Grünstadt Der Traum vom kleinen Konzerthaus
Ka-Ching! Die Registrierkasse rasselt. So wie sie es seit 1973 immer tut. Gebannt schauen Reinhard Stephan und Bernd Bode auf einen Laptop und lassen das bis dato letzte Konzert im Tiefenthaler SunHouse noch mal Revue passieren. „Moneyyyy“, schallt es aus den Computerboxen. The Floyd Show waren Anfang April zu Gast, eine Pink-Floyd-Tribute-Band aus Baden-Württemberg. Es war ein schönes Konzert. Presse, Publikum, Veranstalter – alle waren sie begeistert. Es sind Abende wie diese, weshalb Reinhard Stephan, der Betreiber des SunHouse in Tiefenthal, den ganzen Organisationsaufwand auf sich nimmt. Denn wirklich profitabel, sagt er, sei es natürlich nicht, das Konzerteveranstalten auf dem Land. „Man legt eigentlich meistens etwas drauf oder es ist ein Nullsummenspiel“, sagt er. Zumal er keine Zuschüsse bekomme, sich damit allerdings auch noch nicht groß befasst habe. Aber ums Geldverdienen gehe es ihm auch nicht. Reinhard Stephans Leidenschaft ist die Musik, vor allem die der siebziger und achtziger Jahre. Sie für das Publikum erlebbar zu machen, wieder greifbar zu machen – das sieht er als seine Mission. „Ich lege dabei viel Wert auf die Qualität der Künstler, sie müssen handwerklich gut sein und auch in einem regelmäßigen Spielbetrieb“, so Stephan über seine Bandakquise. Die Tribute-Gruppen, die er schließlich engagiere, sollten dann auch nicht einfach die Songs der großen Originale 1:1 nachfideln, sondern dürfen dem Ganzen auch durchaus einen eigenen Stempel aufdrücken. Das ist Stephans Credo, sowohl auf dem Nackter Hof, auf dem er jeden Sommer sein Festival „Rock im Hof“ veranstaltet, als auch im Tiefenthaler SunHouse, seiner zweiten etablierten Veranstaltungsstätte in der Region. Diese hat sich mehr oder weniger aus einem Zufall heraus zu einer solchen entwickelt. Bei einer Party mit ein paar befreundeten Bands stellte Stephan fest, dass sich die 1922 erbaute Örtlichkeit hervorragend für Konzerte eignen würde. Zu Beginn nannte er die ehemalige Scheune „Home of Sun“, später wurde dann daraus das „SunHouse“. „Ich fand die Idee einfach immer reizvoll, meinen eigenen Club, meine eigene Konzertstätte zu haben. Gerade angesichts der fehlenden Auftrittsmöglichkeiten hier in der Region“, so Stephan, der ja auch selbst Musik macht, unter anderem als Keyboarder der 1969 gegründeten Prog-Rock-Band Sun. Sein 50. Bühnenjubiläum feiert Stephan natürlich auch im Sun House – im August, mit aktuellen und früheren Mitgliedern seiner Bands Sun und 8 ATÜ. Wohl im oberen Stockwerk, das seit 2016 auch für Konzerte genutzt werden kann. Stephan hat in den vergangenen beiden Jahren jeweils rund 5000 Euro investiert, für größere und kleinere kosmetische Eingriffe, etwa in den Sound oder die Beleuchtung. In diesem Jahr soll das letzte Drittel des Stockwerks ausgebaut, die Kapazität so von 100 auf 150 Zuschauer erhöht werden. „Ich kann mir auch einen Bistrobereich bei Konzerten da oben vorstellen“, so Stephan. An Mauerwerk und Gebälk werde man nichts verändern, Besucher und Bands schätzten das rustikale Ambiente. Und so will Stephan auch in Dekofragen äußerst behutsam agieren: „Ich will nichts überfrachten. Der Charme des Gebäudes soll erhalten bleiben.“