Grünstadt Ein fünffaches stacheliges Wunder

Grünstadt. Als ein „fünffaches Wunder in unserem Garten“ bezeichnen Waltraud und Dieter Bickert aus Grünstadt ihren tierischen Nachwuchs. Im Igelhaus säugt derzeit eine Igelmama fünf Igeljungen. Die sind nur ein paar Zentimeter groß und dürften mittlerweile drei Wochen alt sein. Frühestens zwei Wochen nach der Geburt öffnen sie ihre Augen.
Seit zwölf Jahren ist das 40 mal 40 Zentimeter große Igelhaus mit Ein- und Ausgang an einem schattigen Plätzchen im idyllischen Garten der Familie Bickert bewohnt. Ob es sich immer um dieselben stacheligen Gesellen handelt, ist ungewiss. Gewöhnt hat sich die Familie längst an die Insekten vertilgenden putzigen Garten-Mitbewohner, die ab Juli, jeweils zwischen 21 und 22 Uhr, auf dem Gelände aktiv werden. „Jetzt haben wir zum ersten Mal Junge im Häuschen – gleich fünf an der Zahl“, freut sich Waltraud Bickert. Die naturverbundene Hobbygärtnerin glaubt sogar, das Paarungs-Vorspiel, das immer vom Männchen ausgeht, mitbekommen zu haben. Das abendliche Balzritual mit laut schnaubend-schnüffelnden Geräuschen sei unüberhörbar gewesen. Das war vor etwa acht Wochen. Jetzt kann sich das wunderbare prächtige Ergebnis sehen lassen. Während sich das Männchen längst aus dem Staub machte – es spielt bei der Jungenaufzucht generell keine Rolle mehr –, ist „Frauchen“ allzeit zum Säugen bereit. Zur zusätzlichen Stärkung für das weiterhin in der Dämmerung auf Nahrungssuche gehende Muttertier bereichert Waltraud Bickert das fertige Igelfutter mit gekochtem Eidotter, Erdnuss- und Bananenstückchen. Wie fleißig die Weibchen sind, zeigte sich einmal mehr daran, dass die Igelmutter kurz vor der Niederkunft fürsorglich das Nest weich und bequem ausstattete. „Innerhalb einer Nacht hat sie für den bevorstehenden Nachwuchs das gesamte Häuschen mit Gräsern, Löwenzahn- und Sonnenblumenblättern aufwendig ausgepolstert“, haben die Bickerts beobachtet. Bereits nach einer Woche dunkeln bei den Jungen die anfangs weißen Stacheln nach. Nach etwa zwei Wochen wird auch die zunächst rosafarbene Bauchhaut allmählich dunkler. Im Alter von etwa vier Wochen begleiten die Jungen ihre Mutter auf den nächtlichen Nahrungsstreifzügen nahe des Wohnnestes. Wenige Wochen später versuchen sie es selbst. In diesem Stadium wiegen die Jungtiere etwa 250 Gramm, was dem Zehnfachen ihres Geburtsgewichtes entspricht. „Igel-Oma“ Waltraud Bickert, wie sie sich selbst bezeichnet, will im Garten noch kleine Kost- und Logis-Igelunterkünfte in geschützten Lagen einrichten. „Weil die Jungtiere etwas spät dran sind.“ Die kalte Jahreszeit für den Winterschlaf könnte ja früher kommen als gedacht. Die kleine Fotokamera von Familie Bickert liegt immer auf dem Gartentisch bereit. Schließlich soll der demnächst erwartete erste Ausflug der Igel-Mutter und ihren fünf Jungen im Bild festgehalten werden. (gsp)