Grünstadt „Die Verbraucher entscheiden“

So soll es nicht sein: Eine Plastiktüte treibt im Meer.
So soll es nicht sein: Eine Plastiktüte treibt im Meer.
Herr Grommes, was fällt Ihnen denn spontan zum Begriff Kunststoff ein?

Ein moderner Werkstoff, den Menschen erfunden haben und der zum Beispiel sehr leicht ist. Das spart einerseits Energie, etwa beim Transportieren – das ist gut. Andererseits wird „herrenloser“ Kunststoff durch den Wind überall hin geblasen und landet in der Umwelt – das ist nicht schön! Sie sind ja ein Abfallverwertungsexperte: Was ist aus Ihrer Sicht denn der Knackpunkt beim Kunststoff? So ein moderner Werkstoff hat viele Vorzüge, einen davon nannte ich bereits. Er kann aber auch gravierende Nachteile haben, wenn man beim Herstellen von Produkten oder beim späteren Gebrauch durch den Käufer nicht auf die Folgen achtet, wenn er später entsorgt wird. Nachteile gibt es, wenn man nicht alle wichtigen Aspekte bedenkt, also die Entsorgung beziehungsweise das Recycling. Man sieht ja immer mal wieder Bilder von Plastiktüten im Meer oder hört, dass in Meersalz Plastikteilchen auftauchen. Veranschaulichen solche Berichte die Dramatik und Vielfalt des Themas? Die von Ihnen beschriebenen Bilder muss man nicht bestätigen, sie sind leider Tatsachen! Plastikabfälle im Wasser oder Mikroplastikteilchen in der Natur sind die Folgen einer Konsumgesellschaft, die in bisher noch ungenügender Weise die Folgen bedenkt, wenn die Produkte ihren Nutzwert verloren haben und Abfälle geworden sind. Wir Menschen müssen uns hier um viel mehr kümmern, ob als Produzenten, als Händler oder als Konsumenten. Was müssen Verbraucher und Produzenten Ihrer Ansicht nach beachten? Produzenten und Händler müssen viel mehr als bisher das spätere Recycling und die Entsorgung bedenken, und zwar schon bei der Produktentwicklung. Hier ist auch der Gesetzgeber gefordert, der dafür den richtigen Rahmen setzen muss. Verbraucher müssen auf das achten, was sie selber verändern können und wollen. Das scheint einem persönlich zwar als wenig, kann aber – mit einer hohen Konsumentenanzahl multipliziert – große Wirkung entfalten. Woran denken Sie dabei? Das sind Fragen wie: Brauche ich dieses Produkt? Welche Lebensdauer soll es haben und welche Qualität? Brauche ich eine Verpackung oder nicht? Möchte ich eine Mehrwegverpackung nehmen? Brauche ich einen Kunststoffbeutel beim Einkaufen oder habe ich einen Korb oder Stoffbeutel dabei? Es sind die Verbraucher, die entscheiden, was gekauft wird! Und Verbraucher entscheiden über ihr Entsorgungsverhalten auch darüber, wo Abfälle hin gelangen: an die falsche oder an die richtige Stelle. Weiterer Text zum Thema Plastik unten Vortrag Der Müllheizkraftwerkbetreiber GML bietet am kommenden Freitag, 18 bis 21 Uhr, einen Vortrag zum Thema „Problem Kunststoff? – Schwierigkeiten bei der Verwertung und in der Natur“ in der „Lucation“, dem Ehemaligen Hallenbad Nord in der Erzberger Straße 12 in Ludwigshafen an. Da die Teilnehmeranzahl begrenzt ist, wird um Anmeldung gebeten. Die E-Mail-Adresse lautet: ute.seibert@gml-ludwigshafen.de

Mehr zum Thema
x