Grünstadt Ein „Leo“ verhindert den Sieg der „Keiler“

Kopfballduell: Der Kerzenheimer Sefa Muratoglu (links) gegen Jan Zimmer vom TuS Ramsen.
Kopfballduell: Der Kerzenheimer Sefa Muratoglu (links) gegen Jan Zimmer vom TuS Ramsen.

So bot die Begegnung des Tabellenachten gegen den Spitzenreiter insgesamt 102 Spielminuten (den vielen Verletzungs- und Spielunterbrechungen nach Nickligkeiten geschuldet), drei tolle Tore, einen verwandelten Strafstoß, acht gelbe und drei gelb-rote Karten. Und dann gab’s sogar noch den unter Fußballern wohlbekannten „Leo“ – der Schiri ahndete den Ruf und verhinderte so den Dreier für die Ramser. Am Ende stand also ein leistungsgerechtes 2:2 – mit dem die Kerzenheimer sehr gut leben können, die Ramser weniger. Der Verfolger aus Gauersheim hat sein Spiel gegen die SG Steinbach/Börrstadt in letzter Minute mit 2:1 gewonnen, und liegt nun nur noch einen Punkt hinter dem TuS in Lauerstellung. In den ersten Minuten des Spiels konnte keiner ahnen, welche Intensität das Spiel in seinem Verlauf doch noch entwickeln sollte. Zunächst war vorsichtiges Abtasten von beiden Seiten angesagt. Schließlich übernahm Kerzenheim die Initiative, da der Favorit aus Ramsen keine Anstalten unternahm, das Tempo zu forcieren. Folgerichtig kamen die TSGler dann auch zu Tormöglichkeiten. Ein Freistoß von Daniel Fattler landete knapp neben dem Pfosten und sein Weitschuss in den Händen von TuS-Keeper Michael Hahn (10., 14. Minute). Kerzenheim machte weiter Druck, in der 22. Minute war Ramazan Andi nach einer Unsicherheit von Hahn noch zu überrascht, um einzunetzen. Vom Tabellenführer dagegen herrschte weiter Funkstille. Der langsame Spielaufbau desTabellenführers stellte keine Probleme für die Kerzenheimer Defensivabteilung dar. Die „Eidechsen“ dagegen blieben dran: Tanil Güder nutzte in Minute 33 eine Nachlässigkeit im Spielaufbau der Gäste, schnappte sich das Leder, düpierte fast die komplette Abwehr und ließ mit einem satten Schuss Hahn keine Abwehrmöglichkeit – 1:0. Das war auch der Weckruf für die „Keiler“. Die Ramser legten ihre bisherige Lethargie ab. Schon in der 35. Minute hatte Kerzenheims Sefa Muratoglu Glück, als er den durchbrechenden Jan Zimmer nur mit einer Textilbremse stoppen konnte und hierfür nur den gelben Karton sah. Der folgende Freistoß brachte nichts ein. Gefährlicher war da schon der nächste Freistoß (40.). Ramsens Alexander Brechner stellte Kerzenheims Torhüter Jannik Braun vor Probleme, er konnte den Knaller nicht festhalten – Michael Bechtold konnte den Abpraller aber nicht im Gehäuse unterbringen. Unverhofft kommt oft und Ramsen in der 42. Minute zum schmeichelhaften Ausgleich: Bechtold behauptete im 16er den Ball, Kevin Koch grätschte ihn unnötigerweise an der äußeren Strafraumlinie um. Den fälligen Strafstoß verwandelte Zimmer sicher zum 1:1-Halbzeitstand. Der Tabellenprimus kam dann mit einer ganz anderen Einstellung aus der Kabine. Die Ramser agierten druckvoller und übernahmen immer mehr Initiative. Dies bewies Brechner, als er mit einem energischen Solo und knallhartem Abschluss zur 1:2-Führung (59.) erzielte. Spätestens ab dann wurde es ein echtes Derby. Die Nickligkeiten und kleineren Fouls nahmen zu. Ramsens Max Spies kassierte die erste gelb-rote Karte (63.). Kerzenheim wurde nun in Überzahl wieder aktiver, Ramsen war durch Kontermöglichkeiten aber gefährlicher. So vergab Bechtold in der 73. Minute freistehend eine Kopfballchance. Anschließend ging das Kartenfestival in die nächste Runde. Nach Rudelbildung hatte Ramsens Maurice Luprian viel Glück mit „gelb“; Kerzenheims Muratoglu sah gelb/rot (75.). Zwei Minuten später flog Brechner mit Ampelkarte vom Platz, als er mit einer offensichtlichen Fehlentscheidung des Schiedsrichters nicht einverstanden war. Verständlich zwar – aber wenn man schon den gelben Karton gesehen hat ... In der 82. Minute dann die entscheidende und kurioseste Szene. Bechtold hämmert den Ball nach einem Eckstoß freistehend volley ins Tor – 1:3. Euphorischer Jubel bei den Gästen, wär’ dies doch sicher die Vorentscheidung gewesen. Doch Schiri Mustafa Dumazalp machte den Ramsern einen Strich durch die Siegesrechnung: statt Siegtreffer - indirekter Freistoß für Kerzenheim. Zunächst Unverständnis auf allen Seiten, doch hatte Dumazalp vor der Ballabnahme von Bechtold den „Leo“, gehört. Und da Kerzenheimer Spieler in seiner unmittelbaren Umgebung standen, bewertete der Referee dies als Unsportlichkeit und es gab Freistoß für Kerzenheim. Zu allem Überfluss verletzte sich Bechtold bei der Aktion und musste vom Feld. Die TSG drückte weiter. In der 90. Minute bekamen die Kerzenheimer dann – einen etwas zweifelhaften – Freistoß in aussichtsreicher Position. Andi legte sich die Kugel 20 Meter vor dem Tor zurecht und zirkelte den Ball doch tatsächlich in die Maschen – der verdiente Ausgleich. Kerzenheims Coach Thorsten Schneider sprach von einem gerechten Ergebnis in einer Begegnung auf Augenhöhe und einer super Mannschaftsleistung seiner Elf. Michael Bechtold bemängelte die schwache Leistung seiner Truppe im ersten Spielabschnitt, erkannte aber auch die Leistungssteigerung in Hälfte zwei an: „insgesamt aber ein gerechtes Ergebnis“. So spielten sie TSG Kerzenheim: Braun - Mirschberger,Wühl,Scholz, Muratoglu - Güder, Fattler, Oezcan, Koch(46. Hofmann), Andi (90. Wenz),Goerg TuS Ramsen: Hahn - Spies, Emig, Heilmann,Luprian - Cibikci (77. Schwallie),Reinwald, Zimmer, Brunnet - Brechner,Bechtold(85. Scholler)

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