Leiningerland
Die Bürgerbusse sind seit 2016 rund 135 000 Kilometer gefahren
„Wir waren unter den ersten in der Region, die mit ihren Bürgerbussen Menschen zum Impfzentrum gebracht haben“, erzählt Gaby Müller, bei der die Fäden der Organisation zusammenlaufen. Insgesamt seien rund 250 Senioren für den schützenden Piks in den Oberarm zur Salierhalle in Bad Dürkheim und wieder nach Hause gefahren worden. „Am Anfang standen wir fürs Impftaxi auch abends, an Feiertagen und an Wochenenden bereit, aber das hat sich als überflüssig herausgestellt“, sagt die Gerolsheimerin. Deren Ehemann ist übrigens auch an Bor: Manfred Müller hat das Programm für die Planung der Bürgerbus-Touren erstellt und dabei circa 1000 Zieladressen eingepflegt.
Bei Impfterminen sei es mehrfach vorgekommen, dass die Leute schon weg waren, weil sie sich von Nachbarn, Angehörigen oder sogar dem Bürgermeister fahren ließen, berichtet Müller. „Wir kennen die Strecken und rechnen nur einen kleinen zeitlichen Puffer für Verkehrsstörungen ein. Aber manche Bürger sind einfach ungeduldig und haben Sorge, dass sie zu spät im Impfzentrum sind“, erklärt sie.
Rund 500 Personen auf der Liste der Fahrgäste
Oder sie bekommen einfach nicht mit, dass das Impftaxi vor der Tür steht, wie Fahrer Christian Deimel berichtet: „Eine Carlsbergerin reagierte nicht auf Klingeln und nicht auf Anrufen. Ich hab es dann noch erfolglos über die Nachbarn versucht. Später erfuhr ich, dass die Dame das alles nicht gehört hatte und sich schließlich von einer Freundin fahren ließ.“ Die Geschichte sei gut ausgegangen. Zwar sei die Carlsbergerin zu spät in der Salierhalle gewesen, sie wurde aber dennoch geimpft.
Nicht zuletzt aufgrund des besonderen Taxidiensts ist die Liste der Fahrgäste seit Beginn der Corona-Krise von 380 auf rund 500 angewachsen. Und das, obwohl die Bürgerbusse im vergangenen Jahr von 12. März bis 2. Juli sowie vom 5. November 2020 bis 6. Juni 2021 auf dem Parkplatz blieben. Die „Neuen“ seien oft noch recht unsicher, sagt Müller: „Sie haken kurz vor der Fahrt nach, ob es bei der vereinbarten Beförderung bleibt.“
Service nur für Bürger der Verbandsgemeinde
Insgesamt würden derzeit jede Menge Fragen gestellt. „Vielen ist auch nicht bewusst, dass wir uns ehrenamtlich engagieren“, erklärt die Koordinatorin. So habe beispielsweise eine Frau darüber geschimpft, dass der Staat nicht für seine Bürger da sei, als eine Tour an einem Samstag abgelehnt wurde. Gefahren wird dienstags und donnerstags für jeweils acht Stunden.
Auch wollten sich immer wieder Grünstadter für eine Fahrt anmelden, erzählt Müller. „Wir dürfen aber nur Einwohner aus den 21 Dörfern der Verbandsgemeinde transportieren, weil die VG den Betrieb ja maßgeblich finanziert.“ Ganz abgesehen davon könnte es das Team aus 49 Freiwilligen, die alle im Rentenalter sind und nur zwei Busse zur Verfügung haben, nicht leisten, das Angebot für die rund 31.000 VG-Bürger um etwa 14.000 Grünstadter zu erweitern.
Der Kontakt ist den Senioren wichtig
Seit dem Start von Max im November 2016 – Moritz kam ein Dreivierteljahr später dazu – wurden etwa 7000 Fahrten absolviert. Zusammen haben der Peugeot und der Opel mittlerweile schon mehr als 135.000 unfallfreie Kilometer auf dem Tacho. Deimel ist von Anfang an dabei gewesen. „Ich finde es sinnvoll, mich parteiunabhängig und regelmäßig für die Gemeinschaft einzusetzen“, sagt der 78-jährige Bockenheimer, der früher einmal in der Kommunalpolitik tätig war. „Außerdem macht es Spaß!“ Ermano Olivan (72) aus Carlsberg erklärt: „Ich bin im Ehrenamt zu Hause.“ Früher hat er sich unter anderem um den Aikidosport verdient gemacht, heute sitzt seine Frau Gudrun meist auf dem Beifahrersitz im Bürgerbus.
Deimel und Olivan kümmern sich darüber hinaus auch um die Pflege der Sechssitzer. Momentan gehört das regelmäßige Desinfizieren dazu. Im Lauf der Zeit bekomme man viele Sorgen der Fahrgäste und etliche Familiengeschichten mit, berichten sie. Gern nähmen die Fahrgäste auch Umwege in Kauf, weil dann mehr Zeit zum Erzählen bleibe. „Uns werden auch alte Volkslieder vorgeträllert“, sagt Deimel. Es gehe vielfach gar nicht um den Einkauf oder den Arztbesuch, sondern vor allem den Kontakt. „Manche Leute wollen sich nur von bestimmten Mitarbeitern abholen lassen“, berichtet Müller. Vereinzelt machten sie sich auch besonders zurecht „für ihren Mann“ am Steuer.
„Wir schleppen Taschen in den zweiten Stock und helfen beim Ein- und Aussteigen“, beschreibt Olivan den Service des Teams. Ihm ist aufgefallen, dass die Senioren steifer geworden sind, nachdem sie monatelang daheim hocken mussten. „Die kommen kaum noch in den Bus“, sagt er. Deimel erinnert sich an eine Dame, die er vor Corona zweimal wöchentlich zur Physiotherapie fuhr. „Jetzt war sie über ein Jahr nicht mehr da, obwohl sie die Krankengymnastik dringend braucht.“ Bei solchen Widrigkeiten kann der Bürgerservice nun hoffentlich wieder helfen.
Anmeldung
Die Bürgerbusse Max und Moritz fahren dienstags und donnerstags von 8 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr. Anmeldung sind montags und mittwochs zwischen 14 und 16 Uhr möglich, Telefon: 06359/8001-7777 oder 8001-7778.