Grünstadt Der größte Wunsch ist Arbeit
«GRÜNSTADT.» Die Asylbewerber müssten nun viel individueller betreut werden, als auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle vor drei Jahren, erläutert Monika Grundmann. Die 38-Jährige ist Koordinatorin für Asyl und Ehrenamt der Stadt Grünstadt und der VG Leiningerland, die sich die Kosten für ihre Stelle anteilmäßig (40 Prozent die Stadt, 60 Prozent die VG Leiningerland) teilen. Sei es vor drei Jahren darum gegangen, die Flüchtlinge mit einer Wohnung und dem Nötigsten zum Leben zu versorgen und für die Kinder Kita-Plätze zu organisieren, gehe es jetzt darum, sie darin zu unterstützen, die Papiere für einen Ausbildungsplatz zusammenzubringen, Bewerbungen zu schreiben oder sich auf ein Vorstellungsgespräch vorzubereiten, schildert Grundmann. Sie steht mit vielen der Familien in regelmäßigem Kontakt, besucht sie und vermittelt schon mal zwischen Vermieter oder den Nachbarn, wenn nötig. 460 Geflüchtete leben in der Stadt und der VG Leiningerland 70 Asylbewerber leben laut Bernhard Ellbrück (FDP), Erster Beigeordneter, derzeit im Stadtgebiet. Für ihren Lebensunterhalt und die Wohnung kommt die Stadt auf. Daneben gebe es noch weitere 100 Menschen, die bereits als Flüchtlinge anerkannt seien. Dies bedeute, dass diese ein Bleiberecht von einem oder drei Jahre haben und ihre Leistungen für ihren Lebensunterhalt nicht mehr von der Stadt, sondern von der Agentur für Arbeit (Arge) beziehen, erklärt Ellbrück. In der VG Leiningerland leben laut Karl-Peter Grimm, dem Fachbereichsleiter Bürgerdienste bei der VG Leiningerland, zurzeit 290 Geflüchtete. Darunter befinden sich 137 Menschen in einem laufenden Verfahren zur Anerkennung ihres Flüchtlingsstatus. Für diese kommt die VG Leiningerland auf. 153 sind bereits als Flüchtlinge anerkannt. Schon einige Flüchtlinge an Firmen vermittelt Es sei nicht einfach, die Flüchtlinge in Arbeit zu bringen, sagt Frank Rüttger Bürgermeister der VG Leiningerland (CDU). Aber es gebe etliche positive Beispiele. Man habe schon Gespräche mit verschiedenen Firmen im Leiningerland geführt. Dabei sei es gelungen, mehrere Männer unter anderem über Leiharbeitsfirmen bei Gechem in Kleinkarlbach sowie direkt bei der Sausenheimer Wellpappe unterzubringen, ergänzt Grimm. An Raumausstattung Petri in Kirchheim habe man daneben einen Azubi vermitteln können und etliche Männer an die Palettenhandel- und Reparatur GmbH in Grünstadt. Einige Frauen seien im Pfalzhotel Asselheim und im Grünstadter Brauhaus beschäftigt, sagt Grundmann. „Die Mehrheit der Flüchtlinge ist inzwischen hier angekommen. Auch was das Zusammenleben untereinander angeht, hat sich viel bewegt“, sagt Rüttger. Es gebe schon viele Kontakte zu Deutschen und den Vereinen vor Ort, berichtet Grundmann. Gleichwohl sei den Flüchtlingen durchaus bewusst, dass sie im Fokus stünden. Auch die jüngsten Ereignisse in Chemnitz seien nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen: „Sie wissen, dass sie einen schlechten Ruf haben und tun alles, um nicht negativ aufzufallen“, berichtet die Koordinatorin für Asyl- und Ehrenamt. Gerade für junge Männer sei es nicht leicht. „Natürlich würden sie hier gern eine Freundin kennenlernen, haben aber die Befürchtung, mit Triebtätern in eine Ecke gestellt zu werden.“ Hilfe bei der Vorbereitung zum Bewerbungsgespräch gefragt Nach wie vor organisiert Grundmann regelmäßig Sprachkurse mit Ehrenamtlichen als Vorbereitung auf den offiziellen Integrationskurs. Die Räume dazu stellen Stadt und Verbandsgemeinde zur Verfügung. Mit speziellen Radkursen und Vorträgen zu den Themen Gesundheit und Verhütung versucht Grundmann vor allem die Frauen anzusprechen. Daneben sei sie „froh und dankbar“, dass sich immer noch viele Ehrenamtliche bei ihr meldeten, die helfen wollten. Oft gehe es einfach nur um Alltagskleinigkeiten, zum Beispiel, dass die Mülltrennung oder der Fahrkartenautomat erklärt werde. Da derzeit das Thema Bewerbung so aktuell unter den Flüchtlingen sei, seien Personen gefragt, die bereit sind, Jugendlichen und Erwachsenen Nachhilfe zu geben, um das schriftliche Deutsch zu verbessern. Dankbar ist Grundmann auch für Sachspenden: Alte Computer, mit denen die Flüchtlinge lernen, arbeiten und Bewerbungen schreiben könnten, wären hilfreich. EINWURF kontakt Monika Grundmann hat ihr Büro bei der VG-Verwaltung Leiningerland und ist unter Telefon 06359/8001-4041 und per E-Mail: monika.grundmann@vg-l.de zu erreichen.