig auch als Dirigent in Erscheinung. termin „Musikalische Freuden des 17. Jahrhunderts“ am kommenden Sonntag, 4. Februar, 17 Uhr, in Kirchheim, protestantische Kirche. Der Eintritt ist frei, am Ausgang Kollekte.