Grünstadt „Die gesamte Pfalz ist betroffen“

Die Bürgerinitiative hat den militärischen Flugbetrieb im Blick.
Die Bürgerinitiative hat den militärischen Flugbetrieb im Blick.
Warum laden Sie im Leinigerland zu einem Informationsabend ein, obwohl ihre Initiative ihren Sitz in Kaiserslautern hat?

Es geht darum, dass das Leiningerland auch betroffen ist durch den Flugbetrieb in der Temporary Reserved Airspace (TRA) Lauter, die sich über das Saarland und die gesamte Pfalz erstreckt und bis zur französischen Grenze reicht. Unser Sitz in Kaiserslautern hat für die Veranstaltung selbst keine Bedeutung, denn wir betreuen den gesamten Raum, in dem die Übungen der Kampfjets stattfinden. Dazu stehen wir mit dem Bundesverteidigungsministerium in Verbindung und reden mit den Verantwortlichen dort über die Probleme. Wir haben außerdem Beschwerdeführer aus dem Leiningerland, die sich am Fluglärm stören. Deshalb wollen wir hier jetzt intensiver informieren. Die Stadt Kaiserslautern liegt bekannterweise mitten in der Einflugschneise des Airports Ramstein. Hier in der Region sind die Flieger noch weitaus höher unterwegs. Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung? Es ist richtig, dass der Einflug hier weitaus höher ist. Er beginnt an einem Punkt, der Frankenstein heißt und auf der Linie zwischen Bad Dürkheim und Frankenstein liegt. Dort müssen die Maschinen auf 1500 Meter runter sein, dort beginnt der Anflug auf Ramstein. Aber tatsächlich beginnt der Anflug erst 1,6 nautische Meilen vor dem Flugfeld Ramstein. Erst dann muss der Flieger auf der direkten Einflugschneise sein. Um diese Maschinen geht es allerdings bei unserer Veranstaltung kaum. Richtet sich Ihre Kritik gegen militärischen oder zivilen Flugverkehr? Es geht nur um den militärischen Flugbetrieb, wobei der An- und Abflug auf die Airbase Ramstein das kleinere Übel ist. Die größte Belastung entsteht durch die Kampfjets, die beispielsweise von der US-Air-Force in Spangdahlem gestartet werden. Da reden wir von einer Rudel-Verlärmung, da die F16-Jets im Verband fliegen, dabei Kampf- Übungen über unserer Region absolvieren. Wenn elf Jets drei Stunden üben, dann ist das eine zusammenaddierte Lärm-Emission von 33 Stunden für die Menschen, die sich das im Übungsraum anhören müssen. Der Übungsraum ist nicht sehr groß und wird von der Bundeswehr eingeteilt, wobei die US-Airforce der Hauptnutzer ist. Bei einer Planungsstelle in Kalkar werden alle Übungen in diesem begrenzten Luftraum koordiniert. In der TRA Lauter agieren auch deutsche Euro-Fighter und Tornados der Bundeswehr sowie die Flieger weiterer Verbündeter wie der Belgier und Niederländer. Hauptproblem ist, dass Militärmaschinen immer dort üben müssen, wo die zivile Luftfahrt keinen Vorrang hat. Dadurch konzentriert sich der Flugbetrieb der Jets immer stärker über der Pfalz und dem Saarland in der bereits erwähnten TRA Lauter, die so zur meistgenutzen Flugzone im gesamten Bundesgebiet geworden ist. Was wollen Sie mit der Ausweitung Ihrer Aktivitäten ins Leiningerland erreichen? Eine Begrenzung der Lärmemissionen. Das geht nur, wenn die Nutzungsdauer und die Intensität eingeschränkt werden. Fairerweise muss man sagen, dass das Verteidigungsministerium bereits das Zugeständnis macht, dass freitags ab 13 Uhr keine Übungsflüge mehr zugelassen werden. Warum starten Sie ihre Aufklärungskampagne gerade jetzt? Von einem Start kann man da nicht sprechen, unsere Arbeit im Leiningerland läuft schon länger. Einer unserer Vorstände lebt in Obrigheim. Nachdem wir andere Regionen, die in der TRA liegen, bereits besucht haben, werden wir jetzt verstärkt im Leiningerland aktiv und wollen anschließend mit unseren Veranstaltungen weiter in Richtung Süden gehen. Es geht dabei neben dem Lärm auch um Schadstoffe, die von den Fliegern abgesondert werden. Beispielsweise das laut Datenblatt des Herstellers Chevron hochgiftige, krebserregende und erbgutverändernde Flugbenzin JP8, mit dem die Jets angetrieben werden. In der Region arbeiten viele Winzer, immer mehr auch als Bio-Betriebe. Da ist es schon kritisch, wenn deren Ambitionen, einen naturreinen Wein herzustellen, durch das Ablassen von Flugbenzin über den Weinbergen gestört werden. Termin Infoveranstaltung, Donnerstag, 14. März, 19 Uhr, Maxi-Autohof. Infos im Internet unter www.fluglaerm-kl.de .

Horst Emrich
Horst Emrich
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