Grünstadt Ein ideales Duo

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Wunderschön entspannend, ungemein kunstvoll und durchaus herzerwärmend waren am Samstagabend die melancholischen Balladen, welche die gitarrenspielende Sängerin Barbara Lahr und der Gitarrist Bernhard Sperrfechter beim traditionellen Christmas Groove des Eisenberger Kleinkunstvereins Neuer Landweg einem am Ende wohlig zufriedenen Publikum boten.

Einigermaßen irreführend und allenfalls als Ausdruck grimmiger Ironie zu begreifen war der Titel des Programms, „Eine Kuh singt Cowboylieder“, der dem Abend nach Meinung einiger Zuhörer etliche Besucher gekostet haben könnte. „Von Country Music keine Spur“, stellte auch Landweg-Chef Michael Werner-Scheid zur Pause in der lapidaren Kürze fest, die man von ihm kennt. Allenfalls erinnerte der leicht blechern eingeregelte Elektro-Sound an alte Hillbilly-Gitarren. Was geboten wurde, waren zumeist eigene, englischsprachige Titel von Barbara Lahr – die schon vor über 25 Jahren als Frontfrau von Sanfte Liebe beim Open-Wald-Festival des Neuen Landwegs zu Gast war – alle auf die musikalische Essenz reduziert und mit packender Intensität und Kunstfertigkeit sowohl gesungen als auch von beiden Künstlern auf der Gitarre begleitet. Es sind zunächst leise, besinnliche Lieder, die Barbara Lahr vorzüglich singt: ganz zurückgenommen, im Piano, ganz nah am Mikrofon, tonrein, lakonisch, in den Spitzentönen stark – so macht sie den verhalten-melancholischen Gehalt dieser Songs plausibel. Ein dunkler, hochartifizieller chansonhafter Walzer mit filigraner Gitarrenbegleitung findet besonders viel Beifall. Es gibt auch ein Lied des Mannheimer Songwriters Leroy Hartmann, oder – das ist wohl das Cowboylied – ein geradezu rührend vorgetragenes Gebet: „Help me“ von Johnny Cash, oder „ausnahmsweise in Deutsch, damit die Ansagen nicht so alleine bleiben“ Hugo Wieners uraltes hintersinniges Chanson „Der Novak lässt mich nicht verkommen“. Ein andermal vereinigt Barbara Lahr sich mit Sperrfechter zu sparsamem, zartem Zwiegesang, bringt einen Song aus ihrer De-Phazz-Zeit, widmet ein wunderbar sehnsüchtiges, träumerisches Lied über grünes, grünes Gras dem Dezember. Oder sie singt, diesmal sehr verhalten, jenen schon von früheren Vorweihnachtsauftritten im stimmungsvollen Ebertsheimer Gewölbe bekannten schwungvollen Song, in dessen Refrain sich alle lateinamerikanischen Standardtänze munter tummeln. Lahr und Sperrfechter sind sich mit ihren Gitarren so phänomenal einig, als musizierte da ein Einziger, und es ist hinreißend, wie gut Barbara Lahr singt, wie viele unterschiedliche Timbres, die sie ohne Mühe ineinander übergehen lässt, ihr zu Gebote stehen, wie sie selbst im fast geflüsterten Piano den Ton so zu stützen weiß, dass er rein bleibt und nicht zum Geräusch wird. Und es ist vor allem hinreißend, wie konzentriert und in die Musik versunken, zuweilen geradezu selbstvergessen innig sie vorträgt. Was Sperrfechter dazu spielt, hat nichts von bloßer Applikation vorgefertigter Motive und Elemente, es ist ganz aus der Grundlinie des Songs entwickelt oder ihm fantasievoll kontrapunktisch entgegengesetzt. Da gibt es keinen Leerlauf, keine mechanischen Wiederholungen; fast immer passiert etwas, das den Hörer zu fesseln weiß. Klar, Jazz, Rock, Pop, lateinamerikanische Tanzmusik, Chanson liefern das Material, aber die Summe wirkt immer organisch und eigen. Kurz und gut: Was Barbara Lahr und Bernhard Sperrfechter bieten, kann man kaum genug loben: Im Grunde ist es die Fortsetzung der künstlerisch anspruchsvollen klassischen Liedtradition in kunstvoller zeitgemäßer Musiksprache. Das Publikum, welches den Gewölbesaal der Papierfabrik gut aus-, aber nicht überfüllte, war äußerst aufmerksam, ließ sich ganz hineinfallen und applaudierte überaus herzlich.

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