Grünstadt Eher verhalten

170 SPD-Mitglieder aus Grünstadt und 500 Genossen aus der Verbandsgemeinde Leiningerland können mitbestimmen, ob es in Deutschland zu einer Großen Koalition kommt. Wir haben eine Vertreterin der Grünstadter SPD und einen Vertreter der Genossen im Leiningerland gefragt, wie sie die Stimmung einschätzen.
Sprechen sich die mehr als 400.000 SPD-Parteimitglieder für oder gegen eine Wiederauflage der Großen Koalition aus? Eine Einschätzung, wie die Abstimmung der SPD-Mitglieder im Bund ausfallen wird, wollen weder Heike Mrosek-Handwerk aus Grünstadt, noch Reinhold Niederhöfer aus Kleinkarlbach geben – zu offen sei der Ausgang. Heike Mrosek-Handwerk ist Fraktionsvorsitzende der SPD im Grünstadter Stadtrat und war 2013 Bundestagskandidatin für den Wahlkreis Speyer-Neustadt. Eine Neuauflage der Großen Koalition sieht sie skeptisch. Nicht etwa, weil die SPD den Koalitionsvertrag schlecht verhandelt hätte, sondern aus einem „globaleren“ Gedenken heraus, wie sie sagt: „Die Bevölkerung muss sich entscheiden können zwischen Blöcken.“ Ihrer Ansicht nach dürfe es nicht so sein, dass der Wähler nur noch die Wahl habe zwischen CDU-CSU-SPD auf der einen und der AfD auf der anderen Seite: „Der Bürger sieht keinen Unterschied mehr. Ich finde es schlecht, wenn jemand, der sich anders entscheiden will, sagt: ,Ich muss zur AfD gehen.’“ Sie fasst die Haltung, die sie auch bei den Kollegen in der Fraktion ausgemacht hat, so zusammen: „Wir sehen, dass die Groko nicht auf Dauer sinnvoll ist für die Politik.“ Reinhold Niederhöfer, Beigeordneter der Verbandsgemeinde Leiningerland, sagt, „gefühlsmäßig“ habe er in seinem Ortsverein, zu dem Kleinkarlbach, Kirchheim, Neuleiningen und Battenberg gehören, mehr Groko-Gegner als Befürworter getroffen. Er selbst will nicht sagen, wie er bei der Mitgliederbefragung abstimmt, aber er führt an, dass eine neue Groko der Partei schaden würde: „Nach jeder Groko geht die SPD gerupft raus. Was ist nach der dritten Groko?“, fragt Niederhöfer, der der SPD eine Kur mit „Selbstachtung, Haltung, Glaubwürdigkeit“ verschreiben würde. Auch die Parteiführung müsse an sich arbeiten: „Die SPD hat ein kommunikatives Problem gehabt.“ Dazu gehöre zum einen das Außenminister-Hin- und Her des vormaligen Vorsitzenden Martin Schulz, zum anderen das Auftreten von Andrea Nahles. Die designierte Parteivorsitzende müsse ernsthafter werden, fordert er: „Bätschi – in einem Eifeldorf kann das ziehen.“ Aber nicht als möglicherweise künftige Vorsitzende der ältesten Partei Deutschlands. Mit Neuwahlen hätten weder Niederhöfer noch Mrosek-Handwerk ein Problem. Die SPD-Frau sagt: Selbst wenn eine Neuwahl jetzt schlecht für die SPD ausgehen würde, gebe es ja ein Danach – und eine weitere Wahl. Und der SPD-Mann Niederhöfer bekennt: „Davor habe ich keine Angst. Im Gegenteil. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch tiefer geht.“