Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Die BBS hat mit „Hausverboten“ zu kämpfen

Über ihr breites Bildungsangebot möchte die BBS Donnersbergkreis bei zwei Veranstaltungen zu Wochenbeginn informieren.
Über ihr breites Bildungsangebot möchte die BBS Donnersbergkreis bei zwei Veranstaltungen zu Wochenbeginn informieren.

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass man am Wirtschaftsgymnasium in Eisenberg nur ein spezielles Abitur machen kann. Die BBS Donnersbergkreis will aufklären.

Seit die Integrierten Gesamtschulen (IGS) in der Region komplett mit Oberstufen aufgebaut sind, hat die Berufsbildende Schule (BBS) Donnersbergkreis ein paar Probleme. „Wir dürfen nicht mehr die Zehntklässler über unsere Angebote informieren“, klagt Tobias Fleckenstein, Zweiter Stellvertreter des Direktors und Leiter des Wirtschaftsgymnasiums. Lediglich Flyer dürften in den Sekretariaten abgegeben werden. So sei es sehr schwer, falsche Vorstellungen über die BBS mit ihren Standorten Eisenberg, Rockenhausen und – für die Sozialpädagogen – Alsenz auszuräumen. „Immer wieder ist beispielsweise zu hören, dass man bei uns nur ein ganz spezielles Abitur ablegen könnte“, berichtet er. Dabei handele es sich um das ganz normale Abi, die Allgemeine Hochschulreife, allerdings mit bestimmten Profilfächern.

Betriebswirtschaftslehre – eines der beliebtesten Studiengänge – müsse als Leistungskurs belegt werden. Das werde auch bilingual angeboten, mit fünf Wochenstunden auf Englisch und zwei auf Deutsch. Dazugenommen werden könnten Informatik und Mathematik als Leistungsfächer. „Diese Kombination gibt es an keiner allgemeinbildenden Schule“, betont Fleckenstein. Auch für Sport als Leistungskurs könne man sich am Wirtschaftsgymnasium entscheiden. Aktuell gebe es einen.

Fremdsprachenzertifkate im Angebot

Als weitere Fremdsprache wird an der BBS Spanisch gelehrt. Die Nachfrage sei hoch gewesen, erklärt Schulleiter Matthias Frietsch. „Das ist für viele attraktiv, weil man sich dann in den bevorzugten Urlaubsregionen verständigen kann.“ Früher sei Französisch gelehrt worden. Latein gebe es an einer BBS grundsätzlich nicht, ebenso wenig wie Geschichte. „Das kleine Latinum lässt sich bei Bedarf an der Uni absolvieren“, sagt er. Seit 2008 kann in den kaufmännischen Bildungsgängen ein Fremdsprachenzertifikat erworben werden, seit 2016 auch im Bereich Elektronik/Mechatronik.

Die „Hausverbote“ an den umliegenden Gesamtschulen, wie Direktor Frietsch es nennt, führten auch dazu, dass das Berufliche Gymnasium, das lediglich aus der Mainzer Studienstufe (MSS) besteht, zu wenige Schüler hat. In den Jahrgang elf würden seit einiger Zeit nur noch rund 50 junge Menschen aufgenommen, Platz wäre aber für 90, so Frietsch. Der 64-Jährige regt die Bildung einer kooperativen Oberstufe zwischen BBS und IGS an. Die Lernenden hätten einen größeren Fächerkanon zur Auswahl und statt nur zweieinhalb Jahren an der IGS würden sie drei Jahre bis zum Abitur durchlaufen, wodurch sich die Noten mutmaßlich verbessern.

Absage an kooperative Oberstufe

Das wäre laut Bildungsministerium weder darstellbar noch zielführend. „Die IGS verfolgt einen integrativen Ansatz, der darauf abzielt, Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Leistungsniveaus zu fördern und allen eine breite Allgemeinbildung zu vermitteln“, erläutert der Sprecher Ulrich Gerecke. Das Berufliche Gymnasium dagegen lege den Fokus stark auf berufliche Bildung „und bereitet die Schüler auf spezifische Studiengänge und Ausbildungen vor“. Die Lehrpläne der grundverschiedenen Schulformen seien entsprechend unterschiedlich strukturiert. Dass die BBS ihr Angebotsspektrum an den Gesamtschulen nicht vorstellen dürfe, sei kein Problem, sofern „gleichwertig über alle Bildungswege informiert“ werde. „Wenn eine Schule berufliche Orientierung und Schullaufbahnberatung ohne Einbeziehung externer Kräfte leistet, ist das nicht mit einem ,Hausverbot’ gleichzusetzen“, sagt Gerecke.

Abgesehen vom Wirtschaftsgymnasium ist die BBS, die auch Kooperationen mit den Hochschulen Worms und Ludwigshafen pflegt, aber ausgelastet und kratzt an ihrer Kapazitätsgrenze. Im laufenden Schuljahr 2024/25 wird sie von 1320 Jugendlichen, Frauen und Männern zwischen 15 und 45 Jahren besucht. „Jedes Klassenzimmer ist belegt“, macht Frietsch klar, dass keine freien Räume vorhanden sind. Mehr Lehrkräfte wären auch wünschenswert. Aktuell seien es 97.

Sprachförderung im Berufsvorbereitungsjahr

Die Notwendigkeit für Deutschunterricht für Ausländer steigt. Seit Anfang Februar hat die BBS allein vier Sprachförder-Klassen im Berufsvorbereitungsjahr, wo der Hauptschulabschluss (Berufsreife) erworben werden kann. Ein Großteil der Schüler seien Ukrainer, sagt Frietsch. Zwischen dem BVJ und dem Wirtschaftsgymnasium liegen verschiedene Ausrichtungen der Höheren Berufsfachschule, der Fachschulen für Sozialwesen, der Pflegeschule, der Berufsschulen sowie der Berufsfachschulen I und II. Über all das soll am Wochenanfang in der BBS informiert werden.

Termin

Informationsabende am Montag, 10. Februar, 18 Uhr, am Standort Eisenberg und am Dienstag, 11. Februar, 18 Uhr, in Rockenhausen.

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