Grünstadt Eckbach hat sich gut erholt

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Zwei dieser Nagetiere – kleiner als Biber, aber größer als Bisamratten, die andere Abschnitte des Eckbachs bevölkern – haben im Frühjahr Nachwuchs bekommen. Sechs possierliche Jungtiere wohnen mit der Mutter in den Gängen in der Uferböschung, planschen und toben im Bach und mümmeln die dort wachsenden Pflanzen samt Wurzeln in sich hinein. Der Vater wohnt ein wenig bachaufwärts, die Erziehung der Kinder ist dem Weibchen überlassen. Dass sich solche Nutria am Eckbach niederlassen, ist ein Zeichen für die gute Qualität des Gewässers. Otto Frey und Klaus Petermann vom Umweltverein Alte Sandkaut in Dirmstein betonen, dass vor allem die kleinen bis kleinsten Bewohner des Gewässers Indizien für die zunehmende Sauberkeit des Wassers sind. Die beiden haben einen Überblick über die Artenvielfalt im und am Eckbach, der in Carlsberg entspringt und bei Worms in den Rhein mündet. Libellen verschiedenster Größen und Farben, Stein-, Köcher- und Eintagsfliegen, Strudelwürmer, Schlammröhrenwürmer, Egel und Schlammschnecken sind in dem Bach heimisch, sagen Frey und Petermann. Ja sogar die Bachmuschel (Unio Crassus) komme vor, obwohl es auf der Internetseite des Landesamts für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht heißt, es gebe sie in der Vorderpfalz nur noch im Bruchbach-Otterbach-System. Diese Artenvielfalt sei nicht selbstverständlich, sagt Petermann. Im Jahr 2004 habe es den ersten Vorfall gegeben, der alles Leben im Eckbach ausgelöscht habe. 2007 sei der Eckbach einmal dunkelblau gewesen, ein weiteres Sterben der Tiere im Gewässer sei die Folge gewesen. Die Farbe konnten die beiden bis zur Weidenmühle zurückverfolgen. In beiden Fällen habe jedoch nie endgültig geklärt werden können, wer für die Einleitung der Schadstoffe verantwortlich war. Dass sich der Bach nun erholt, freut die beiden Naturschützer. Dazu habe beigetragen, dass es in Dirmstein keine Kläranlage mehr gibt und die Randstreifen, die die Bachböschung von den Feldern trennen, verbreitert wurden. Das reduziere die Wahrscheinlichkeit, dass Dünger und Pflanzenschutzmittel von den Feldern in den Bach gelangen. Wie wichtig eine Renaturierung dieses Stücks von der neuen Fußgängerbrücke am Ortsausgang Laumersheim bis zur Apotheker-Hummel-Straße in Dirmstein ist, stellen nicht nur die Mitglieder der Alten Sandkaut heraus, sondern auch Landschaftsarchitekt Peter Hess aus Ludwigshafen. Er wurde mit der Planung der Eckbach-Renaturierung beauftragt. Eine Renaturierung würde bedeuten, so Hess, dass die Bachsohle tiefergelegt, die Böschung abgeflacht und der jetzt vorhandene Damm zurückgebaut wird. Der sei sowieso durch die vielen Gänge, die die Nutrias hineingegraben haben, bei höherem Wasserstand einsturzgefährdet. Zum einen würde dadurch im Fall von Hochwasser die Apotheker-Hummel-Straße nicht mehr überflutet. „Wenn wir es außerdem schaffen, die Zwei-Meter-Stufe an der Spormühle auszugleichen, wo sich früher das Mühlrad gedreht hat, dann ist der Bach von oben bis unten durchlässig für alle im Wasser lebenden Organismen“, sagt Hess. Ihm kommt es vor allem auf den Erhalt und die Vermehrung der Kleinstlebewesen wie Glocken- und Rädertierchen, Polypen und Asseln an, die organische Substanzen aus dem Wasser filtern und es sauber und sauerstoffreich halten. Damit sei der Eckbach auch ein Puffer für das Trinkwasser der Menschen, weil das reine Bachwasser ins Grundwasser gelange. Um das Genehmigungsverfahren für die Renaturierung einleiten zu können, muss aber noch mit dem neuen Eigentümer der Spormühle in Dirmstein gesprochen werden, sagt Bauamtsleiter Erwin Fuchs von der Verbandsgemeinde Grünstadt-Land. Teile des Mühlengrundstücks müssten gekauft oder der Gemeinde zur Nutzung überlassen werden, damit die Pläne erfolgreich umgesetzt werden können. Sollte es dazu kommen, dass danach ein weiteres Stück des Eckbachs in Dirmstein in eine natürliche Form zurückgeführt wird, wünschen sich Frey und Petermann einen Wasserspielplatz am dicken Baum. Man werde weiterhin versuchen, das Bewusstsein der Menschen für ihre Umwelt zu stärken, um auch der nächsten Generation die Freude an der Tier- und Pflanzenwelt in ihrer unmittelbaren Umgebung zu ermöglichen.

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